28.02.13

China

Schläger attackieren ARD-Korrespondentin Adelhardt

Ein deutsches Fernsehteam der ARD wollte über die Urbanisierung in Chinas Provinz berichten, als die Männer mit den Baseballschlägern kamen. Augenzeugen sahen den Wagen eines Parteifunktionärs.

Foto: picture alliance / dpa

Entging nur knapp schweren Verletzungen: ARD/NDR-Korrespondentin Christine Adelhardt
Entging nur knapp schweren Verletzungen: ARD/NDR-Korrespondentin Christine Adelhardt

Ein deutsches Fernsehteam des Pekinger ARD-Büros ist bei Dreharbeiten in der Provinz bereits zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten von lokalen Schlägern angegriffen worden. Der Pekinger Verein der Auslandsjournalisten (FCCC) protestierte scharf gegen den "bestürzenden brutalen Übergriff".

Das Fernsehteam mit der Leiterin des ARD-Büros, Christine Adelhardt, sei "schweren Verletzungen nur knapp entgangen, als zwei Männer mit Baseballschlägern das Fahrzeug attackierten und die Windschutzscheibe zerschmetterten", schreibt der FCCC.

Zum Vorfall am Mittwoch kam es, als das ARD-Team in der Landgemeinde Da Yan Ge Zhuang Aufnahmen für einen Beitrag über Urbanisierung machte. Korrespondentin Adelhardt hatte mit zwei deutschen und zwei chinesischen Mitarbeitern in dem Dorf 50 Kilometer östlich von Peking bei der Stadt Sanhe neue und alte Häuser gefilmt. Bei der Weiterfahrt folgten ihnen vier bis fünf Autos im Konvoi, die aggressiv versuchten, den ARD-Wagen von der Straße abzudrängen und ihn schließlich zum Halten brachten.

Baseballschläger und splitternde Scheiben

Die Fahrer hätten mit Fäusten gegen die Fenster gehämmert. Das Team fuhr weiter. Nach einer Verfolgungsjagd rammten sie den ARD-Wagen. Als er stand, schlugen sie mit Basketballschlägern auf ihn ein.

Dem Fahrer gelang es, mit dem lädierten Wagen bis zu einer Verkehrspatrouille der Polizei zu flüchten, und dort um Hilfe zu bitten. Die Beamte eskortierten die deutschen Journalisten zur Sanhe-Polizeiwache.

Wegen der langen Dauer der Untersuchungen und Aufnahme von Protokollen musste die Fernsehcrew, die Unterstützung von Botschaftsbeamten in Peking bekam, 16 Stunden auf der Station ausharren.

Wer steckt hinter der Attacke?

Augenzeugen wollen gesehen haben, dass einer der an der Verfolgung beteiligten Wagen dem lokalen Parteisekretär gehörte. Die Polizisten erklärten dagegen, dass sich Dorfbewohner angeblich von den filmenden Ausländern provoziert fühlten.

Erst im vergangenen August war das ARD-Team bei Aufnahmen über Umweltprobleme in China vor einer Chemiefabrik in der Nähe der Stadt Jiaozuo in der zentralchinesischen Provinz Henan von "spontan aufgebrachten Arbeitern" bedroht und angegriffen worden. Herbeigeeilte Polizisten brachten die Deutschen in Sicherheit und hielten sie neun Stunden lang vor Ort fest.

Erst nach Vermittlung von Provinzstellen und Beamten des chinesischen Außenministeriums konnte das ARD-Team von einer Spezialeinheit bewaffneter Polizei in Sicherheit gebracht werden und nach Peking zurückkehren. Es hieß später, die Journalisten seien von "Anwohnern" der Industriespionage verdächtigt worden.

Berichterstatter werden immer öfter zu Opfern

Solche bedrohlichen Übergriffe haben sich in den vergangenen zwei Jahren auch bei anderen Fernsehteams und Korrespondenten auffällig gehäuft. Immer wieder geraten Journalisten gerade bei ihrer Arbeit in der Provinz in gärende Konflikte über Landenteignungen, illegale Industrieansiedlungen oder schwere Umweltzerstörung und werden als unbequeme Zeugen angesehen.

Einem "Spiegel"-Korrespondenten, der im Dezember in Südchina den landesweiten Skandal um den Erstickungstod von fünf obdachlosen Kindern in einem Müllcontainer nachrecherchierte, wurde offenbar zur Einschüchterung übel mitgespielt. Unbekannte drangen in sein Hotelzimmer ein und zerstörten alle seine Arbeitsgeräte.

Im jüngsten Fall von ARD-Korrespondentin Christine Adelhardt fordert der FCCC die chinesischen Behörden auf, den Vorfall zu untersuchen und die Verantwortlichen zu bestrafen.

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