27.02.13

Satellitenbilder

Mysteriöser Dampf weckt Angst vor Atommacht Iran

Offenbar macht das Regime in Teheran bei seinem Alternativplan zur Atombombe Fortschritte. Satellitenbilder legen nahe: Das Schwerwasser zur Plutonium-Herstellung könnte bereits in Produktion sein.

Von Michael Borgstede und Clemens Wergin
Foto: DigitalGlobe/Getty Images

Das Satellitenbild zeigt, wie über der Anlage in Arak Wasserdampf (roter Kreis) aufsteigt – dies könnte darauf hindeuten, dass die Produktion von Schwerwasser zur Plutoniumherstellung angelaufen ist
Das Satellitenbild zeigt, wie über der Anlage in Arak Wasserdampf (roter Kreis) aufsteigt – dies könnte darauf hindeuten, dass die Produktion von Schwerwasser zur Plutoniumherstellung angelaufen ist

Während die Atomgespräche mit dem Iran wieder einmal vertagt wurden, weil auch im kasachischen Almaty keine greifbaren Fortschritte gemacht werden konnten, mehren sich die Hinweise darauf, dass der Iran auch bei seinem Alternativplan zur Atombombe vorankommt.

So meldet der britische "Daily Telegraph", dass der Iran in Arak eine Anlage zur Produktion von Schwerwasser hochgefahren hat und veröffentlichte als Beleg Satellitenbilder, die zeigen, wie über der Anlage Wasserdampf aufsteigt.

Der Iran benötigt Schwerwasser, um damit den im Bau befindlichen Plutoniumbrüter in Arak zu betreiben. Nach einem offiziell für 2014 vorgesehenen Anfahren des dortigen Reaktors würde dort beim Verbrennungsvorgang Plutonium entstehen, das nach einem Aufbereitungsschritt als Grundstoff für eine Atombombe verwendet werden könnte.

Teheran untersagt Entnahme von Proben

Bisher hat sich die Verhandlungsstrategie der "EU 3 + 3" (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, USA, Russland, China) ganz auf den anderen iranischen Weg zur Bombe konzentriert, nämlich auf den mit hoch angereichertem Uran, das in den Anlagen von Natans und Fordo produziert wird.

In den vergangenen Monaten haben westliche Sicherheitsdienste jedoch festgestellt, dass die Arbeiten des Iran zur Inbetriebnahme Araks zügig voranschreiten. Laut dem letzten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) von Ende November vergangenen Jahres war der Iran beim letzten Besuch der Inspektoren gerade dabei, Kühlleitungen und andere technische Infrastruktur zu installieren.

Im IAEA-Bericht steht ebenfalls, dass Bilder der Schwerwasserproduktionsanlage darauf hindeuten, dass der Iran schon Schwerwasser für den Reaktor produziert. Die IAEA durfte die Produktionsstätte in Arak allerdings seit 18 Monaten nicht mehr besuchen, und Teheran hat den Inspektoren auch untersagt, Proben des Schwerwassers zu nehmen. Der UN-Sicherheitsrat fordert seit 2006, dass Teheran die Bemühungen zur Produktion von Schwerwasser einstellt.

Schon Ende 2012 gab es sechs Tonnen Brennmaterial

Laut iranischen Angaben soll der Reaktor von Arak Anfang 2014 angefahren werden. Nach Informationen der "Welt" hatte der Iran Ende 2012 schon sechs Tonnen Brennmaterial für Arak in der Anlage von Isfahan produziert.

Den iranischen Ingenieuren war es demnach auch gelungen, sogenannten Dummy-Brennstoff herzustellen, der nötig ist, um den Reaktor in einem "kalten" Probebetrieb zu testen und alle Systeme zu prüfen, bevor der Reaktor mit echtem Brennmaterial angefahren wird.

Das Anfahren des Reaktors würde für Israel eine rote Linie überschreiten, da eine Bombardierung des Reaktors nach Inbetriebnahme kaum noch möglich wäre und der Iran damit eine "Zone der Immunität" erreichen würde.

Nach Angaben des "Daily Telegraph" zeigen die Satellitenbilder unter anderem, dass keine iranische Atomanlage so gut mit Luftabwehrraketen geschützt ist wie die in Arak. Laut westlichen Sicherheitsexperten ist der Reaktor in Arak so entworfen, dass er die für diesen Reaktortyp maximale Menge an atomwaffenfähigem Material herstellen kann. Bei vollem Betrieb könnte er im Jahr Material für zwei Atombomben liefern.

Verhandlungen ohne nennenswerte Erfolge

Obwohl die Zeit also drängt, kam es bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm in Kasachstan trotz des Entgegenkommens der sechs Verhandlungspartner des Iran erneut zu keinem Durchbruch.

Die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland stellten der Islamischen Republik eine Lockerung der Sanktionen in Aussicht. Im Gegenzug soll das Land darauf verzichten, in der unterirdischen Anlage Fordo Uran auf 20 Prozent anzureichern. Dies gilt als Ausgangsmaterial für den Bau von Atomwaffen.

Der iranische Chefunterhändler Said Dschalili wertete am Mittwoch die zweitägigen Gespräche in Almaty als "positiven Schritt". Die USA und die EU reagierten zurückhaltend. Offenbar hat es auch diesmal keine Anzeichen dafür gegeben, dass der Iran an substanziellen Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit ist und nicht allein an einem Prozess, um Zeit zu gewinnen.

Nach den negativen Erfahrungen vergangener Jahre, in denen der Iran immer nur auf Zeit gespielt hat, überwiegt die Skepsis. Die Verhandlungen in Almaty waren die ersten der Sechser-Gruppe mit dem Iran seit acht Monaten.

Sorge um Diebstahl in Israel

Nun sollen die Gespräche wie so oft in der Vergangenheit fortgesetzt werden in der Hoffnung, Teheran werde sich doch noch bewegen. Für den 18. März wurde ein Expertentreffen in Istanbul vereinbart. Auf politischer Ebene sind Verhandlungen für den 5. und 6. April angesetzt.

Unterdessen könnten die Bemühungen Israels zur Verhinderung der iranischen Bombe einen Rückschlag erlitten haben. Einem Angestellten im Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sei ein Computer gestohlen worden, berichteten israelische Medien.

Mehr durften sie zunächst nicht melden, weil eine Richterin nämlich eine Nachrichtensperre verhängt hatte. Die Identität des Bestohlenen und alle Informationen bezüglich der Ermittlungen wurden damit zur Verschlusssache.

Ausgerechnet bei der Israelischen Atomenergiebehörde IAEC aber hatte man von der Nachrichtensperre nichts mitbekommen, und so veröffentlichte deren Sprecherin Jael Doron kurz darauf eine Erklärung, die keinen Zweifel ließ: Der Bestohlene war Schaul Chorev, der als Direktor der IAEC nicht nur die beiden Forschungsreaktoren des Landes beaufsichtigt, sondern auch die Regierung bezüglich des iranischen Atomprogramms berät und im ständigen Informationsaustausch mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad steht.

Fragen bleiben trotz Entwarnung offen

Für kurze Zeit wussten die israelischen Medien nicht so recht, was sie nun berichten durften, dann wurde die 90-tägige Nachrichtensperre schon nach einem Tag abgemildert: Die Einbrecher seien in das Haus des Direktors der Atomenergiebehörde eingedrungen und hätten eine Brieftasche, eine Geldbörse und ein nicht weiter beschriebenes Kommunikationsgerät entwendet, hieß es.

Ein Laptop sei nicht abhandengekommen, und geheime Dokumente hätten sich zum Zeitpunkt des Raubs ebenfalls nicht im Haus befunden.

Alles deute darauf hin, dass es sich um einen normalen Einbruch gehandelt habe und die Täter einfach nicht gewusst hätten, wem das Haus im Dorf Beit Itzchak, nahe der Küstenstadt Netanja, gehört. Dennoch bleiben einige Fragen offen: Haben die Diebe die Überwachungskameras an dem Gebäude nur zu spät bemerkt oder sich von ihnen einfach nicht abhalten lassen?

Außerdem soll das Haus nicht durchsucht worden sein. Die Polizei vermutet, die Diebe hätten die Flucht ergriffen, als ihnen klar wurde, dass sich Menschen im Haus befanden. Oder hatten sie möglicherweise schon gefunden, wonach sie suchten?

Auch Bürochef von Ministerpräsident Netanjahu bestohlen

In jedem Fall überprüft das Büro des Ministerpräsidenten nun die Sicherheitsvorkehrungen für Chorevs Wohnsitz. Selbst wenn es sich bei dem Vorfall nicht um einen gezielten Spionageangriff des Iran gehandelt hat, müssen in Jerusalem die Alarmglocken geschrillt haben. Und das nicht zum ersten Mal.

Erst vor wenigen Wochen war dem Bürochef von Netanjahu beim Einkaufen das Smartphone gestohlen worden. Bis heute ist nicht bekannt, ob der Dieb es auf die Telefonnummern von Ministern, Abgeordneten und Sicherheitsleuten, auf den geheimen Terminkalender und allerlei vertrauliche Mails abgesehen hatte oder einfach nur zufällig sein Opfer ausgesucht hatte.

Aus dem Büro des damaligen Generalstabschefs Gabi Aschkenasi wurden vor einigen Jahren von einem Soldaten unter anderem eine Pistole und eine Kreditkarte gestohlen, aus dem Haus des Kommandeurs der Südfront, Joav Galant, entwendeten Diebe ein Laptop und ein Mobiltelefon, und nicht zuletzt gab es da auch schon einmal einen Einbruch in das Haus von Schaul Chorev. Damals wurde bei dem Direktor der Atomenergiebehörde ein Laptop gestohlen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Tumorentfernung Dieser Goldfisch hat eine Not-Operation überlebt
Vollgas Hier entkommt ein Autofahrer dem Abschleppdienst
Als Gottheit verehrt Kalb mit drei Augen begeistert Hindus
Zukünftiges Ich Miley postet unheimliches Foto aus Vergangenheit
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

British Royal

Happy Birthday, Harry! Ein Prinz wird 30

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote