25.02.13

Italien

Warum Berlusconi sich stets als Gewinner fühlt

Für den "Cavaliere", der mit ökonomisch haltlosen Wahlverprechen in den Ring stieg, ist Wahlkampf wie ein Jungbrunnen. Dass es vielleicht bald wieder Neuwahlen gibt, dürfte ihn heimlich freuen.

Foto: AP/dpa

Silvio Berlusconi bei der Abgabe seiner Stimme. Im Wahlkampf ist er in seinem Element
Silvio Berlusconi bei der Abgabe seiner Stimme. Im Wahlkampf ist er in seinem Element

Nein, Silvio Berlusconi, hat am Sonntagmorgen keine drei barbusigen Frauen zu seiner Stimmabgabe nach Mailand bestellt, damit sie da ein letztes Mal öffentlich Rabatz und Werbung für ihn machen. Die Mädchen der ukrainischen Femen-Bewegung haben auch schon auf dem Petersplatz mit lautem Geschrei blank gezogen. Dem Papst hatte es weder geschadet noch genutzt.

Berlusconis Zeitung "Il Giornale" will sogar heraus gefunden haben, dass sein Gegenspieler Pier Luigi Bersani hinter den Blondinen stehe, der ihn mit solchen geschmacklosen Auftritten diskreditieren wollte. Berlusconi bleibt Berlusconi, bis zur letzten Minute des Schicksalswahlkampfs in Italien, den vielleicht nur die Italiener nicht so empfinden – nimmt man die schlappe und schleppende Wahlbeteiligung als Indiz.

Am Samstag vor der Wahl hat er sich jedenfalls noch einmal mit einem Strauß politischer Stilblüten verabschiedet und zur Wahl empfohlen. Einige Beispiele: Die Justiz in Italien sei schlimmer als eine Mafiabande in Sizilien, und er wisse wovon er rede. Die versprochene Rückzahlung der Immobiliensteuer, die der großen Zahl italienischer Eigenheimbesitzer so besonders am Herzen liege, wolle er notfalls privat bezahlen, aus seiner eigenen Tasche, warum denn nicht.

Er sei doch, wie jeder wisse, kein unvermögender Mann. Da komme es auf 4 Milliarden Euro mehr oder weniger in seinem Portemonnaie natürlich auch nicht mehr an. Versuchter Stimmenkauf wird so etwas nur nennen können, der auch die anderen leeren Versprechen des Cavaliere ernst nimmt, die er in den letzten Wochen wie ein Gaukler hat durch die Luft wirbeln lassen.

Zahllose Versprechen sollten den Sieg bringen

Mit folgenden Überraschungen hat er am liebsten jongliert: Nach seinem Wahlsieg werde er nicht nur die Immobiliensteuer abschaffen, sondern auch die Summe der 2012 in die Staatskasse gespülten Gelder bar zurück erstatten, auf gut deutsch: "cash in die Täsch". Die Gewerbesteuer würde abgeschafft. Die Einkommenssteuer um 23 Prozent gesenkt.

Endlich würde die Brücke über die Meerenge von Messina gebaut werden, die eine Unmenge an Arbeit und Aufträge nach Italien spülen werde (wobei dem Land sicher auch noch einmal zugute kommen würde, dass ihr Cavaliere Bestechungsgelder hier und da als Kavaliersdelikte bezeichnet hat, von denen jeder wisse, dass sie überall gezahlt würden, wenn es darauf ankomme). Vier Millionen neue Arbeitsplätze waren nach dieser Analyse des obersten Brückenbauers (lateinisch: Pontifex!) also nicht unrealistisch.

Die Unternehmer, die Arbeitslose einstellen, sollten dabei für drei Jahre von der Steuer befreit und die Staatsausgaben um 16 Milliarden pro Jahr gesenkt werden. Bausünder durften bei "Silvio", dem Barmherzigen, auf Amnestie hoffen, Steuerhinterzieher auf einen Straferlass. Einsitzende Häftlinge sollten gegen Kaution frei kommen, andere Straftäter erst gar nicht antreten - um die überfüllten Gefängnisse zu entlasten und die Staatskassen wieder gescheit zu füllen.

Diesem Ziel wäre auch eine Reduzierung der teuren Abgeordneten und Senatoren beider Kammern auf etwa die Hälfte sehr entgegen kommen. Danach ließe sich für die Verbraucher auch die Mehrwertsteuer und der Benzinpreis für die autoverliebten Italiener wieder senken. Und so weiter und so fort.

"Halten wir uns die Nase zu und wählen ihn"

Der "Libero", eine Zeitung, die Berlusconi nicht gehört, ihm aber "kritisch" nahe steht, verlor nach diesem Trommelfeuer funkelnder Versprechen bei einer letzten Vorstellung der Kandidaten deshalb über Mario Monti schon gar kein Wort mehr, um die drei wichtigsten Kandidaten folgendermaßen zu charakterisieren. Beppe Grillo "schießt auf alle". Also Vorsicht!

Bersani wolle "sowjetische Steuern" einführen. Nochmal Vorsicht! Berlusconi sei zwar voller Fehler, aber der einzige, der Steuern senke: "Halten wir uns die Nase zu und wählen ihn!"

Das wird "Silvio" gern gelesen haben, der die Italiener in diesem Wahlkampf auch noch einmal darüber aufgeklärt hat, dass es seinen linken Gegenspielern an Hygiene mangele. Dafür hätten sie "Schuppen und Mundgeruch". Dass Mario Monti ein Knecht der Bundeskanzlerin Angela Merkel sei, wissen die Italiener von ihm schon lange.

Da schadete es nichts, den Vorwurf jetzt noch ein letztes Mal zu wiederholen, zusammen mit der Behauptung, dass der Sparkurs, den Berlin Brüssel und dem Rest Europas diktiere, Italien 360.000 Arbeitsplätze im Bauwesen gekostet habe. Sobald er an der Macht sei, werde es mit dieser egoistischen und ausnutzenden Hegemonialpolitik der Deutschen ein Ende haben. Das kann allerdings, wie es nach dem Ende dieser Wahl aussieht, nun noch etwas dauern.

Wahlkampf ist Berlusconis Jungbrunnen

Nun mag "Silvio" noch einmal die Macht angezielt haben, sein eigentliches Element scheint der Regierungssitz im Palazzo Chigi nicht mehr wirklich. Sein eigentliches Element ist der Wahlkampf. Diese Arena ist sein Jungbrunnen.

Wahlverlierer kann man ihn nicht nennen. Keiner sollte glauben, dass er das letzte Mal in der Arena war. Vielleicht gibt es ja bald schon wieder Neuwahlen. Dann wird er schneller als viele dachten, mit seiner Brücke wieder "in Piazza" sein.

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