25.02.13

Besuch

US-Außenminister John Kerry in Berlin erwartet

Seine erste Auslandsreise führt den neuen US-Außenminister gleich nach Berlin. Aber John Kerry kennt die Stadt von früher.

Foto: AP/dpa

US-Außenminister John Kerry machte vor seinem Berlin-Besuch Station in London und traf dort Premierminister David Cameron
US-Außenminister John Kerry machte vor seinem Berlin-Besuch Station in London und traf dort Premierminister David Cameron

Bald ist es genau ein halbes Jahrhundert her, dass John F. Kennedy seinen vielleicht berühmtesten Satz sprach: "Ich bin ein Berliner." Und so ist es wohl kein Zufall, dass sich die US-Politik in diesem Jahr auffällig oft in der deutschen Hauptstadt blicken lässt.

Eben erst war Vizepräsident Joe Biden im Kanzleramt, an diesem Montagabend kommt der neue Außenminister John Kerry, und mit einiger Wahrscheinlichkeit wird dann Ende Juni, wenn sich Kennedys Rede zum 50. Mal jährt, Barack Obama nun doch einmal auch als Präsident vorbeischauen. Bislang war er nur als Wahlkämpfer da. Fünf Jahre liegt das fast schon zurück.

Offiziell bestätigt wird der Termin noch nicht. Aber in Berlin ist man sich einigermaßen sicher, dass es mit dem Besuch etwas wird. Drei Monate vor der Bundestagswahl am 22. September hätte kaum jemand in der deutschen Politik etwas gegen ein Treffen mit Obama: Der US-Präsident hat hierzulande Beliebtheitswerte, von denen sogar Angela Merkel nur träumen kann.

Alles andere als ein Anfänger

Zunächst einmal kommt jetzt aber Kerry zu Besuch. Der neue Außenminister wollte selbst einmal für die Demokraten Präsident werden, unterlag aber 2004 gegen Obamas Vorgänger George W. Bush. Den meisten Deutschen wäre ein anderer Wahlausgang lieber gewesen. Seit Anfang des Monats ist der 69-Jährige nun Nachfolger von Hillary Clinton, die im State Department nicht mehr weitermachen wollte.

Im neuen Amt ist dies für Kerry die erste Auslandsreise überhaupt. Vor Berlin macht er noch Stopp in London. Dort ist er bereits am Montagmittag gelandet. Anschließend geht es dann weiter in einige andere europäische Hauptstädte, nach Ägypten und in die Golfregion.

Im diplomatischen Geschäft ist Kerry jedoch alles andere als ein Anfänger. Während der vergangenen Jahre war der langjährige Senator von Massachusetts Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Mehrmals nahm er an der Münchner Sicherheitskonferenz teil. Seine beiden wichtigsten Berliner Gesprächspartner, die Kanzlerin und Außenminister Guido Westerwelle, kennt er schon. Auch mit den Problemfeldern wie Nahost, Syrien oder Iran ist er vertraut.

Eigene Berliner Geschichte zu erzählen

Und Kerry hat sogar schon eine eigene Berliner Geschichte zu erzählen. 1954, er war gerade elf, wurde sein Vater als amerikanischer Diplomat ans US-Hochkommissariat nach West-Berlin versetzt. Kerry selbst kam in die Schweiz aufs Internat, war aber immer wieder in der geteilten Stadt zu Besuch. An den Kalten Krieg hat er viele persönliche Erinnerungen.

"Ich bin Fahrrad gefahren, durch den Grunewald und zu den Trümmern von Hitlers Bunker. Im Sommer badeten wir im Wannsee. Es war ein großes Abenteuer. Die Stadt war im Wiederaufbau, das Brandenburger Tor noch zerstört." Eine Episode aus jener Zeit holt er immer wieder hervor: "Einmal bin ich mit dem Fahrrad in den Ostsektor gefahren. Ich wollte wissen, wie es im Sozialismus ist. Das hat mein Vater spitzgekriegt. Er hat mich hart rangenommen dafür."

Während seiner zwei Tage in Berlin ist Kerry ziemlich genau an der Ecke untergebracht, wo er damals mit dem Rad unterwegs war. Der Außenminister nächtigt im Hotel "Adlon", mit Blick aufs Brandenburger Tor. Dort wird Kerry aller Voraussicht nach auch seinen neuen russischen Kollegen Sergej Lawrow treffen, der dazu eigens nach Berlin einfliegt. Man möchte Wetten darauf abschließen, welche Geschichte der Amerikaner dabei zum Besten geben wird.

Quelle: dpa/sei
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