25.02.13

Deo-Wettbewerb

Ägypter wollen Mursi auf den Mond schießen

Eine bekannte Deo-Marke führt einen Astronautenwettbewerb durch. Die Sieger dürfen ins All fliegen. Zehntausende Ägypter halten das für eine gute Möglichkeit, ihren ungeliebten Präsidenten loszuwerden.

Von Dietrich Alexander
Foto: 6th of April Youth Movement/ Facebook

Die Bewegung 6. April, das 6th of April Youth Movement, sähe Mursi am liebsten so: als Astronaut im Weltall. Der Screenshot zeigt die Fotomontage, die die Gruppe auf Facebook veröffentlicht hat
Die Bewegung 6. April, das 6th of April Youth Movement, sähe Mursi am liebsten so: als Astronaut im Weltall. Der Screenshot zeigt die Fotomontage, die die Gruppe auf Facebook veröffentlicht hat

Vielleicht haben Sie diese Werbeplakate einer bekannten Deodorantmarke auch schon gesehen: Da umklammert eine junge Frau einen Astronauten, der mit dem Rücken zum Betrachter steht, mit Armen und Beinen. Darunter steht geschrieben: Der Astronaut kennt jedes Mädchen in der Milchstraße. Das ist zwar nur bedingt witzig, aber ein Hingucker.

Hintergrund: Die Deo-Marke wirbt zur Einführung eines neuen Produkts weltweit mit einem Astronautenwettbewerb. Durch eine Wahl im Internet und ein Training in Florida sollen 22 Erdenbürger ausgewählt werden, die eine Reise ins Weltall mit der privaten Gesellschaft Space Expedition Corp. gewinnen.

Nach bestandenen Flug- und Fliehkraftsimulationen dürfen die besten 22 an der Seite erfahrener Piloten in einem Shuttle ins All, fünf davon aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber gehört Ägyptens Präsident Mohammed Mursi, 61, zu den Besten? Wahrscheinlich nicht.

Seine politischen Gegner von der Bewegung 6. April halten es jedoch für eine sehr gute Idee, sich ihres ungeliebten Staatschefs auf diese Weise zu entledigen, wohl mit der stillen Hoffnung, er möge wie David Bowies "Major Tom" im All bleiben. Jedenfalls haben sie ihn für den Astronautenwettbewerb angemeldet. "Wenn Gott will und unter seinem Schutz, wird Mursi bald auf den Mond geschickt", schrieb die Bewegung auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite und stellte eine Fotomontage dazu: Mursi im Astronautenanzug. Nun führt er die Abstimmung mit 22.000 Stimmen an.

Der mit großem Abstand Zweiplatzierte, Kletterer Omar Samra, sagte, er selbst habe für Mursi gestimmt – nach der schwierigen Entscheidung, "ob du deinen Traum realisieren sollst, ins All zu fliegen, oder ob du deinen Präsidenten in den Orbit schicken sollst". Es gäbe sicher noch ein paar andere Kandidaten. Der Iraner Mahmud Ahmadinedschad zum Beispiel, der wollte doch sowieso Astronaut werden. Oder Nordkoreas Kim Jong-un. Oder Ihr Nachbar?

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