24.02.2013, 21:52

Jemen Islamisten drohen Österreicher hinzurichten


Der Österreicher Dominik N. wurde im Dezember auf einem Marktplatz in Sanaa entführt

Foto: YouTube

In einem Video ruft ein entführter Österreicher dazu auf, die Forderungen der Entführer zu erfüllen. Andernfalls werde er getötet.

Zwei Monate nach der Entführung eines 26-Jährigen Österreichers im Jemen gibt es ein Lebenszeichen. Im Internet tauchte ein Video auf, in dem der Studenten mit einem Sturmgewehr des Typs Kalaschnikow bedroht wird. Er erklärt, er sei am 21. Dezember von einem jemenitischen Stamm entführt worden, der nun Lösegeld verlange.

Unter Tränen appelliert er an die jemenitische und die österreichische Regierung sowie die Europäische Union, die Forderung der Menschenräuber zu erfüllen. Andernfalls werde er innerhalb von sieben Tagen nach Veröffentlichung des Videos getötet werden.

Erstes Lebenszeichen des Arabistik-Studenten

"Aus unserer Sicht ist das Video authentisch, sagte der Sprecher der Außenministeriums in Wien, Martin Weiss, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Es handele sich um das erste Lebenszeichen des Studenten seit seiner Entführung. Ein Krisenstab der Regierung arbeite an dem Fall.

Der für den Jemen zuständige österreichische Botschafter in Saudi-Arabien, Gregor Kössler, kam nach Angaben der jemenitischen Nachrichtenagentur Saba am Samstag mit Außenminister Abu Bakr al-Kirbi zusammen. Die Regierung in Sanaa versicherte demnach, dass man keine Mühen scheue, die Geisel unversehrt freizubekommen.

Der Österreicher war am 21. Dezember gemeinsam mit einem Paar aus Finnland mitten in Sanaa verschleppt worden. Augenzeugen hatten damals berichtet, dass die drei auf dem Tahrir-Platz von bewaffneten Männern in ein Auto gezerrt worden seien.

Im Jemen werden immer wieder Ausländer entführt

Von den Finnen ist in dem nun aufgetauchten Video keine Rede. Ein Sprecher des finnischen Außenministeriums in Helsinki sagte der dpa, es gebe auch kein ähnliches Lebenszeichen wie von dem Österreicher.

Im Jemen werden immer wieder Ausländer entführt. Meist wollen Stammeskämpfer so Forderungen an die Regierung durchzusetzen. Schlecht sieht es für die Geiseln allerdings aus, wenn sie militanten Islamisten in die Hände fallen.

Das Armenhaus der arabischen Halbinsel kommt seit dem Machtkampf im Jahr 2011, an dessen Ende der Langzeitpräsident Ali Abdullah Salih zurücktrat, nicht zur Ruhe. Stammesmilizen sowie Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida hatten das Machtvakuum ausgenutzt und an Einfluss gewonnen. Im Anti-Terror-Kampf der Regierung kommen auch US-Drohnen zum Einsatz.

(dpa/oje)
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