22.02.13

Afghanistan-Truppen

De Maizière "hat da etwas nicht richtig verstanden"

Mit einer falschen Angabe zur US-Truppenstärke in Afghanistan nach dem Abzug 2014 düpiert Verteidigungsminister de Maizière seinen US-Kollegen Panetta – und erntet verständnisloses Kopfschütteln.

Von Silke Mülherr
Foto: REUTERS
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU)
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) verursachte große Aufregung

Darauf hatten nicht nur die Afghanen sehnsüchtig und lange gewartet: Eine Angabe zur Truppenstärke, mit der die Vereinigten Staaten auch nach dem offiziellen Abzug Ende 2014 in Afghanistan vertreten sein werden.

Als der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière sie schließlich zum Ende der zweitägigen Ministerkonferenz in Brüssel nannte, war die Aufregung entsprechend groß: 8000 bis 12.000 Soldaten sollten die Amerikaner demnach am Hindukusch belassen, wenn die Afghanen selbst das Kommando übernehmen und die Nato-Operation eine Ausbildungsmission wird.

"Das ist nicht korrekt", kommentierte aber umgehend US-Verteidigungsminister Leon Panetta die deutsche Aussage, als er in einer Pressekonferenz darauf angesprochen wurde. Die Verwirrung in der Nato-Zentrale war groß.

Wo hat er das nur her?

Wie kommt der deutsche Verteidigungsminister nur auf seine Zahlen, wollten US-Reporter von ihren deutschen Kollegen wissen. "Er hat da etwas nicht richtig verstanden", sagt ein Offizieller aus der US-Delegation. Und die amerikanischen Journalisten blickten ihn verständnislos an. Die Deutschen seien doch sonst immer so korrekt, wunderte sich ein Agenturjournalist kopfschüttelnd.

Leon Panetta schließlich sah sich bemüßigt, seinen Amtskollegen so zu korrigieren: "Die Größenordnung von bis zu 12.000 Nato-Soldaten insgesamt in Afghanistan nach dem Abzug 2014 ist eine der Optionen gewesen, über die wir hier verhandelt haben." Auch der afghanische Verteidigungsminister Bismullah Mohammadi nannte diese Zahl.

Noch werden alle Optionen geprüft

Es wurden also keine Entscheidungen gefällt. Klar ist nur: Die Nato will den Isaf-Kampfeinsatz 2014 beenden und die afghanischen Sicherheitskräfte mit einer deutlich verringerten Truppenzahl unterstützen. Laut eines Pentagonsprechers prüft US-Präsident Barack Obama derzeit noch verschiedene Optionen. "Aber er hat noch keine Entscheidung getroffen über die tatsächliche Größe einer möglichen Präsenz nach 2014."

Im Moment sind noch rund 66.000 amerikanische Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Eine Ansage von Präsident Barack Obama über die Truppenstärke nach 2014 wird also weiter mit großer Spannung von den Nato-Partnern erwartet, denn davon hängt eben auch die Beteiligung der anderen Staaten an der künftigen Ausbildungsmission ab.

Immerhin zeichnet sich schon jetzt ab, dass die künftige Unterstützung der afghanischen Truppen nicht nur von Kabul aus koordiniert werden soll. "Mein Kollege Leon Panetta hat Deutschland offiziell gebeten, auch im Norden eine Rolle zu übernehmen", sagte de Maizière in Brüssel. Seit Jahren schon ist die Bundeswehr dort im Rahmen ihres Isaf-Einsatzes vertreten.

Die Bundeswehr braucht die US-Armee

Die Bundesregierung sei grundsätzlich bereit, sich an der Ausbildungsmission zu beteiligen. Wie stark und wie lange, das hängt aber von "internationaler Unterstützung" ab, sagte de Maizière. Was damit gemeint sein dürfte: Die Bundeswehr ist, was bestimmte Kampfeinsätze anbelangt, auf die militärische Kompetenz der US-Armee angewiesen.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hätte wohl gerne konkretere Ergebnisse präsentiert nach den zwei Tagen Beratungen in Brüssel. Dass er das nicht konnte, deutet auf heftige Diskussionen hinter den Kulissen hin. Am Vortag hatte der deutsche Verteidigungsminister erklärt, man müsse sich zunächst einmal "politisch über den Auftrag" verständigen, bevor man Details aushandeln könne.

Panetta grüßt mit müdem Grinsen

Ein anderer Grund für die mageren Resultate in Bezug auf Afghanistan dürfte sein, dass die USA noch auf die Bestätigung des designierten neuen Verteidigungsministers Chuck Hagel durch den US-Senat warten. Statt seiner war Leon Panetta, also der Noch-Amtsinhaber, gekommen.

Und sein Schaffensdrang, über eine Mission weit nach seiner Amtszeit zu entscheiden, dürfte sich in Grenzen gehalten haben. Darauf deutete nicht zuletzt seine Begrüßung der Journalisten hin, als er nach Ende des Treffens vor die Mikrofone trat: "Willkommen zu meiner hoffentlich letzten Pressekonferenz", sagte Panetta mit einem durchaus müden Grinsen.

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