21.02.13

US-Demokrat

Jesse Jackson Jr. – Abschied von Macht und Rolex

Politikstar Jesse Jackson Jr. hat rund 750.000 Dollar aus der Wahlkampfkasse für Rolex, Pelze und Promi-Devotionalien veruntreut. Der Sohn des bekannten Bürgerrechtlers gab die Schuld unter Tränen zu.

Foto: AFP

Sichtlich geknickt: der einstige Politikstar Jesse Jackson Jr.
Sichtlich geknickt: der einstige Politikstar Jesse Jackson Jr.

Es waren drei Wörter, die eine amerikanische Politikerdynastie beendeten. "Schuldig, euer Ehren", bekannte Jesse L. Jackson Jr., 47 Jahre und einstiger Hoffnungsträger der Demokraten, gegenüber US-Bezirksrichter Robert L. Wilkins in Washington. Der langjährige Kongressabgeordnete fügte hinzu: "Ich täuschte das amerikanische Volk."

Mindestens 750.000 Dollar (570.000 Euro) hat Jackson seit 2007 aus Wahlkampfgeldern für sich und engste Mitarbeiter abgezweigt, und zusätzlich 28.500 Dollar in Form von Geschenken und Krediten veruntreut – für eine Rolex-Armbanduhr, Pelze, Möbel für die Zimmer der beiden Kinder und Gegenstände aus den Nachlässen von Verstorbenen wie Michael Jackson, Malcolm X oder Bruce Lee. Dafür drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Das Urteil wird Ende Juni verkündet.

"Über Jahre lebte ich auf Kosten meiner Wahlkampfteams", sagte Jackson, der mehrfach von Tränen überwältigt wurde, bei dem Gerichtstermin am Mittwoch. Er lächelte gelegentlich scheu seiner Ehefrau Sandra "Sandi" Stevens Jackson zu, die wegen Steuerbetrugs im Zusammenhang mit der Veruntreuung ihres Mannes ebenfalls einer Verurteilung entgegensieht. Beim Verlassen des Gerichtssaals fasste er kurz an die Schulter seines eingesunken in der ersten Reihe sitzenden Vaters, des Ex-Präsidentschaftskandidaten Jesse Jackson Sr.

Von der Popularität seines Vaters profitiert

1995 wurde Jackson Jr., damals gerade 30 Jahre alt, für den zweiten Wahlbezirk von Illinois im Südteil Chicagos ins Washingtoner Repräsentantenhaus gewählt. Lange bevor Barack Obama die öffentliche Bühne betrat, stieg der promovierte Jurist zum bekanntesten schwarzen Politiker der USA auf.

Er profitierte dabei von der Popularität seines Vaters, des bekannten Bürgerrechtlers und Mitstreiters von Martin Luther King. Jesse Louis Jackson Sr. gewann internationale Bekanntheit durch seine Bewerbungen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 1984 und 1988. Während Shirley Anita Chisholm, die 1972 ihren Hut in den Ring warf, als "symbolische Bewerberin" für die Sache der Afroamerikaner galt, war Jackson der erste ernsthafte schwarze Kandidat.

Bei seinem ersten Anlauf gewann Jackson Sr. fünf, 1988 gar elf Vorwahlen. Von 1991 bis 1997 war Jackson Sr. zudem Senator für Washington D.C. (wenngleich er als "Schattensenator" geführt wird, weil der Hauptstadtdistrikt im US-Kongress kein Stimmrecht hat).

Goldene Rolex für 43.500 Dollar

Auch Sandi Jackson, die nun ebenfalls vor Gericht stehende Ehefrau von Jackson Jr., war in der Politik tätig. Sie kandidierte 2007 erfolgreich für den Stadtrat von Chicago und war vorübergehend als chancenreiche Bewerberin um ein Kongressmandat im Gespräch. Die 49-Jährige bekannte sich am Mittwoch ebenfalls schuldig und muss mit einer kürzeren Gefängnisstrafe rechnen.

Die Karriere ihres Mannes geriet erstmals 2009 ins Schlingern. Seinerzeit musste der Chicagoer Senatssitz des zum Präsidenten gewählten Obama nachbesetzt werden. Gouverneur Rod Blagojevich wurde später verurteilt, weil er das Mandat zu verkaufen versuchte. Jackson traf sich in diesem Zusammenhang mit dem Gouverneur, wurde aber nach intensiven FBI-Ermittlungen nicht der Bestechung beschuldigt. Von den veruntreuten Geldern gab Jesse Jackson 1200 Dollar für eine Nerzjacke für seine Frau aus und 5150 Dollar für Pelze, die eine am Betrug beteiligte Mitarbeiterin bekam.

Für 5000 Dollar erstand er einen Football mit den Unterschriften von US-Präsidenten und für 4000 Dollar eine Gitarre von Eddie Van Halen. Alle dies und viel mehr wurde beschlagnahmt. Am Mittwoch trug Jesse Jackson Jr. nicht die goldene Rolex, die er für 43.500 Dollar gekauft hatte, sondern ein schlichtes braunes Lederarmband.

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