21.02.13

Spanisches Königshaus

Die "E-Mail-Bombe" von Juan Carlos' Schwiegersohn

Seit Monaten beschäftigt sich die Justiz mit den Betrugsvorwürfen gegen den Schwiegersohn des spanischen Königs Juan Carlos. Jetzt sind brisante Emails aufgetaucht – von einer deutschen Prinzessin.

Von Ute Müller
Foto: AFP

Inaki Urdangarín und seine Frau Cristina – als Königstochter genießt sie Immunität
Inaki Urdangarín und seine Frau Cristina – als Königstochter genießt sie Immunität

"Liebe Corinna, du bist wahrscheinlich beschäftigter denn je, die Jagdsaison ist wirklich ein Wahnsinn. Anbei schicke ich dir meine Kontonummer, damit du auf dem neuesten Stand bist."

Eine solche E-Mail an die deutsche Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein wäre eigentlich unverfänglich, würde sie nicht ausgerechnet von Inaki Urdangarín, dem Schwiegersohn des spanischen Königs stammen. "Der König hat mich auf einen möglichen wichtigen Mäzen hingewiesen", "er ist von dem Projekt sehr angetan", liest man in einem weiteren diesmal an den Sozius gerichteten Schreiben des ehemaligen Profihandballers, der am Samstag erneut vor dem Untersuchungsrichter in Palma de Mallorca aussagen muss.

Das schwarze Schaf des Hofs steht unter schwerem Betrugsverdacht, zusammen mit seinem Ex-Geschäftspartner Diego Torres soll er Spenden auf sein privates Konto abgezweigt und insgesamt acht Millionen Euro veruntreut haben. Hauptgeldgeber waren die konservativen Regionalregierungen von Mallorca und Valencia, aber auch viele spanische Großunternehmen, die großzügig Sport- und Businessveranstaltungen finanzierten.

Der König ließ die Beziehungen spielen

Corinna zu Sayn-Wittgenstein wollte Urdangarín 2004 ein Salär von 200.000 Euro im Jahr plus 50.000 Bonus verschaffen und ihm den Posten des Spanien-Chefs der Laureus Stiftung, die Sportauszeichnungen vergibt, zuschachern. Vermutlich ging es der 47-Jährigen, die mit dem spanischen König im Frühjahr 2012 auf Elefantenjagd in Botswana ging und der man ein Verhältnis mit dem Monarchen nachsagte, darum, dem spanischen Hof einen Gefallen zu tun.

Aus dem Posten wurde nichts, aber die E-Mails könnten beweisen, dass der Schwiegersohn nicht nur alle Register gezogen hat, mit seiner angeblich gemeinnützigen Stiftung "Instituto Nóos" Gelder für sich selbst einzutreiben, sondern dass ihm der König dabei manchmal behilflich war, indem er seine Beziehungen spielen ließ. So soll eine Reihe von wichtigen Gesprächen zwischen Urdangarín und Mäzenen im Königspalast in Madrid stattgefunden haben.

Fast 200 solcher Mails hat Torres dem mit dem Finanzskandal betrauten Untersuchungsrichter übergeben, um seinen eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Er hat auch Aufnahmen vorgelegt, die beweisen, dass Urdangaríns Anwalt ihm vor Monaten Geld bot, um sein Schweigen zu kaufen. Der dramaturgische Coup dürfte den Mitgliedern der Königsfamilie schlaflose Nächte bereiten, denn jetzt beginnt der zweite Akt des Trauerspiels, das Spaniens Justiz schon seit einem Jahr beschäftigt.

"E-Mail-Bombe" bringt die Infantin in Bedrängnis

Dann muss der 45-jährige Urdangarín, Vater von vier Kindern, vor dem Richter Stellung beziehen. Bislang hatte er die Vorwürfe abgestritten. Auch eine Beteiligung seiner Frau, der Infantin Cristina, hat er bei seiner ersten Aussage vor Gericht vor genau einem Jahr geleugnet. Seine Verteidigung bestand bislang darin, Torres, mit dem er mittlerweile heillos zerstritten ist, als Hauptverantwortlichen hinzustellen.

Dessen "E-Mail-Bombe" bringt jetzt auch Infantin Cristina in Bedrängnis. Sie soll als eines der fünf Vorstandsmitglieder von Nóos alle Entscheidungen mitgetragen haben ebenso wie Torres' Frau Ana Maria Tejeiro, gegen die ebenfalls Anklage erhoben wurde. Damit wäre die Mär von der ahnungslosen Königstochter widerlegt. Doch die spanischen Untersuchungsrichter wollen keinen Grund erkennen, auch sie zu verhören. Als Mitglied der Casa Real genießt die zweitgeborene Tochter des Königs Immunität und müsste höchstens schriftlich zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Von seiner Gattin abgesehen haben alle anderen Mitglieder des Königshauses die Verbindung zu Urdangarín gekappt. Seitdem der König sein Verhalten als "wenig exemplarisch" rügte, wurde er auf der Namensliste der Homepage der Casa Real gelöscht, er darf auf keiner Familienfeier mehr erscheinen, seine Figur wurde sogar aus dem Madrider Wachsfigurenkabinett entfernt.

Es ist einsam geworden um das Prinzenpaar

Es ist ein tiefer Fall für einen Mann, der einst Medaillen für sein Land bei den Olympischen Spielen in Atlanta und Sydney gewann. Bei der Hochzeit mit der Infantin im Jahr 1997 adelte der König den aus einer baskischen Industriellenfamilie stammenden Schwiegersohn zum "Herzog von Palma". Viele Inselbewohner sind der Meinung, er solle den Titel wieder abgeben. Das Rathaus von Palma hat vor wenigen Tagen den Namen der zentralen Verkehrsader "Rambla de Duques de Palma" auf "Rambla" umgeändert, weil man keine Anspielung auf das Königshaus mehr wünscht.

Dazu passt freilich auch, dass es einsam geworden ist um das Prinzenpaar. Seitdem es von den Repräsentationspflichten entbunden wurde, gibt es keine glanzvollen Auftritte mehr, seinen gut dotierten Job bei Spaniens Telefonica in Washington hat Urdangarín verloren. Um sich die Zeit zu vertreiben, besucht er Handballturniere seines früheren Vereins Barca Intersport oder spielt eine Partie Tennis mit einem der wenigen verbliebenen Freunde. Am Wochenende zieht sich die Familie oftmals in die Ferienwohnung des Königs im Skiort Baqueira Beret zurück. Auch ihr luxuriöser Palast im Barceloneser Pedralbes-Viertel ist seit einigen Monaten an einen arabischen Scheich vermietet.

Während sich Urdangarín auf freiem Fuß befindet und gegen die vom Richter geforderte Kaution von acht Millionen gleich einmal eine Verfassungsklage anstrengte, untergräbt er das ohnehin fragile Fundament der Monarchie weiter. Das Internetportal "Libertad Digital" schlägt auf seiner Meinungsseite vor, ihm sofort eine Aufgabe zu suchen, oder es dem britischen Königshaus nachzutun, das Prinz Harry nach einem Fehltritt prompt nach Afghanistan schickte. Am Ende kommt es zum gleichen Schluss wie viele Spanier: "Irgendwas muss mit diesem Mann geschehen, und zwar bald."

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