20.02.13

Papst-Rücktritt

Lateinamerikas Linke und ihre Liebe zu Benedikt

Nach seiner Rücktrittserklärung kann sich Papst Benedikt XVI. vor Sympathieerklärung kaum retten – auch von strammen Sozialisten. Selbst die marxistische Farc-Guerilla dankt für seinen Beistand.

Von Tobias Käufer
Foto: Getty Images

Die Danksagungen an Papst Benedikt XVI., wie hier beim Angelusgebet am 17. Februar auf dem Petersplatz im Rom, reißen nicht ab - weltweit
Die Danksagungen an Papst Benedikt XVI., wie hier beim Angelusgebet am 17. Februar auf dem Petersplatz im Rom, reißen nicht ab - weltweit

Deutsche und europäische Linkspolitiker ließen jüngst am Pontifikat von Benedikt XVI. kein gutes Haar. Lateinamerikas führende Linkspolitiker, ohnehin als durchweg überzeugte Katholiken bekannt, zollen dem deutschen Papst dagegen Anerkennung und Respekt. Boliviens indigener Präsident Evo Morales solidarisierte sich jetzt öffentlich mit dem Kirchenoberhaupt.

Morales, ein strammer Sozialist, der sich seit Jahren in einer Dauerfehde mit der konservativ ausgerichteten Ortskirche liefert, würdigte das Wirken und den Rücktritts Benedikts: "Mich als Basis-Katholik macht das stolz auf die katholische Kirche."

Trotz unterschiedlicher Standpunkte stelle er sich auf die Seite Benedikts, weil dieser habe zu in den wesentlichen Problemstellungen der Menschheit die richtigen Gedanken geäußert habe, so Morales. "Ich hoffe, dass sein Nachfolger diese Linie beibehält." Unmittelbar vor seiner Wiederwahl hatte auch Ecuadors Präsident Rafael Correa, der sich selbst als überzeugten Linkskatholiken bezeichnet, die Entscheidung des Papstes gewürdigt:

"Ich glaube, das war ein Akt der Aufrichtigkeit, ich würde sagen ein revolutionärer Akt, das viel Gutes über ihn aussagt", sagte der am Sonntag für vier Jahre mit überwältigender wiedergewählte Sozialist aus Guayaquil.

Dankschreiben von der Farc-Guerilla

Selbst von der kämpfenden Front kommt Anerkennung. Die marxistische Farc-Guerilla aus Kolumbien schickte gar ein Dankschreiben. In einer in der kubanischen Hauptstadt Havanna veröffentlichten Stellungnahme rühmten die Rebellen die Verdienste Benedikts um die in Kuba stattfindenden Friedensgespräche mit der kolumbianischen Regierung: "Die Farc wird nicht vergessen, dass der Vatikan vorbehaltlos die Friedensgespräche in Havanna unterstützt hat. Gracias Benedikt."

Das Kirchenoberhaupt hatte im September die Hoffnung geäußert, der Prozess werde von einem "Willen zur Vergebung und Versöhnung und einer aufrichtigen Suche nach dem Gemeinwohl" geprägt.

Die für Europäer überraschend anmutende Sympathie der linken Kräfte in Lateinamerika für den in der alten Welt als konservativ eingestuften Papst hat ihre ideologischen Ursachen. In vielen Punkten – die Sexualmoral und die Rolle der Frau in der Kirche ausgeklammert – stehen sich die Kirche und die lateinamerikanischen Sozialisten ideologisch nahe.

Benedikts Bankenkredit kam gut an

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und dem Bankensektor auf dem Höhepunkt der Finanzkrise rechnen Lateinamerikas Linke Papst Benedikt XVI. ebenso so hoch an wie sein trotz heftiger Widerstände aus dem konservativen Lager zustande gekommenes Treffen mit dem greisen kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro in Havanna im März. Während viele Europäer und die USA sowieso um Kuba einen weiten Bogen machen, hat sich die kubanische Ortskirche mit Rückendeckung aus dem Vatikan für einen Dialog mit dem Regime ausgesprochen. Das Ergebnis sind Hunderte freigelassene Dissidenten und sichtbare Reformbemühungen Havannas, die allerdings bislang in den USA auf wenig Resonanz stießen.

Mächtige lateinamerikanische Kirchenfürsten könnten sogar aus dem Parteiprogramm linker Bewegungen abgeschrieben haben. Guatemalas Bischöfe forderten dieser Tage Radikales: "Es ist notwendig ein neues Wirtschaftsmodell zu entwickeln, das sich von dem Modell der letzten Jahrzehnte unterscheidet, das den Konsum als maximale Option betrachtet und auf einer egoistischen und individuellen Betrachtungsweise basiert."

Dieses System habe bislang nur Menschen einen größeren Wert beigemessen, die in der Lage seien unter dem Blickwinkel der Wettbewerbsfähigkeit mitzuhalten. El Salvadors Kirche hat an einem kanadischen Bergbau-Unternehmen einen harten Kampf angesagt: Die natürlichen Ressourcen des Landes gehörten dem Volk. Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit sind Teil des Kerngeschäft der lateinamerikanischen Kirche.

Mit Castro hatte der Papst Spaß

Devote Zurückhaltung gibt es hingegen in Venezuela und Kuba. So bezeichneten Venezuelas Bischöfe den Rücktritt als "gutes Beispiel". Diego Padron (73), Erzbischof von Cumana und Vorsitzender der Venezolanischen Bischofskonferenz, sagte mit Blick auf den schwer kranken venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez: "Mit seinem Rücktritt gibt der Papst ein gutes Beispiel. Sein Körper gibt nicht mehr her. Es gibt keine Macht nur um der Macht willen."

Auch die kubanische Führung steckt in einem Dilemma. Revolutionsführer Fidel Castro hatte ähnlich wie Benedikt aus gesundheitlichen Gründen die Zügel der Macht aus der Hand gegeben. Doch sein Bruder Raul, der mittlerweile die unumstrittene Führungsfigur in Havanna ist, wird in diesem Jahr bereits 82 Jahre alt. Rücktrittsdiskussion aus Altersgründen sind da nicht willkommen.

Vielleicht war es ja das Treffen mit Fidel Castro im März, das in Benedikt seine Entscheidung reifen ließ. Vatikan-Sprechers Federico Lombardi erklärte damals es habe einen "intensiven und herzlichen" Meinungsaustausch gegeben. Die beiden Über-Achtzig-Jährigen hätten Späße über das Altern gemacht.

Foto: kein credit

„Bild“ bedauert den Abgang des deutschen Papstes.

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