19.02.13

FDP-Vorschlag

CDU gegen doppelte Staatsbürgerschaft

Die Justizministerin plant eine Reform, die es Ausländern leichter machen soll, mit zwei Pässen in Deutschland zu leben. Doch die Union kann sich mit dem Gedanken nicht anfreunden.

Foto: picture-alliance / ZB

Ein deutscher und ein türkischer Reisepass
Ein deutscher und ein türkischer Reisepass

Nur wenige Monate vor der Bundestagswahl ist in der schwarz-gelben Koalition ein Streit über die doppelte Staatsbürgerschaft entbrannt. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) plant eine Gesetzesreform, die es Ausländern in Zukunft erleichtern soll, mit zwei Pässen in Deutschland zu leben. Davon betroffen sind vor allem Menschen türkischer Abstammung.

"Integration kann auch durch doppelte Staatsbürgerschaft gefördert werden", sagte Leutheusser-Schnarrenberger "Spiegel online". Sie wolle sich einer weiteren Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts nicht verschließen und die doppelte Staatsbürgerschaft auf eine rechtlich breitere Basis stellen. "Die Optionslösung gehört auf den Prüfstand."

Nach dem seit 2000 geltenden Optionsrecht müssen hierzulande geborene Einwandererkinder, die aus Nicht-EU-Staaten wie der Türkei kommen, bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres entscheiden, ob sie ihren deutschen oder ihren türkischen Pass behalten wollen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle unterstützte den Vorstoß der Justizministerin und sprach sich für eine "Willkommenskultur" aus. "Ich bin sehr für ideologische Abrüstung bei der Frage einer doppelten Staatsbürgerschaft", sagte Brüderle dem "Handelsblatt". Qualifizierte Zuwanderung sichere den Wohlstand in Deutschland.

Union lehnt Vorstoß ab

Die Union reagierte auf den überraschenden Vorstoß der FDP mit Ablehnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht keinen aktuellen gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: "Es gilt der Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatlichkeit. Dafür gibt es gute Gründe." Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ließ durch seinen Sprecher mitteilen, er werde in dieser Sache nicht aktiv werden.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt lehnte die doppelte Staatsbürgerschaft als Beitrag zur Integration ab: "Ich sehe keine Entwicklung und keine Veranlassung zu einer Veränderung unserer Position." Deutliche Worte fand auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. "Die deutsche Staatsbürgerschaft ist kein Ramschartikel, den man billig verscherbelt", sagte Dobrindt dem "Tagesspiegel". Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), signalisierte allerdings Gesprächsbereitschaft. "Wenn der Koalitionspartner anderer Auffassung ist, werden wir uns damit zu beschäftigen haben."

"So schaffen wir neue Ausländer"

Der Berliner Integrationsexperte Professor Klaus Bade hält eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts für dringend notwendig. Vor die Wahl gestellt, würden sich künftig zunehmend gut integrierte und gut ausgebildete junge Türken für einen türkischen Pass entscheiden, aber in Deutschland bleiben. "So schaffen wir neue Ausländer", sagte Bade der Berliner Morgenpost. "Das ist das Gegenteil von Integration."

Bade forderte, im Rahmen eines Moratoriums die Frist zur Entscheidung über die Staatsangehörigkeit zu verlängern. So könne Zeit für eine "vernünftige politische Lösung" gewonnen werden. "Ziel muss es sein, den Optionszwang abzuschaffen."

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die zuletzt noch vom Veranstalter erhofften 30.000 Zuschauer waren es nicht auf der Fanmeile, aber...
25.05.13Dortmund-Bayern
So erlebte Berlin das Champions-League-Finale

Auf der Fanmeile war noch Platz, einige Tausend Menschen feierten hier das Spiel zwischen Dortmund und Bayern. Die Kneipen Berlins waren hingegen voll. Das Protokoll des Champions-League-Abends. mehr...

Borussia Dortmund - FC Bayern München
25.05.13Champions League
Arjen Robben schießt die Bayern auf Europas Thron

Es war ein würdiges, hochklassiges und spannendes Champions-League-Finale mit einem verdienten Sieger. In der 89. Minute erzielte Arjen Robben des erlösende 2:1 für den FC Bayern gegen den BVB. mehr...


Jupp Heynckes und Jürgen Klopp zeigen, wie man richtig führt
00:33Kommentar
Die wahren Stars dieses besonderen Champions-League-Abends

Fußball ist die letzte Bastion des Darwinismus. In einer überwaldorften Welt setzt sich hier noch immer der Stärkere durch: Jürgen Klopp und Jupp Heynckes sind beide Gewinner dieses Systems. mehr...


Natalie Dawn spielt am Sonntagabend im Privatclub
25.05.13Tagesvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonntag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 26. Mai. mehr...

Leser-Kommentare 1 Kommentar
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Anschlagswarnung Erhöhte Sicherheitskontrollen vor Finale
Randale Erneut Krawalle in Schweden – Schulen brennen
London-Stansted Kampfjets eskortieren Flugzeug – Terrorverdacht
Washington Brücke in USA eingestürzt
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fanfest

Berlins Fanmeile Champions-League-Finale

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote