19.02.13

Mehrzweck-Kampfjet

"Teuerste Waffe aller Zeiten" kann nichts richtig

Der F-35 erfüllt die Wünsche von Luftwaffe, Marine und Infanterie. Ein Kompromiss, der es niemandem Recht macht. Doch der US-Kampfjet hat auch Fans: Die Testpiloten schwärmen von Touchscreen-Tupfern.

Foto: REUTERS

Ein F-35-Testflieger über der Ostküste der USA
Ein F-35-Testflieger über der Ostküste der USA

Überteuert, verzögert, überfordert: 400 Milliarden Dollar hat die Entwicklung des US-Mehrzweck-Kampfjets, F-35 Lightning II, in zwölf Jahren verschlungen. Damit sei sie die " teuerste Waffe aller Zeiten", befand das "Time"-Magazin in einem kritischen Porträt.

Der Hauptvorwurf: Luftwaffe, Marine und Marine-Infantrie der USA hätten dem Jet der fünften Generation so viele widersprüchliche Fähigkeiten abverlangt, dass ein Kompromiss dabei herauskam, der es niemandem Recht macht.

Im Gespräch war die F-35 erstmals bei ihrer stolzen Geburt auf einem Computerschirm um 2001. Ins Gerede kommt sie aktuell wieder, weil das Pentagon automatische Kürzungen von 500 Milliarden Dollar hinnehmen muss, wenn nicht bis zum 1. März eine Haushalts-Einigung zwischen der Regierung und den Republikanern im Kongress ausgehandelt wird.

Das Projekt ist bis heute unvollendet

Zwar hat das Pentagon noch hastig Aufträge im Wert von 4,8 Milliarden Dollar für 31 Jets erteilt, bevor die erste Haushaltssperre zur Jahreswende drohte, wie es in den Recherchen Mark Thompsons für die "Time" heißt. Außerdem hätten der Rüstungskonzern Lockheed in Texas und dessen Zulieferer mit insgesamt 144.000 F-35-Arbeitsplätzen auf Monate zu tun, auch wenn der Haushaltsstreit eskaliert. Doch das korrigiert nicht den Geburtsfehler eines Projekts, dessen Entwicklung bis heute unvollendet ist.

Zehn Mal am Tag, an jedem Tag in der Woche, so Thompson, werde das Design verändert. Man solle sich die F-35 als fliegendes Schweizer Messer für rund 160 Millionen Dollar vorstellen, spotten Kritiker. Ein Jagdflugzeug, das jeden Luftkampf bestehen, bombardieren, aufklären, auf Flugzeugträgern landen und, in der Version für die Marines, senkrecht starten kann. Ein Hybrid, der alles leistet, nur nichts wirklich gut.

Es heißt, die Reichweite der F-35 Navy-Variante sei zu gering, um Flugzeugträger in sicherem Abstand von Küsten zu halten. Würden zusätzliche Treibstofftanks montiert, ginge die Tarnkappen-Charakteristik verloren. Dasselbe gelte für zusätzliche, unter den Flügeln getragene Bombenlast. Selbst hohe Militärs nennen die Senkrechtstart-Anforderung der Marine unrealistisch: "Die Vorstellung, dass der Jet auf einer improvisierten Landebahn am Strand landet, ist abwegig", sagt der frühere Luftwaffen-Genera Merrill McPeak.

Der Trieb zum eigenen Flieger

Weder Geld noch Beschaffungsfristen scheinen eine Rolle gespielt zu haben: Die Erfüllung aller Wünsche von drei Waffengattungen hatte Vorrang. Tom Christie, einer der führenden Waffensystem-Tester des Pentagon von 2001 bis 2005, wird in der "Time" mit einer glaubhaften Erklärung zitiert: "Es gibt in jedem Teil der Streitkräfte diesen Sexualtrieb, ein eigenes Flugzeug zu entwickeln: dringend, ausdauernd und natürlich."

An den Mitteln, diesem Trieb zu folgen, hat es der Supermacht USA nie gefehlt, die noch immer 45 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben allein bestreitet.

Zumal die F-35 auch Fans hat: Der einsitzige, einstrahlige Kampfjet, schwärmen Testpiloten, sei ein Traum für die iPad-Generation. Man fliege mit Touchscreen-Tupfern. Zum ersten Mal habe er Zeit, sagt einer, die Schönheit von Himmel und Erde zu genießen.

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