19.02.13

Gaza-Stadt

Die tragische Geschichte hinter dem Foto des Jahres

Leid, Wut und Zorn: Das Gewinnerfoto des World Press Photo Award 2012 zeigt Palästinenser, die die Leichen von zwei kleinen Kindern tragen. Was ist die Geschichte hinter dem Bild?

Foto: REUTERS

Freitag, 15. Februar 2013: Der World Press Photo Award für das Foto des Jahres 2012 geht an den Schweden Paul Hansen. Es zeigt eine Gruppe von Männern in Gaza-Stadt, welche die Leichen zweier Kinder und eines Mannes (Hintergrund) tragen. „Die Stärke des Bildes liegt in dem Kontrast zwischen der Wut und dem Kummer der Erwachsenen und der Unschuld der Kinder. Es ist ein unvergessliches Bild“, begründet ein Jurymitglied die Entscheidung.

18 Bilder

"Es ist ein Bild, das ich nicht vergessen werde." So beschrieb ein Jurymitglied das Gewinnerfoto des World Press Photo Award 2012. Das Foto zeigt einen Trauerzug in Gaza-Stadt: Im Vordergrund tragen Männer die Leichen zweier junger Kinder in den Armen. Im Hintergrund erkennt der Betrachter die Umrisse einer weiteren erwachsenen Leiche, die auf einer Bahre getragen wird.

Die Männer sind wütend und traurig zugleich: Einige Gesichter sind vom Schmerz gezeichnet, andere vor Zorn verzerrt. Eingefangen wurde diese Szene von dem Schweden Paul Hansen, der das Foto im vergangenen November für die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter" schoss. "Die Stärke des Bildes liegt im Kontrast zwischen der Wut und der Trauer der Erwachsenen und der Unschuld der getöteten Kinder", kommentierte Jurymitglied Mayu Mohanna bei der Bekanntgabe in Amsterdam.

Das Foto berührt auf den ersten Blick, aber auch auf den zweiten – und vor allem, wenn man die Geschichte hinter dem Foto kennt: Die toten Kinder sind die zwei Jahre alte Sohaib Hijazi und ihr vier Jahre alter Bruder Mohammed. Die Leiche, die hinter ihnen getragen wird, ist die ihres Vaters. Getragen werden die Kinderleichen von ihren Onkeln.

Was das Foto nicht zeigt: Während die Trauernden mit den Toten auf dem Weg zu einer Moschee waren, lag die überlebende Mutter auf der Intensivstation. Das Haus der Familie soll bei einem Raketenangriff durch israelische Streitkräfte zerstört worden sein.

"Plötzlich färbte sich der ganze Raum rot"

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat nun mit dem "World Report 2013" einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, der auch die Spannungen zwischen Irsaelis und Palästinensern beleuchtet – und auf beiden Seiten des Konflikts schwere Verstöße im November 2012 feststellt. Während die Organisation Israel Menschenrechtsverletzungen gegen Palästinenser vorwirft, sollen palästinensische Behörden vor allem gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen sein.

Bei den achttätigen Kämpfen zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen waren im November 164 Palästinenser und sechs Israelis getötet worden. Israel hatte sich unter anderem mit Luftangriffen gegen den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen verteidigt.

Besonders ausführlich befasst sich Human Rights Watch mit den israelischen Luftangriffen – und berichtet in einer Dokumentation über die Hintergründe des World-Press-Gewinnerfotos 2012. Demnach soll der Angriff, bei dem der 47-jährige Fouad Hijazi sowie seine Kinder Sohaib und Mohammed starben, am Abend des 19. November stattgefunden haben. Die Mutter der Kinder soll dabei ebenso verletzt worden sein wie drei weitere Söhne und eine Tochter.

Die 18-jährige Nur Hijazi überlebte den Angriff und berichtete später: "Mohammed und Sohaib waren mit meinem Vater in einem anderen Raum, während der Rest der Familie vor dem Fernseher saß. Gegen 19.30 Uhr färbte sich plötzlich der ganze Raum rot – und das Haus stürzte über unseren Köpfen ein. Kurz darauf fand ich mich im Nachbarhaus wieder und wurde schließlich in ein Krankenhaus gebracht, wo ich vier Tage blieb."

Video soll Bergung der Leichen zeigen

Human Rights Watch verlinkt in der Dokumentation auch ein Video, das die Bergung der Leichen von Fouad, Mohammed und Sohaib zeigen soll. Rund zehn Tage nach dem Angriff habe sich die Organisation zudem ein eigenes Bild von dem zerstörten Haus gemacht. Demnach seien die umliegenden Gebäude insgesamt nur leicht beschädigt gewesen. Der Schaden lasse vermuten, dass das Haus direkt durch einen Luftangriff getroffen worden sei.

Während die israelischen Streitkräfte keine genaueren Angaben über Luftschläge im November 2012 machten, sprach der israelische Geheimdienst von insgesamt drei Opfern, bei denen es sich um "nicht involvierte" Zivilisten gehandelt habe.

Quelle: mcz
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