16.02.13

Neuer Papst

Wie deutsch bleibt der Vatikan nach Benedikt?

Der deutsche Einfluss im Vatikan wird mit dem Rücktritt Benedikts XVI. vermutlich abnehmen. Das heißt aber nicht, dass die Deutschen in der katholischen Kirche keine Rolle mehr spielen werden.

Von Lucas Wiegelmann
Foto: Diese sechs deutschen Kardinäle wählen den Papst mit (oben v.l.): Joachim Meisner, Walter Kasper, Karl Lehmann, (unten v.l.): R
Sechs deutsche Kardinäle unter 80: Sie ziehen ins Konklave. Oben, v.l.: Joachim Meisner, Walter Kasper, Karl Lehmann. Unten v.l.: Reinhard Marx, Paul Josef Cordes, Rainer Maria Woelki
Sechs deutsche Kardinäle unter 80: Sie ziehen ins Konklave. Oben, v.l.: Joachim Meisner, Walter Kasper, Karl Lehmann. Unten v.l.: Reinhard Marx, Paul Josef Cordes, Rainer Maria Woelki

Zum Intrigenschmieden ist Kardinal Rainer Maria Woelki in all der Hektik offenbar noch nicht gekommen. Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, dass die Kardinäle weltweit kurz vor dem Konklave den ganzen Tag am Telefon hängen und Allianzen sondieren.

Aber Woelki, Berliner Erzbischof und mit 56 Jahren einer der jüngsten Kardinäle, wüsste wahrscheinlich gar nicht, wen er als erstes anrufen müsste. Er kennt viele seiner 116 Kardinalskollegen kaum und ist selber erst seit rund einem Jahr Kardinal. Deshalb, so erzählte Woelki in seinem Berliner Dienstsitz Anfang der Woche vor Journalisten, sei es für ihn schwierig, sich jetzt schon über mögliche Kandidaten für das Amt des Papstes Gedanken zu machen.

Ein mächtiger Strippenzieher dürfte Woelki im kommenden Konklave, das wahrscheinlich schon vor dem 15. März stattfindet, kaum werden, genauso wenig wie sein Münchner Amtsbruder Kardinal Reinhard Marx. Dafür sind beide zu unerfahren: Es wird ihr erstes Konklave sein.

Meisner will wieder mitmischen

2005, als Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde, wären sie in bester Gesellschaft gewesen. Damals nahmen 115 Kardinäle am Konklave teil, und nur zwei von ihnen waren schon bei der Wahl Papst Johannes Pauls II. im Jahr 1978 dabei gewesen. Der Rest bestand aus Anfängern. Aber diesmal ist es anders. Die meisten Kardinäle kennen die Sixtinische Kapelle und das Gästehaus, die Casa Santa Marta im Vatikan, schon vom letzten Mal. Sie können von ihren Erfahrungen profitieren. Kölns Erzbischof Kardinal Joachim Meisner zum Beispiel.

Es ist in dieser Woche oft die Rede davon gewesen, dass der deutsche Einfluss in Rom mit dem Rücktritt Benedikts XVI. sinken werde. Das ist insofern richtig, als dass der nächste Papst kaum ein Deutscher werden wird. Das heißt aber nicht, dass die Deutschen künftig keine Rolle mehr im Vatikan spielen werden.

Das zeigt sich zum Beispiel im Konklave: Von den insgesamt sechs deutschen Teilnehmern gilt vor allem der Kölner Kardinal Meisner als einflussreicher Mann im Vatikan – weil ihn ein freundschaftliches Verhältnis zu Benedikt XVI. verbindet, und weil er dem reichen, riesigen und traditionsreichen Erzbistum Köln vorsteht. Schon 2005 war Meisner im Konklave ein wichtiger Spieler. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er vom ersten Wahlgang an Ratzinger unterstützte. Seinem Beispiel folgten dann immer mehr Kardinäle. Meisner selbst berichtet in seinem Buch "Die Fürstin und der Kardinal", wie er sich während des Konklave mit Ratzinger beratschlagte und ihn dazu drängte, im Falle eines Sieges die Wahl anzunehmen.

Dass Meisner wieder mitmischen will, hat er in dieser Woche schon durchblicken lassen. In einem Zeitungsinterview griff er den als "Papabile" (Kandidaten) geltenden Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone an. Der aktuellen Nummer zwei des Vatikans lastete Meisner die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson 2009 an – und machte so frühzeitig klar, wen er nicht im Konklave unterstützen wird.

Zwei weitere Deutsche werden voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen

Zwei andere einflussreiche Deutsche dürfen sich zwar nicht gemeinsam mit den Kardinälen zur Wahl in der Sixtinischen Kapelle einschließen lassen, dafür werden sie aller Voraussicht nach auch unter dem neuen Papst eine wichtige Rolle in Rom spielen. Der eine ist Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, seit Juli 2012 Chef der Glaubenskongregation. Die Vorsitzenden der Kongregationen verlieren in der Sedisvakanz formal ihre Ämter – sie werden aber in aller Regel vom neuen Pontifex in ihren Positionen bestätigt.

Und auch der Privatsekretär Benedikts XVI., der Erzbischof Georg Gänswein, soll offenbar weiter in der Zentrale der Macht arbeiten: Vatikansprecher Federico Lombardi hat in dieser Woche angekündigt, Gänswein behalte seinen Job als Präfekt des Päpstlichen Hauses – damit wäre er ein enger Mitarbeiter des künftigen Papstes.

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