14.02.13

Pentagon

Bei Hagel-Personalie droht Obama Blamage

US-Präsident Barack Obama muss um seinen Kandidaten Chuck Hagel bangen: Die Republikaner bieten harten Widerstand gegen ihren Parteifreund auf. Damit wird seine Berufung zur Zitterpartie.

Foto: dpa

Chuck Hagel – diese Personalie entzweit Demokraten und Republikaner in Washington zutiefst
Chuck Hagel – diese Personalie entzweit Demokraten und Republikaner in Washington zutiefst

Er ist noch nicht US-Verteidigungsminister, doch Chuck Hagel steckt schon mitten in einem Krieg. Um seine Personalie herum spielt sich ein erbittertes Gefecht zwischen dem Weißen Haus von Präsident Barack Obama und den Republikanern im Kongress ab.

Die Konservativen drohen, ihrem 66-Jährigen Parteifreund die Zustimmung im Senat zu verweigern und damit den Chefposten im Pentagon zu verwehren. Am Donnerstag zeichnete sich ab, dass es zu einer Kampfabstimmung kommen könnte. Ein beispielloser Vorgang – der im äußersten Fall zur dicken Blamage für Obama werden könnte. Der Senat solle noch am Donnerstag (ab 22.15 Uhr MEZ) über die Blockade der Republikaner durch Dauerreden (Filibuster) abstimmen, kündigte der Fraktionschef der Demokraten, Harry Reid, an. Der Antrag dürfte wahrscheinlich scheitern, weil die Demokraten im Senat nicht über die notwendigen 60 Stimmen zur Beendigung der Debatte verfügen.

Das Vorgehen der Republikaner sei "skrupellos" und gefährde die geplante Teilnahme Hagels am Treffen der Nato-Verteidigungsminister nächste Woche in Brüssel, erklärte das Weiße Haus. "Es ist schwer, unseren Verbündeten zu erklären, warum genau das geschieht."

"Es ist das erste Mal in der Geschichte dieses Landes, dass ein vom Präsidenten nominierter Verteidigungsminister einem Filibuster unterzogen wird", schimpfte der demokratische Mehrheitsführer, Harry Reid, am Mittwoch. Filibuster, so heißt die Blockadepolitik, mit der sich die Republikaner in der Kongresskammer immer wieder gegen Obamas Politik wehren.

Republikaner können Hagels Berufung stoppen

Jeder Senator kann verweigern, die Diskussion über ein Gesetz oder eine Personalie zu beenden. Zu einer Wahl kann es dann nur kommen, wenn 60 der 100 Gesetzgeber das Ende der Debatte erzwingen. Die Demokraten haben aber nur 55 Stimmen. Die Republikaner können daher nahezu alles im Senat versanden lassen – auch Hagels Berufung.

Gut möglich, dass einige Republikaner nur laut mit den Säbeln rasseln und der Vietnamveteran ganz schnell zum Nachfolger von Leon Panetta wird, der endlich in den Ruhestand will.

Doch der ganze Vorgang ist schon jetzt eine "Beinahe-Katastrophe" für das Weiße Haus, urteilt die "Washington Post". Schon die Möglichkeit, dass Hagel tatsächlich im Senat durchfallen könnte, zeige, "wie angeschlagen er sein wird, wenn er das Amt antritt".

Nicht nur ist erstaunlich, dass führende Verteidigungsexperten der Republikaner nahezu geschlossen gegen einen der ihren sind, während die Demokraten voll auf seiner Seite zu stehen scheinen. Augenfällig ist auch, wie einig sich Washington darin ist, dass Hagel sich einen Großteil der Malaise selbst zuzuschreiben hat.

Hagel lieferte desaströse Vorstellung vor Ausschuss

Bei seiner Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss im Senat lieferte er nach einhelliger Meinung eine desaströse Vorstellung. Mehrfach musste er Fehlaussagen korrigieren, am Ende zeigten sich selbst seine Befürworter verwirrt.

Selbst moderate Republikaner wie Susan Collins nennen Hagels Ansichten "verstörend": Die Senatorin wirft ihm vor, das globale Bevölkerungswachstum und die resultierende Ressourcenknappheit als größte Gefahr für die USA zu bezeichnen.

"Das besorgt mich, wenn ich an die enormen kurzfristigen Bedrohungen für unser Land denke", sagte sie. Müsse sich ein Pentagonchef nicht eher vor islamistischem Terrorismus oder nuklearer Aufrüstung Nordkoreas und des Irans fürchten?

Kandidat zeigt sich als Querdenker

In seinem Bestätigungsverfahren im Senat nannte Hagel den Iran durchaus eine "erhebliche Bedrohung". Auch in anderen Punkten brachte er sich auf Linie der etablierten US-Politik. Doch den Republikanern dürfte stark missfallen, dass er in der Vergangenheit stets ein Querdenker war – und zum Beispiel massive Kritik am Irakkrieg unter dem damaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush äußerte.

Doch Experten geben sich überzeugt, dass der Widerstand der Konservativen vor allem symbolisch ist. Sie wollen Obama das Leben so schwer wie möglich machen – und den ein oder anderen Machtkampf für sich entscheiden.

Quelle: dpa/afp/flo
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Morgenpost-Autorin Franziska Birnbach machte sich mithilfe von Google Maps auf den Weg ins Berliner Verkehrschaos
21:30Neue Fahrradnavigation
Mit Google Maps wird Radtour in Berlin zum Stresstest

Google Maps bietet ab sofort auch in Deutschland Routen für Radfahrer. Die Morgenpost hat die Anwendung auf Berlins Straßen getestet und stieß dabei auf Straßen, die gar nicht existieren. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
18:48Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
19:55Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...


Mit der S-Bahn kommen die Berliner am Wochenende vielerorts nur im Schneckentempo voran
18:09Berliner Nahverkehr
Hälfte aller S-Bahn-Linien am Wochenende eingeschränkt

Auch an diesem Wochenende wird an vielen Berliner Bahnstrecken kräftig gebaut. Besonders betroffen sind die Fahrgäste der S-Bahn. Auf sieben Linien fahren bis Montagfrüh Pendelzüge oder Busse. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote