13.02.13

Diplomatie

Inzest-Fall überschattet Hollande-Besuch in Indien

In Indien soll ein französischer Diplomat seine dreijährige Tochter missbraucht haben. Die Mutter beklagt, dass es für den mutmaßlichen Täter Hilfe aus Paris gebe – nicht aber für das Opfer.

Foto: AP

Unangenehm: Der Elysée-Palast verhält sich im Vergewaltigungsfall sehr zurückhaltend
Unangenehm: Der Elysée-Palast verhält sich im Vergewaltigungsfall sehr zurückhaltend

Eigentlich sollte es nur um Geschäfte gehen. Bei der ersten Indien-Reise von Frankreichs Staatschef François Hollande soll der Weg für künftige Milliardenaufträge geebnet werden. Doch nun wird der Besuch von einem Vergewaltigungsfall überschattet.

Pascal M., französische Staatsangehöriger und bis vor kurzem Mitarbeiter des Konsulates im südindischen Bangalore, soll angeblich seine dreijährige Tochter vergewaltigt haben. Das zumindest wirft ihm seine Ehefrau und Mutter des Mädchens, Suja Jones M., vor – und fordert ein Treffen mit dem französischen Präsidenten.

Im Juni 2012 zeigte Suja Jones M. zeigte ihren Mann wegen Missbrauchs der gemeinsamen Tochter an, woraufhin er festgenommen wurde. Dass das Kind tatsächlich vergewaltigt worden war, konnten Ärzte bestätigten. Die Tat begangen zu haben bestreitet der Vater aber vehement.

Dennoch blieb er knapp vier Monate in Untersuchungshaft und erst im Oktober gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Sein Pass wurde ihm abgenommen, er darf Bangalore bis zum Prozess im März nicht verlassen.

"Frankreich darf die indische Justiz nicht beeinflussen"

Vergangene Woche weitete sich der Fall aus. Denn die französischen Anwälte des Diplomaten wurden von Offiziellen des Elysée-Palasts empfangen. Die Anwälte gaben an, ihnen sei es bei dem Treffen um die drei Kinder des Paares – darunter das Vergewaltigungsopfer – gegangen.

Die Kinder, die die französische Staatsbürgerschaft haben, befänden sich in einer "Gefahrensituation", weil die Mutter das Sorgerecht ausübe und der Vater die Kinder seit Juni nicht mehr habe sehen dürfen.

Die Ehefrau des Diplomaten und Frauenrechtsaktivistinnen reagierten empört. "Ich finde es sehr schockierend, dass Mitarbeiter des französischen Präsidenten bereit sind, die Anwälte eines Mannes zu empfangen, dem ein sehr schweres Verbrechen zu Last gelegt wird", sagte Jones M. Die Frauenrechtlerin Marieme Helie Lucas befürchtet, dass die französische Regierung versuchen könnte, zum Schutz des Diplomaten die indische Justiz zu beeinflussen.

Keine Erklärung des Außenministeriums

Auf die französische Diplomatie wirft der Fall jedenfalls kein gutes Licht. So deutete der damalige französische Konsul in Bangalore gegenüber der indischen Polizei an, M. genieße diplomatische Immunität – dabei hatte M. gar keinen Diplomatenpass. Zwei Tage nach M.'s Festnahme sollen zudem umgerechnet 3500 Euro vom gemeinsamen Konto des Paares auf das Konto des Vize-Konsuls geflossen sein.

Auch strafrechtlich ist der Fall verzwickt. Die Anwälte des Diplomaten geben an, ein neuer DNA-Test und Zeugenaussagen würden die Unschuld ihres Mandanten beweisen. Der Ehefrau werfen sie vor, Beweise manipuliert zu haben. Deren Anwälte halten dagegen: Hinter dem neuen DNA-Test vermuten sie Bestechungen.

Ein Sprecher des französischen Außenministers Laurent Fabius erklärte, konsularische Unterstützung wurde nicht nur dem Vater, sondern auch den Kindern gegeben. Was genau abgelaufen ist, wollte er jedoch auch auf wiederholte Nachfrage nicht erklären. Dieses Verhalten ist "mindestens ungewöhnlich" fasst ein diplomatischer Insider, der anonym bleiben will, die Reaktionen aus Paris zusammen.

Ob der Präsident Suja Jones M. treffen würde, war zunächst unklar. Vom französischen Außenministerium heißt es wiederholt, man könne diese Frage nicht beantworten.

Quelle: mit AFP
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