13.02.13

Konklave

Diese sechs Deutschen wählen den neuen Papst mit

117 Kardinäle werden voraussichtlich im März eingeschlossen, um ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche zu wählen. Sechs Deutsche sind unter ihnen – die Porträts der Papst-Wähler.

Foto: Diese sechs deutschen Kardinäle wählen den Papst mit (oben v.l.): Joachim Meisner, Walter Kasper, Karl Lehmann, (unten v.l.): R
Sechs deutsche Kardinäle unter 80: Sie ziehen ins Konklave. Oben, v.l.: Joachim Meisner, Walter Kasper, Karl Lehmann. Unten v.l.: Reinhard Marx, Paul Josef Cordes, Rainer Maria Woelki
Sechs deutsche Kardinäle unter 80: Sie ziehen ins Konklave. Oben, v.l.: Joachim Meisner, Walter Kasper, Karl Lehmann. Unten v.l.: Reinhard Marx, Paul Josef Cordes, Rainer Maria Woelki

Kardinal Joachim Meisner

Der Erzbischof von Köln hat nach eigenen Worten nicht im Traum daran gedacht, noch einmal in ein Konklave zur Wahl eines neuen Papstes ziehen zu müssen. Meisner, der Benedikt XVI. "meinen Freund" nennt, hat am 25. Dezember 2012 das 79. Lebensjahr vollendet – mit 80 Jahren erlischt das Wahlrecht der Purpurträger.

Der in Lissa bei Breslau geborene Theologe hat nach einer Banklehre von 1959 bis 1962 studiert. Nach seiner Priesterweihe 1962 war er Kaplan in thüringischen Gemeinden, 1980 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof im geteilten Berlin, 1983 berief er ihn ins Kardinalkollegium. 1988 wurde Meisner nach Köln "transferiert", gegen zähen Widerstand im Domkapitel und öffentlicher Kritik von Theologieprofessoren.

Wegen seiner dezidiert konservativen Positionen zu gesellschaftlich relevanten Positionen, etwa zur Abtreibung, wurde ihm das Etikett "Hardliner" angeheftet.

In jüngster Zeit, nach einem heftig kritisierten Kölner Klinik-Skandal, machte er durch eine modifizierte Haltung zur "Pille danach" von sich reden. Höhepunkt seiner Kölner Zeit war 2005 seine Gastgeberrolle beim Weltjugendtag mit Papst Benedikt. Kardinal Meisner gilt als der deutsche Erzbischof mit dem kürzesten Draht nach Rom. Von ihm ist – im Gegensatz zu anderen Kardinälen aus Deutschland – sicher, dass er 2005 für Joseph Ratzinger gestimmt hat.

Kardinal Rainer Maria Woelki

Woelki ist mit 56 Jahren der jüngste Purpurträger. Für ihn ist es das erste Mal, dass er an einem Konklave teilnimmt. Woelki wurde 1956 in Köln geboren, er studierte in Bonn und Freiburg. Kardinal Meisner holte ihn als Sekretär nach Köln an seine Seite, 2003 wurde Woelki Weihbischof. 2011 ernannte ihn Papst Benedikt zum Erzbischof von Berlin – als Nachfolger für den verstorbenen Kardinal Georg Sterzinsky.

Seine Doktorarbeit hatte Rainer Maria Woelki an einer Universität des Opus Dei (Werk Gottes) in Rom geschrieben. Deshalb wurde er dem auch innerkirchlich umstrittenen Werk zugerechnet, eine Mitgliedschaft wurde von dem Erzbischof, der bald darauf die Kardinalswürde erhielt, aber bestritten. In Berlin und auf dem Katholikentag 2011 in Mannheim bemühte er sich um eine verständnisvollere kirchliche Position gegenüber Homosexuellen.

Woelki ist Mitglied der römischen Bildungskongregation und des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Kardinal Reinhard Marx

Der Erzbischof von München und Freising gilt als einer der führenden katholischen Sozialethiker. Der Sohn eines Schlossermeisters aus dem westfälischen Geseke, am 21. September 1953 geboren, wurde 1978 zum Priester geweiht. Seine Dissertation schrieb er über das Thema "Ist Kirche anders?".

Nach Jahren als Professor für Christliche Gesellschaftslehre wurde Marx 1996 Paderborner Weihbischof. "Wo der Geist des Herrn weht, da ist Freiheit", erkor er sich als Wappenspruch. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2001 zum Bischof von Trier, der ältesten deutschen Stadt, aus der ein prominenter Namensvetter stammt: Karl Marx. Mit dessen Schriften setzte er sich intensiv auseinander. "Purer Kapitalismus ohne soziale Verantwortung: da bekäme der andere Trierer Marx ja noch recht", schrieb er, "und das fände ich schlimm."

Reinhard Marx ist unter anderem Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der EU (Comece).

Kardinal Karl Lehmann

Bischof von Mainz und bis 2008 insgesamt 20 Jahre an der Spitze des deutschen Episkopats, wird zum zweiten Mal an einem Konklave teilnehmen. Lehmann, am 16. Mai 1936, im hohenzollerischen Sigmaringen geboren, war schon 1971 Ordinarius für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Freiburger Universität geworden. 1983, mit 47 Jahren, wurde er vom Mainzer Domkapitel zum Nachfolger von Kardinal Hermann Volk gewählt.

Aber Lehmann musste bis 2001 warten, ehe er selber in das Kardinalkollegium berufen wurde. Es war vor allem der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, der hinhaltenden Widerstand gegen Lehmanns Erhebung zum Kardinal leistete. Bis zuletzt hatte Lehmann für den Verbleib der katholischen Kirche im deutschen gesetzlichen System der Schwangerenkonfliktberatung gekämpft. Bei Ratzinger war er 1993 auch mit dem Vorstoß für ein Hinzutreten wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion abgeblitzt.

Dennoch gab er sich nach Joseph Ratzingers Wahl zum Papst versöhnlich. Benedikt XVI. sei "immer gut für Überraschungen", war von Lehmann zu hören. Viele Katholiken sehen in Karl Lehmann eine herausragende internationale Leitfigur einer humanen, weltoffenen Kirche.

Kardinal Walter Kasper

Am 5. März 1933 in Heidenheim an der Brenz geboren, war er bis Juli 2010 der "Ökumeneminister" der katholischen Kirche. Der Schwabe wurde 1957 zum Priester geweiht. Er arbeitete in Tübingen unter anderem als wissenschaftlicher Assistent von Professor Hans Küng, dem 1979 von Rom die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde. Mit 31 Jahren avancierte Walter Kasper zum Dogmatikprofessor an der Universität in Münster, später kehrte er nach Tübingen zurück, wo er Dekan der Theologischen Fakultät wurde. Er zählt den wenigen noch lebenden Mitarbeitern der Würzburger Synode, die oft als das "deutsche Konzil" bezeichnet wurde.

Der Papst aus Polen ernannte Kasper im Jahr 1989 zum Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Wie Karl Lehmann und der damalige Freiburger Erzbischof Oskar Saier eckte er mit einem Hirtenbrief über die Pastoral an geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken bei Kurienkardinal Joseph Ratzinger an. Beide begegneten sich später in Rom, als Kasper 1999 erst Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen wurde und 2001, zum Kardinal erhoben, an die Spitze des Rates trat; sie wohnten zeitweise sogar im selben Haus.

Kardinal Walter Kasper gibt sich in seinen Reden und Schriften überzeugt: "Es gibt eine Rückkehr des religiösen Bewusstseins, der religiösen Sehnsucht. Religion ist auch in den öffentlichen Diskurs zurückgekehrt."

2010 emeritiert, lebt er in Rom. Er hat beim Konklave zwar schon das 80. Lebensjahr überschritten, aber entscheidend für die Zulassung zur Wahl ist der Tag, an dem die Sedisvakanz des Heiligen Stuhls eintritt.

Kardinal Paul Josef Cordes

Der Sauerländer ist seit 1980 ein "Römer". Er gilt als der Initiator der Weltjugendtage mit dem Papst. Den Kardinalspurpur trägt er seit 2007. Nach seinem Studium in Münster war Cordes 1961 in Paderborn zum Priester geweiht worden, wurde dort 1976 Weihbischof.

1980 rief ihn Papst Johannes Paul II. nach Rom. Der Pontifex ernannte ihn zum Vizepräsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien und 1995 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates "Cor Unum" – Dachverband der Caritas-Verbände der katholischen Kirche. Die Medien nannten ihn den Entwicklungshilfeminister des Vatikan, weil er in päpstlichem Auftrag in Krisenregionen reiste.

Kardinal Paul Josef Cordes war ein kompromissloser Verteidiger von Papst Benedikt XVI. in der Empörung über die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. Er kritisierte auch mehrmals seinen Doktorvater Karl Lehmann.

Foto: Infografik Die Welt

So lange amtierten die letzten zehn Päpste
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