13.02.13

Generalaudienz

Papst begründet erstmals öffentlich seinen Rücktritt

Benedikt XVI. hielt seine wohl letzte große Messe als Papst. Zuvor zeigte er sich Tausenden Gläubigen und Touristen.

Foto: AFP

Benedict XVI. heißt bald wieder Joseph Ratzinger
Benedict XVI. heißt bald wieder Joseph Ratzinger

Papst Benedikt XVI. hat sich bei der ersten Generalaudienz nach seiner Rücktrittsankündigung erstmals öffentlich zu den Motiven für seine Entscheidung geäußert. "Ich habe dies in voller Freiheit für das Wohl der Kirche getan", sagte das Kirchenoberhaupt am Aschermittwoch in der vatikanischen Audienzhalle vor rund 8.000 Pilgern. Die Gläubigen unterbrachen die Papstansprache mehrfach mit tosendem Applaus.

Benedikt erklärte zu seinem Amtsverzicht, er habe im Wissen um die Tragweite eines solchen Schritts lange Zeit sein Gewissen geprüft. Dabei sei ihm bewusst geworden, "dass ich nicht mehr in der Lage bin, das Petrusamt mit der erforderlichen Kraft auszuüben". Der Papst äußerte sich zuversichtlich zur Zukunft der katholischen Kirche. Er dankte den Gläubigen für die Liebe und die Gebete, mit denen sie ihn in während seines achtjährigen Pontifikats begleiteten: "Betet weiter für den Papst und die Kirche."

Pilger aus aller Welt, die keine Karte erhalten hatten, verfolgten den ersten öffentlichen Auftritt des scheidenden Kirchenoberhaupts auf Großleinwänden auf dem Petersplatz. Bereits Stunden vor der Generalaudienz waren die Gläubigen zum Petersplatz gekommen und hatten die Reihen bis zum letzten Platz der Halle gefüllt. Unter den Besuchern waren auch zahlreiche Pilger aus Deutschland.

Nachfolger soll bis Ostern stehen

Benedikt hatte am Montag angekündigt, Ende Februar zurückzutreten. Der 85-Jährige, aus Bayern gebürtige Joseph Ratzinger begründete seinen Schritt mit schwindenden körperlichen und geistigen Kräften. Er wird das gewohnte Arbeitspensum bis zu seinem Rücktritt absolvieren. Der Vatikan rechnet mit der Wahl eines Nachfolgers bis zum Osterfest Ende März.

In seiner Katechese zum Beginn der vorösterlichen Fastenzeit forderte Benedikt die Gläubigen bei der Generalaudienz auf, sich immer wieder neu bewusst für den Glauben an Gott zu entscheiden: "Auch wer in einer christlichen Familie aufgewachsen ist und eine religiöse Erziehung genossen hat, muss seine Entscheidung für das Christentum erneuern."

Letzte Generalaudienz in zwei Wochen

Die moderne Welt mache die Einhaltung christlicher Prinzipien immer schwerer, gestand das Kirchenoberhaupt ein. "Es ist nicht leicht, sich öffentlich gegen Entscheidungen aufzulehnen, die viele als selbstverständlich betrachten wie Abtreibung im Fall einer unerwünschten Schwangerschaft, Sterbehilfe bei schweren Erkrankungen oder Embryonenselektion zur Vermeidung von Erbkrankheiten.

Am Nachmittag wollte Benedikt im Petersdom die Aschermittwochsliturgie zum Beginn der Fastenzeit feiern - seine wohl letzte große Messe. In genau zwei Wochen (27. Februar) wird Benedikt seine letzte Generalaudienz abhalten. Am Tag darauf will er nach Vatikanangaben seine Amtsgeschäfte niederlegen.

Quelle: dpa/epd/ap
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