11.02.13

Südafrika

Schock über eine bestialische Massenvergewaltigung

Das unfassbare Verbrechen an einer 17-Jährigen weckt Erinnerungen an die Massenvergewaltigung einer Studentin in Indien. Selbst die an Kriminalität gewöhnten Südafrikaner sind tief schockiert.

Foto: AFP

Die Massenvergewaltigung und der Mord an der 17-jährigen Anene B. hat Südafrika in eine politische Krise gestürzt. Es kam zu mehreren Protestmärschen – bislang blieben sie friedlich
Die Massenvergewaltigung und der Mord an der 17-jährigen Anene B. hat Südafrika in eine politische Krise gestürzt. Es kam zu mehreren Protestmärschen – bislang blieben sie friedlich

In Südafrika haben die Massenvergewaltigung und der anschließende Mord an einem 17 Jahre alten Mädchen eine politische Debatte ausgelöst. Anene B. war am 2. Februar in der 180 Kilometer von Kapstadt entfernten Kleinstadt Bredasdorp brutal von einer Gruppe Männer vergewaltigt worden.

Nach Angaben ihrer Pflegemutter wurde ihr Bauch aufgeschlitzt, alle Finger sowie beide Beine gebrochen. Das Mädchen wurde lebend auf einer Baustelle entdeckt, erlag aber im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Zuvor konnte sie einen der Täter benennen, es handele sich um ihren Ex-Freund. Das medizinische Personal musste nach Angaben südafrikanischer Medien psychologisch behandelt werden, sie berichteten, Verletzungen dieses Ausmaßes noch nicht gesehen zu haben.

Die Brutalität des Falls weckt Erinnerungen an die Massenvergewaltigung einer 23 Jahre alten Studentin in Neu-Delhi im Dezember. Die junge Frau war ihren Verletzungen ebenfalls erlegen, ihr Tod hatte landesweite Proteste gegen sexuelle Gewalt nach sich gezogen. In Südafrika mehren sich die Stimmen, die zu einer ähnlichen Bewegung aufrufen.

Südafrika in einer Vergewaltigungskrise

Es gebe einen "stillen Krieg" gegen Kinder und Frauen in diesem Land, sagte die Fraktionsvorsitzende der Oppositionspartei Democratic Alliance, Lindiwe Mazibuko. Alle Südafrikaner müssten in dem Kampf gegen diese Gewalt zusammenstehen. Mazibuko kündigte einen Antrag für eine Debatte im Parlament an. Es gelte, einen nationalen Dialog zu "Südafrikas Vergewaltigungskrise" zu beginnen.

Am Montag erschien in Anwesenheit von mehreren Kamerateams der Angeklagte Johannes K. vor dem Gericht von Bredasdorp. Richter Graham Cupido teilte mit, dass die Anklage auf Vergewaltigung und Mord laute. Die Verhandlung wurde auf Dienstag verschoben, in der sich der 21 Jahre alte Mann zusammen mit dem 22 Jahre alten Jonathan D. verantworten muss.

Die Polizei hatte einen dritten Tatverdächtigen verhaftet, ihn aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Weitere Verhaftungen seien wahrscheinlich, teilten die Behörden mit.

Der Fall schockiert selbst in Südafrika, wo zuletzt jährlich mehr als 56.000 Vergewaltigungen angezeigt wurden. Das bedeutet einen Schnitt von rund 150 pro Tag. Das Land hat eine der höchsten weltweit registrierten Vergewaltigungsraten, proportional zur Einwohnerzahl passiert dieses Verbrechen doppelt so oft wie in Indien.

Schwarze Kleidung als Protest

Die Dunkelziffer aber liegt um ein Vielfaches höher, wegen der Tabuisierung des Themas werden in Südafrika nur wenige sexuelle Verbrechen angezeigt. Eine Studie der halbstaatlichen Organisation Medical Research Council aus dem Jahr 2009 geht von bis zu 1,4 Millionen Vergewaltigungen im Jahr aus. Jeder vierte der anonym befragten Männer gab der Studie zufolge zu, schon einmal eine Vergewaltigung ausgeübt zu haben.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter forderten Hunderte Südafrikaner, am Dienstag als Zeichen des Protests schwarze Kleidung zu tragen. Der Gewerkschaftsbund Cosatu rief die Südafrikaner zu einem "gleichlauten Statement der Abscheu" wie in Indien auf. Bürgerrechtsorganisationen veröffentlichten ähnlich lautende Stellungnahmen.

Präsident Jacob Zuma bezeichnete das Verbrechen als "schockierend, grausam und zutiefst unmenschlich". Die Bürger des Landes dürften niemals zulassen, sich an diese Kriminalität gegen Kinder und Frauen zu gewöhnen.

Zuma nannte den Tod von Anene B. den Start einer nationalen Debatte zu der Frage, wie Vergewaltigungen gestoppt werden können. Die Richter müssten harte Strafen aussprechen, dies könne aber nur einen Teil einer umfassenden Kampagne gegen diese "Geißel" darstellen.

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