10.02.13

Euro-Krise

EZB drückt bei Hilfspaket für Zypern aufs Tempo

EZB-Direktor Asmussen erwartet, dass die Euro-Länder bis März ein Hilfsprogramm für Zypern auf die Beine stellen. Sonst rutsche das Land in die Pleite – mit riskanten Folgen für die Währungsunion.

Foto: REUTERS

EZB-Direktor Jörg Asmussen (l.) und EZB-Präsident Mario Draghi (r.): Die Zentralbank fürchtet eine Pleite Zyperns
EZB-Direktor Jörg Asmussen (l.) und EZB-Präsident Mario Draghi (r.): Die Zentralbank fürchtet eine Pleite Zyperns

Im Gerangel um internationale Finanzhilfen für das Euro-Land Zypern drückt die Europäische Zentralbank (EZB) aufs Tempo. "Ich erwarte, dass das Hilfsprogramm für Zypern Ende März steht", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen dem "Handelsblatt". "Damit kein Zweifel aufkommt: Wenn Zypern keine externe Hilfe erhält, rutscht es in die Zahlungsunfähigkeit."

Mit Blick auf die kritische Diskussion möglicher Zypern-Hilfen in Deutschland sagte Asmussen: "Aber falls jemand die Hoffnung hat, eine Entscheidung bis nach der Bundestagswahl zu verschleppen: Das wird nicht gehen."

Asmussen wies auf die Gefahren für das gesamte Euro-System hin, falls ein Land in die Pleite rutscht. "Wenn wir heute ein systemrelevantes Land fallen lassen, riskieren wir den Fortschritt, den wir im vergangenen Jahr bei der Bewältigung der Euro-Krise erreicht haben – und zwar unter hohen finanziellen und politischen Kosten."

Euro-Finanzminister sprechen über Zypern

Zypern wird vor allem deswegen kritisch gesehen, weil dem Land vorgeworfen wird, nicht ausreichend gegen Geldwäsche vorzugehen. Dazu sagte Asmussen: "Es wäre eine gute Idee, dass eine große internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft das vor Ort untersucht."

Die Euro-Finanzminister kommen am Montag in Brüssel zusammen, um zum wiederholten Male über die Rettung des kleinen Zyperns vor der Staatspleite zu debattieren.

Mit einer Entscheidung wird aber noch nicht gerechnet. Erst müssten die Präsidentenwahlen des Inselstaates am 17. Februar abgewartet werden, sagten Diplomaten. Es geht um ein Hilfspaket von etwa 17,5 Milliarden Euro, davon entfallen allein rund 10 Milliarden Euro auf Bankenhilfen.

Quelle: dpa/cat
Quelle: dapd
18.01.13 2:27 min.
Das EU-Parlament muss über eine mögliche Rettung des zyprischen Bankensektors verhandeln. Analysten der Commerzbank sind zuversichtlich, dass es ein Hilfsprogramm geben wird.
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Zyperns Wirtschaft
  • Banken

    Die Krise der zypriotischen Volkswirtschaft ist vor allem eine Bankenkrise; das zeigt der Blick auf die Grafiken auf diesen Seiten. Das Bankensystem des Landes ist völlig überdimensioniert für die Größe der 700.000 Einwohner starken Volkswirtschaft. Die Institute halten offene Kredite an Unternehmen, Privatleute und Staaten im Wert von 134,5 Milliarden Euro – das entspricht mehr als dem Zehnfachen der Wirtschaftsleistung des Landes. Der ins Wanken geratene Finanzsektor des Landes ist damit einerseits „too big to fail“ – also zu groß um unterzugehen. Gleichzeitig aber auch „too big to be saved“ – zu groß, um im Notfall vom zypriotischen Staat gerettet zu werden.

  • Vergleich

    Ähnlich sah die Situation 2007 im Fall von Island aus. Zwischen 2003 und 2007 wuchs die Wirtschaftsleistung um ein Viertel, befeuert durch ausländische Investitionen, die auch das Bankensystem des Inselstaates im Nordatlantik ungesund stark aufgebläht hatten. Auf dem Höhepunkt war der Finanzsektor mehr als zehnmal so groß wie die Volkswirtschaft. Die zypriotischen Banken tragen in ihren Bilanzen eine Menge Probleme, weil sie in den vergangenen Jahren zu viel Geld verliehen haben: an griechische Unternehmen und Privatleute, aber auch an die Bürger im eigenen Land.

  • Private Verschuldung

    Nirgendwo im Euro-Raum sind die privaten Haushalte heute so stark verschuldet wie auf der Insel im östlichen Mittelmeer. Alle Schulden und Hypotheken zusammengenommen machen das Anderthalbfache oder 154 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Zum Vergleich: Im Durchschnitt des Euro-Raums liegt der Wert bei 72 Prozent. Auch Irland liegt mit 125 Prozent privater Verschuldung weit über diesem Schnitt; dort kämpft die Volkswirtschaft vor allem mit den Folgen einer geplatzten Immobilienblase und eines Finanzsektors, der auf Bergen fauler Kredite sitzt.

  • Staatliche Verschuldung

    Ganz anders hingegen die Lage in Griechenland, wo die private Verschuldung nach einer Analyse des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle unter dem Durchschnitt des Euro-Raums liegt. Sie macht nur zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Hier war nicht das Finanzsystem die Ursache für die Krise, sondern primär ein Staat, der über Jahre zu viel Geld ausgegeben und seine Bilanzen gefälscht hatte. Davon zeugt die hohe griechische Staatsverschuldung.

  • Haushaltsüberschuss

    Zypern und Island dagegen haben sogar lange Zeit von hohem Wachstum profitiert und Haushaltsüberschüsse erzielt. Als Zypern 2008 dem Euro beitrat, lag die Staatsverschuldung bei 59 Prozent und die Regierung erzielte einen Haushaltsüberschuss von 3,5 Prozent. Deswegen ist die Staatsverschuldung in Zypern noch moderat, auch wenn Experten erwarten, dass sie wegen der Rettungspakete und der Bankenrettung bis Ende 2013 auf 130 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen könnte. Griechenland und Zypern leiden gleichermaßen unter mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Sichtbarstes Zeichen dafür sind die hohen Leistungsbilanzdefizite.

  • Löhne

    Die Troika verlangt als Bedingung für ihr Rettungspaket, dass die Löhne im öffentlichen Sektor sinken. Die internationalen Geldgeber erwarten, dass dadurch auch die Löhne in der Privatwirtschaft sinken, die vor allem in niedrigeren Gehaltsstufen bisher mit dem Staat kaum konkurrieren können. Viele Privatunternehmen hatten wie Staatsfirmen Löhne an die Inflation gekoppelt.

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