08.02.2013, 18:34

Werbekampagne Bulgarischer Politiker kontert mit britischem Humor


Sergej Stanischew bei einer Abstimmung zur Zukunft der bulgarischen Atomenergie im Januar 2013

Foto: Vassil Donev / dpa

Sergej Stanischew bei einer Abstimmung zur Zukunft der bulgarischen Atomenergie im Januar 2013 Foto: Vassil Donev / dpa

Von Lisa Kittel

Eine Werbekampagne sollte Großbritannien für osteuropäische Einwanderer möglichst unattraktiv machen. Doch ein bulgarischer EU-Abgeordneter keilt zurück und spricht von „Angstpolitik“.

Er schaut in die Kamera, hinter ihm der graue Himmel: "Wie Sie sehen, ist das Wetter bei uns mindestens so mies wie in Großbritannien." So schlagfertig reagiert der ehemalige bulgarische Premierminister Sergej Stanischew, 47, auf eine von britischen Ministern geplante Kampagne.

Darin sollte Großbritannien aus Angst vor rumänischen und bulgarischen Einwanderern so unattraktiv wie möglich dargestellt werden. Schlechtes Wetter ist dabei noch das geringste Argument, wie die britischen Medien, die die Idee ins Lächerliche zogen, an diversen Beispielen demonstrierten.

Stanischew reagierte mit Humor – mit britischem Humor, wie er selbst sagt. Den hat er von 1999 bis 2000 als Gastdozent in London kennengelernt. Doch der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Europas kann auch ernst werden: Er sagt, solche Aktionen seien "Angstpolitik". Von den 35.000 Bulgaren, die derzeit in Großbritannien leben, gäbe es nur 600, die arbeitslos seien.

Briten sind selbst Schuld

Auch früher hätte es Furcht vor einer Immigration gegeben, die aber so nie eingetreten sei. Stanischew ist Europäer mit Leib und Seele: Er möchte, dass sich alle Staaten daran beteiligen, die sozialen Unterschiede in armen und reichen Ländern auszugleichen.

Seine weiteren Äußerungen dürften den Briten daher besonders in den Ohren schmerzen: Stanischew denke zwar nicht, dass die jetzige Angst berechtigt sei, Großbritannien provoziere Einwanderung aber geradezu dadurch, dass es auf ein stark gekürztes EU-Budget bestehe.

Wenn er nicht über europapolitische Themen nachdenkt, findet Stanischew Ruhe beim Tauchen. Außerdem hat er eine kleine Tochter, die ihn auf andere Gedanken bringt. Vielleicht wird sie eines Tages im verregneten England studieren.

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