08.02.13

Doktorarbeiten

Plagiatsjäger enthüllt jetzt gegen Bares

Der Gründer der Internetplattform VroniPlag Martin Heidingsfelder bietet auf einer neuen Website an, Dissertationen von Politikern zu untersuchen. Dafür muss man allerdings tief in die Tasche greifen.

Foto: picture alliance / dpa

Der Gründer der Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, nimmt jetzt Geld fürs Schnüffeln. Und davon nicht zu knapp
Geschäftsmodell: Der Gründer der Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, nimmt jetzt Geld fürs Plagiate finden

Vor dieser Website dürften die Abgeordneten zittern: Martin Heidingsfelder, Gründer der Internetplattform VroniPlag Wiki, hat ein neues Portal erstellt.

Es heißt "PolitPlag" und hat zum Ziel, im Wahljahr die wissenschaftlichen Arbeiten der Bundestagsabgeordneten und auch der Kandidaten zu überprüfen. "Politiker sollten Vorbilder sein, insbesondere was Ehrlichkeit anbelangt", heißt es auf der Website von PolitPlag.

Leider habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass einige ihren Doktortitel "mit einer gewissen Nonchalance – man nennt es auch Plagiieren" erworben hätten. "In solchen Fällen ist es besser, gar nicht erst zur Wahl anzutreten, als später zurückzutreten", heißt es weiter. Deshalb biete man für 2013 ein "Plagiometer" an.

Untersucht werden sollen nicht nur bereits im Bundestag oder in den Landtagen sitzende Abgeordnete, sondern auch solche Politiker, die für den Bundestag kandidieren. Finanziert wird die Arbeit durch Spenden. Explizit wird auf der Website dazu aufgerufen, sich mit "einem Beitrag ab 20 Euro" an den Prüfungskosten zu beteiligen.

Kritiker schimpfen über "Plagiat-Stasi"

Für 300 Euro gibt es eine erste intensivere Untersuchung der Arbeit, jeder weitere Arbeitstag eines Plagiatssuchers schlägt mit 500 Euro zu Buche. Wer Geld gibt, kann angeben, wer überprüft werden soll. Genau dieser Punkt stößt in Internetforen auf Kritik. Als "Plagiat-Stasi" wird Heidingsfelder in einem (anonymen) Blog beschimpft.

Der 47-Jährige weist die Kritik von sich. "Mit der Plagiatssuche verdiene ich Geld", sagt er der Berliner Morgenpost. "Das ist ein ehrenwerter Beruf." Sein Hauptgeschäft besteht darin, gegen Honorar Doktorarbeiten von Nichtprominenten zu prüfen.

Die Idee zu PolitPlag hatte er, weil ihn störte, dass sich das Team von VroniPlag Wiki nicht mit Schavan beschäftigte. Er selbst hat schon 2012 ihre Doktorarbeit und drei ihrer Bücher untersucht und war dabei auf verdächtige Passagen gestoßen.

"Intensiv um Politiker kümmern"

"Man muss sich intensiver um die Politiker kümmern", sagt Heidingsfelder. Deshalb gründete er Ende Januar PolitPlag. In einem ersten Schritt will er die Arbeiten auf "Verdachtsmomente" prüfen. Gibt es die, soll eine intensive Untersuchung folgen – vorausgesetzt, es gibt "genügend Personen, die Geld überweisen".

Dabei sei PolitPlag der politischen Neutralität verpflichtet, betont Heidingsfelder, der SPD-Mitglied war und jetzt für die bayerischen Piraten für den Landtag wie auch den Bundestag kandidiert. Schon jetzt liegen ihm rund 80 Dissertationen in digitaler Form zur Überprüfung vor.

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