07.02.13

Infizierte Rechner

Microsoft und Symantec stoppen Hacker-Operation

Groß angelegte Aktion gegen Cyberkriminalität: Microsoft und Symantec haben zusammen mit dem FBI mehrere Server lahmgelegt – und damit offenbar Hunderttausende infizierte Computer gerettet.

Foto: picture alliance / JOKER

Hackerangriffe: Microsoft und Symantec haben bei der Abwehr zusammengearbeitet
Hackerangriffe: Microsoft und Symantec haben bei der Abwehr zusammengearbeitet

Die US-Softwarekonzerne Microsoft und Symantec haben nach eigenen Angaben eine weltweite Operation von Cyber-Kriminellen massiv gestört. Dazu seien Server lahmgelegt worden, über die Hunderttausende Computer ohne Wissen ihrer Besitzer kontrolliert wurden, sagte der Cyber-Crime-Spezialist Richard Boscovich von Microsoft.

Bundespolizisten hätten in Begleitung von Technikern der Konzerne Datencenter in New Jersey und Virginia durchsucht. Durch das Herunterfahren der Server war es Nutzern infizierter Rechner zunächst nicht möglich, Suchmaschinen im Internet zu nutzen.

Die Unternehmen boten den Betroffenen technische Hilfe an.

Der Kriminellen-Ring manipulierte nach Darstellung der Konzerne Suchergebnisse und rechnete Unternehmen fälschlicherweise Gelder für Online-Werbeklicks ab. Dadurch soll pro Jahr ein Gewinn von mindestens einer Million Dollar im Jahr erzielt worden sein.

EU will Meldepflicht bei Hackerangriffen

Firmencomputer werden nach Angaben aus der Wirtschaft täglich tausendfach angegriffen und häufig geknackt. Die EU-Kommission will Unternehmen wichtiger Branchen deshalb eine Meldepflicht auferlegen. Den Gesetzesplan will sie am Donnerstag vorstellen.

Im Dienste der Allgemeinheit könnten Sicherheitslücken von Unternehmen dann sogar der ganzen Welt offengelegt werden.

"Wer sagt schon gerne, dass bei ihm eingebrochen wurde?", bringt der Europaabgeordnete Alexander Alvaro (FDP) das Problem aus Sicht der Unternehmen auf den Punkt. Doch der Liberale verweist ausdrücklich auf den Nutzen für die Wirtschaft selbst: Der Austausch über Schwachpunkte könne die IT-Sicherheit insgesamt voranbringen.

"Ein Unternehmen muss gewährleisten, dass es nicht zur Verteilerstation von Viren oder Schadprogrammen wird", sagt Monika Hohlmeier (CSU). Allerdings könne das nicht heißen, alle Firmen unterschiedslos in die Pflicht zu nehmen. Kleinstunternehmen sind im Gesetzesplan jetzt schon außen vor. "Beim Mittelstand wird man sehr sorgfältig prüfen müssen, dass Kosten und Sicherheitsgewinn in einem vernünftigen Verhältnis stehen", kündigt die EU-Parlamentarierin an.

Dabei geht es nicht nur um Einbrecher. IT-Systeme werden von ähnlichen Gefahren bedroht wie die wirkliche Welt, nämlich "menschlichen Irrtümern, Naturereignissen, technischem Versagen oder bösartigen Angriffe", schreibt die EU-Kommission in einem Begleitpapier zum Gesetzesvorschlag. "Diese Vorfälle werden größer, häufiger und komplexer."

Jetzt sollen Firmen wichtiger Branchen solche Vorfälle melden müssen. Darüber hinaus kann die zuständige Behörde die Öffentlichkeit informieren, wie es in dem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Gesetzentwurf heißt. Voraussetzung: Dies liegt im öffentlichen Interesse.

Firmen und öffentliche Einrichtungen betroffen

Betroffen wären Internet-Unternehmen wie Google, Skype und Ebay. Doch auch Akteure aus traditionellen Branchen müssten im Fall des Falles die Hüllen fallen lassen: Banken und Börsen, Energieversorger, Eisenbahnen, Fluggesellschaften und Häfen, Krankenhäuser und öffentliche Verwaltungen.

Laut Gesetzestext geht es um Vorfälle mit "bedeutender Wirkung" auf das Kerngeschäft. Was darunter fällt, beschreibt die Kommission im Begleitpapier so: Fluglotsendienste werden durch eine Attacke eingeschränkt, ein Online-Buchungsservice funktioniert nicht oder ein Cloud-Computing-Service lässt die Kunden nicht an ihre Online-Konten.

Bisher sind laut Kommission europaweit einzig die Telekom-Unternehmen zur Meldung größerer Vorfälle verpflichtet. Eine Ausweitung "auf alle möglichen Unternehmen" lehnt der deutsche Branchenverband Bitkom ab, solange die Meldungen nicht vertraulich behandelt werden, wie Sprecher Maurice Shahd sagt: "Die Gefahr eines Imageschadens ist zu hoch." Bitkom setze auf Systeme, bei denen freiwillige Meldungen anonym abgegeben werden können.

Die Kommission hingegen baut offenbar gerade auf die abschreckende Wirkung öffentlich gemachter Vorfälle und verweist auf die niederländische Firma Digiotar, bei der es vor zwei Jahren ein großes Sicherheitsleck gegeben habe. Dies sei zunächst vertuscht worden. Als das Leck doch öffentlich wurde, sei der Vertrauensverlust "katastrophal" gewesen und die Firma ging bankrott.

Quelle: Reuters/AFP/lw
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