06.02.13

Nordkorea-Video

Feuchte Träume von der Vernichtung Amerikas

Brennende "Quelle des Bösen": Der Internet-Clip gehört zur psychologischen Kriegsführung des unberechenbaren Nordkorea. Die US-Regierung erklärt, das Video zu kennen, will es aber nicht kommentieren.

Ein junger Nordkoreaner träumt vom Ende der USA. Eine Atomrakete seines Landes steigt ins Weltall. Im Hintergrund spielt "We are the World" von Michael Jackson. In dem dreieinhalbminütigen, grotesken Propagandavideo, das seit dem 2. Februar durch das Internet geistert, sieht sich der Träumende als Passagier einer Rakete, von der aus er die gesamte Welt sieht.

Korea, sowohl der Norden als auch der Süden, sind unter ihrer Einheitsflagge, einer blauen koreanischen Halbinsel auf weißem Untergrund, wiedervereinigt.

Dann kommen die USA ins Bild, mitten im Bombardement der Atomraketen. Überall brennen Wolkenkratzer, eine Anspielung auf New York. Auf koreanisch wird folgender Text eingeblendet: "Irgendwo in den USA, alles ist voller schwarzer Wolken. Hier ist die Quelle alles Bösen. Sie haben selbst Schuld an ihrem Schicksal."

"Sieg des Volkes"

In dem Videoclip sind auch Aufnahmen Nordkoreas jüngster, am 12. Dezember gestarteter Langstreckenrakete eingebaut. Was er nicht zeigt: Der Raketentest führte erneut zu verschärften Sanktionen der Vereinten Nationen gegen das weltweit isolierte Regime. Stattdessen endet das Video mit dem Text: "Dieser Traum wird ganz bestimmt in Erfüllung gehen. Der Imperialismus versucht uns mit allen Mitteln zu isolieren und uns zu zerstören. Aber niemand wird den Sieg des Volkes verhindern können".

Das Video soll zuerst auf nordkoreanischen Webseiten verbreitet worden sein, die zumeist von nordkoreanischen Freundschaftsgruppen im Ausland, vor allem in Japan gemanagt werden. Jetzt geistert es in ungezählten Kopien überall im Netz. US-Regierungssprecherin Victoria Newland sagte, die USA hätten Kenntnis von dem Machwerk genommen, aber kommentieren wolle man es nicht.

Nach Bloggerangaben enthält der Film auch Szenen mehrerer US-Videospiele, wie "Call of Duty" und "Modern Combat 3" der US-Firma Activision. Der Film gehört damit zur psychologischen Kriegsführung in einem Verwirrspiel um die Absichten des unberechenbaren Nordkorea.

Nordkorea überschreitet eine rote Grenze

Seine Machthaber drohen seit zwei Wochen, jeden Moment einen vorbereiteten nuklearen Sprengsatz als ihren dritten Atomtest zu zünden. Südkoreas Aufklärung und auch chinesische Stellen bestätigen die offenbar abgeschlossenen Vorbereitungen für eine jederzeit mögliche Explosion in den unterirdischen Stollen des Atomwaffen-Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes.

Dort hat Nordkorea auch 2006 und 2009 Bomben getestet. Über die Art der neuen Atomwaffe, über ihre Stärke und Radioaktivität, wurde noch nichts bekannt. Südkorea aber fühlt sich bedroht. Auch Chinas Nordost-Grenzen liegen vom Testgelände nur 180 Kilometer entfernt.

Nordkorea überschreitet damit die rote Grenze zu seinen politisch Verbündeten und stößt die gesamte Welt vor den Kopf. Erstmals stehen alle Staaten der Region mit den USA vereint gegen Nordkorea.

Das ist der Hintergrund, vor dem die Propagandisten des Regimes Roulette mit den Nerven ihrer Nachbarn spielen. Sie provozieren auch Russland und China. Der seit dem Tod seines Vaters Kim Jong-il im Dezember 2011 herrschende, 28-jährige Kim Jong-un, wartet täglich mit Überraschungen auf.

Querelen auch mit China und Russland

Nachdem er am Wochenende der Vollversammlung seiner Militärkommission in Anspielung auf den vorbereiteten Atomtest martialisch "die große Wende unserer militärischen Kapazitäten" versprochen hatte, verschickte er kurz darauf Grußkarten zum kommenden Frühlingsfest. Sie gingen an die Präsidenten von 30 Staaten wie Laos, Libanon, Mongolei, Iran oder Vietnam.

Wie die südkoreanische Tageszeitung "Chosun Ilbo" berichtet, waren zwei Staaten nicht darunter: Russland und China. Pjöngjang wirft ihnen vor, der UN-Resolution zugestimmt zu haben und sich von den USA vereinnahmen zu lassen. Nordkoreas Kim Jong-un hatte auch westliche Neujahrsgrüße, die ihm Chinas und Russlands Führer Ende Dezember 2012 schickten, nicht beantworten lassen.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete jetzt, dass Pjöngjang seit der UN-Resolution vom 22. Januar seine Medien offenbar angewiesen hat, nichts mehr über China zu berichten. Und das, obwohl das Land faktisch mehr als zwei Drittel seines Handels mit China abwickelt und seine Energieversorgung mit Öl aus der Volksrepublik bezieht.

Nordkoreas Propaganda wechselt täglich zwischen lautem Säbelrasseln und friedlichen Bekundungen, um die Außenwelt im Rätselraten über ihre Absichten zu halten.

Nordkorea droht gnadenlos zurückzuschlagen

Nachdem der neue US-Außenminister John Kerry sich zuerst mit seinem südkoreanischen Amtskollegen und am Dienstag auch mit Chinas Außenminister Yang Jiechi auf gemeinsame Anstrengungen verständigte, wie sich der drohende Atomtest noch verhindern lässt, warnte Nordkoreas Staatsagentur die USA vor einer "riesigen Fehlkalkulation".

Falls die USA auf die Idee eines Präventivschlags "mit ihren in Guam´stationierten B-2 Tarnkappenbombern" gegen die nordkoreanischen Atomanlagen kommen, werde Nordkorea "gnadenlos zurückschlagen." Die Drohung zielt vor allem auf Südkorea und die dort stationierten 25.000 US-Truppen.

Zugleich aber schreibt die Staatsagentur KCNA, dass in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang eine fröhliche Atmosphäre herrscht; Die Vorbereitungen für die große Geburtstagsfeier zu Ehren des verstorbenen Kim Jong-il am 16. Februar laufen auf vollen Touren.

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