05.02.13

Kaschmir

Mufti verhängt Fatwa über indische Girlie-Band

Wegen Hass-Emails von Islamisten geben drei preisgekrönte Teenager im Norden Indiens ihr Band-Projekt auf – nach nur einem Konzert. Der höchste Mufti der Region erklärte sie zu Sünderinnen.

Von Sophie Mühlmann
Foto: AP

Kaschmirs erste reine Mädchenband Pragaash bei einem Musikwettbewerb in Srinagar in Indien
Kaschmirs erste reine Mädchenband Pragaash bei einem Musikwettbewerb in Srinagar in Indien

Die drei Mädchen tragen Jeans und manchmal Kopftuch. Aber wenn sie ans Mikrofon treten, gibt es kein Halten mehr. Mit ihren rockigen Songs haben die Musikerinnen von Pragaash im vergangenen Dezember alle anderen Kandidaten beim alljährlichem "Battle of the Bands" der indischen Stadt Srinagars in den Schatten gestellt. Mit ihrer beeindruckenden Show erzielten sie den ersten Platz.

Die jungen Musikerinnen Noma Nazir (Sängerin und Gitarristin), Farah Deeba (Schlagzeugerin) und Aneeka Khalid (Gitarristin) hatten es gewagt, sich in einer Männerdomäne zu behaupten – und waren damit spontan zu Ruhm gekommen.

Doch jetzt wird es still um Kaschmirs erste Mädchen-Band. Die drei rockenden Teenagerinnen spielten nur ein einziges Konzert, dann war ihre kurze Karriere auch schon wieder vorbei.

Hass-Emails von radikalen Moslems

"Kriminelle, die sich als Moslems maskieren" haben Pragaash "zum Schweigen gebracht". So schimpft eine Facebook-Seite, die sich die Unterstützung der Band auf die Fahne geschrieben hat.

Die Schülerinnen der zehnten Klasse haben aufgegeben, nachdem der höchste Mufti des Kaschmir-Tals, Bashiruddin Ahmad, eine Fatwa gegen sie ausgerufen hatte. Ihr Musik sei "un-islamisch", hatte er verkündet und die drei Jugendlichen damit zu Sünderinnen erklärt.

Jetzt haben sie Angst. Wahrscheinlich nicht ganz unbegründet. Denn schon hagelt es im Internet Anfeindungen und Hass-Emails von radikalen Moslems.

Und obwohl der Ministerpräsident von Jammu und Kaschmir, Indiens einzigem muslimischen Bundesstaat, den Dreien die Stange hält und öffentlich ermuntert sich nicht "von einer Handvoll Idioten" den Mund verbieten zu lassen, haben sich die Mädchen lieber zurückgezogen.

Schade, denn "Pragaash" bedeutet übersetzt "Licht", eigentlich ein Ausdruck der Hoffnung.

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