05.02.13

Parkplatz-Trick

Wie ein israelisches Ordnungsamt Autofahrer abzockt

Städtische Beamte in Tel Aviv haben eine reguläre Lücke nachträglich als Behindertenparkplatz gekennzeichnet – als dort schon ein Fahrzeug stand. Eine Kamera zeichnete den dreisten Betrugsversuch auf.

Von Philip Kuhn

Dreister geht es nicht mehr: Zwei Ordnungsbeamte in Tel Aviv haben nach Angaben mehrerer israelischer Medien mit einem üblen Trick versucht, eine Autofahrerin um umgerechnet 270 Euro zu erleichtern.

Hila Ben Baruch hatte ihren Wagen demnach ganz legal in der Ben Yehuda Halevi Street abgestellt, als die beiden Männer, die aufgrund ihrer Kleidung als städtische Beamte zu erkennen waren, mit einem Eimer weißer Farbe kamen und den regulären Parkplatz zum Behindertenparkplatz umwidmeten.

Dicke Geldstrafte für Ben Baruch

Die Rechnung der Stadt kam noch am selben Tag: Ben Baruch sollte 1000 Schekel Strafe (200 Euro) und noch einmal 350 (70 Euro) für das Abschleppen zahlen.

Doch sie wehrte sich und hatte am Ende Glück, weil ein Überwachungsvideo die Szene festhielt: Es zeigt, wie einer der Beamten ihren Wagen zunächst mit weißer Farbe einkreist, dann einen Rollstuhl als Behindertensymbol auf die Straße pinselt und schließlich den Abschleppdienst ruft, der auch nicht lange auf sich warten lässt.

"Du siehst das und kannst es nicht glauben", zitiert die Zeitung "Haaretz" eine empörte Ben Baruch. "In Windeseile haben diese beiden Stadtbeamten meinen Parkplatz umgewidmet. In fünf Minuten haben sie mich zur Kriminellen gemacht. Aber wen interessiert das hier schon? Hauptsache die Stadt kassiert ab".

Stadtverwaltung nennt Ben Baruch "Lügnerin"

Als sie sich zunächst völlig überrascht telefonisch bei der Stadtverwaltung nach dem Verbleib ihres Autos erkundigte und klar stellte, dass sie legal geparkt hatte, wurde sie von einem Mitarbeiter sogar als Lügnerin bezeichnet.

Doch die Stadt hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass ein großer Teil der Straße permanent videoüberwacht wird und Ben Baruch ihre eigenen Recherchen anstellte. Sie fragte erst Bauarbeiter, ob sie etwas gesehen hätten und traf dann glücklicherweise auf den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der ihr das entlarvende Überwachungsvideo vorspielte.

"Das war in der Tat ein Fehler"

Am Ende musste die Stadt ihr Verschulden zähneknirschend eingestehen: "Das war in der Tat ein Fehler, der unserer Verwaltung nicht passieren darf", hieß es in einer Mitteilung.

"Wir entschuldigen uns dafür und werden uns mit dem Benehmen unserer Mitarbeiter auseinandersetzen, damit so etwas nicht noch einmal geschieht." Die Geldstrafe wurde Ben Baruch erlassen.

Doch damit ist für sie die Sache noch lange nicht erledigt: "Ich werde keine Ruhe geben", schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite. "Ich werde rechtliche Schritte gegen die Ungerechtigkeit und das mir widerfahrene Leid einleiten. Ich kann nur jeden, der dieses Posting liest, dazu auffordern, es zu teilen."

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