05.02.2013, 16:36

Selbstmordanschlag Berliner Ermittler hatten Attentäter von Ankara im Visier


Der Selbstmordattentäter von Ankara riss vor der US-Botschaft in Ankara einen Wachmann mit sich in den Tod

Foto: STRINGER/TURKEY / REUTERS

Der Selbstmordattentäter von Ankara riss vor der US-Botschaft in Ankara einen Wachmann mit sich in den Tod Foto: STRINGER/TURKEY / REUTERS

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat bereits 2009 gegen den Attentäter von Ankara ermittelt. Das Verfahren war eingestellt worden.

In der türkischen Presse sind im Zusammenhang mit dem Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara Vorwürfe gegen die deutschen Behörden laut geworden. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete am Dienstag von Pannen bei Ermittlungen gegen Alisan Sanli, den Selbstmordattentäter von Ankara.

Die Berliner Staatsanwaltschaft habe den Linksextremisten im Jahr 2009 zwar verhört, aber nicht einmal die von Sanli angegebene Adresse überprüft – und deshalb auch nicht herausgefunden, dass Sanli die Behörden angelogen habe.

Laut "Hürriyet" wurde Sanli in Berlin wegen des Besitzes von Propagandamaterial der in der Türkei und in Deutschland verbotenen Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) verhört. Dabei habe Sanli eine Wohnadresse in Kreuzberg angegeben, die aber von der Berliner Polizei nie kontrolliert worden sei. Laut "Hürriyet" hörten die türkischen Mieter des betreffenden Hauses nie von Sanli.

Fahnder verloren Sanli aus den Augen

Die Zeitung berichtete zudem, auch bei Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft gegen Sanli wegen des Verdachts der Geldbeschaffung für die DHKP-C ab dem Jahr 2011 habe es Pannen gegeben. Trotz laufender Ermittlungen hätten die Behörden den Verdächtigen im Oktober vergangenen Jahres aus den Augen verloren.

Laut der türkischen Regierung war Sanli vor dem Attentat vom vergangenen Freitag von Deutschland aus über Griechenland mit falschen Papieren in die Türkei eingereist. Bei dem Anschlag riss Sanli einen türkischen Wachmann mit in den Tod.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Deutschland und Frankreich am Montag mangelnde Unterstützung beim Kampf gegen den Terrorismus vorgeworfen. "Terroristen, die in der Türkei die blutigsten Morde begehen, reisen frei in Europa herum", sagte Erdogan in Prag.

Die türkischen Vorwürfe dürften auch bei Gesprächen von Bundesinnenminister Hand-Peter Friedrich (CSU) in der Türkei zur Sprache kommen. Friedrich wurde am Dienstag in Istanbul erwartet, der ersten Station seines dreitägigen Besuchs.

(AFP/dpa/mim)
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