04.02.13

Istanbul

Fromme Türken wollen Hagia Sophia als Moschee

Unter Atatürk wurde die Hagia-Sophia-Basilika in Istanbul zum Museum, nachdem sie Jahrhunderte lang als Moschee gedient hatte. Jetzt fordern Bürger, sie wieder zum islamischen Gotteshaus zu machen.

Foto: picture alliance / Marius Becker

Die Hagia Sopia in Istanbul war eine byzantinische Kirche, später eine Moschee und beherbergt heute ein Museum
Die Hagia Sophia in Istanbul war eine byzantinische Kirche, später eine Moschee und beherbergt heute ein Museum

Istanbuls byzantinische Hagia Sophia-Basilika hat einiges mitgemacht. Eingeweiht im Jahr 360, war sie der Reihe nach orthodoxe Kirche, dann katholische, dann – nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 – eine Moschee, und schließlich, ab 1935, ein Museum in der modernen, antireligiösen türkischen Republik des Mustafa Kemal Atatürk.

Das könnte sich wieder ändern. Fromme Türken haben das Parlament angerufen, das Istanbuler Wahrzeichen wieder zu einer Moschee zu machen. In einer möglicherweise konzertierten Aktion muslimischer Bruderschaften gingen binnen fünf Tagen 16 verschiedene Anträge und Petitionen frommer Bürger beim Parlamentsausschuss für, nun ja, Petitionen ein, die alle forderten, man möge die alte Basilika wieder zur Moschee machen.

Als Beispiel zitierte die englischsprachige Version der Zeitung "Hürriyet" einen Antrag dreier Bürger der Provinc Koaceli, rund 100 Kilometer östlich von Istanbul. Zur Begründung war eine "Meinungsumfrage" unter 407 Mitbürgern beigefügt, wonach 97 Prozent für die Umwidmung zur Moschee wären.

Am Sonntag berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu, dass die Kommission nun erwäge, das Thema aufzugreifen und, wenn die Sache denn als würdig erscheint, vor das Parlament zu bringen, beziehungsweise der Regierung vorzulegen. Dem Bericht zufolge will die Kommission "die Meinung der relevanten Institutionen einholen".

Beten verboten – außer für Muslime an Freitagen

Der Begriff "Museum" für die Kirche ist insofern irreführend, als der Versuch, dort mit gefalteten Händen nieder zu knien und zu beten, anders als beispielsweise im Zement-Museum in Hemmoor oder im Museum für schlechte Kunst in Boston, sofort die Polizei auf den Plan rufen würde. Beten ist ausdrücklich verboten. Außer, in einem kleinen abgegrenzten Bereich, für Muslime, an Freitagen.

Ob nun mehr daraus wird oder sich das Parlament beziehungsweise die Regierung vielleicht zu einem Mittelweg entschließt – etwa Gottesdienste abwechselnd für Christen und Muslime –, das werden die nächsten Monate zeigen.

Übrigens gibt es nicht nur Menschen, die die Hagia Sophia als Museum oder als Moschee sehen wollen. Vor einigen Jahren sprach der Verfasser dieser Zeilen mit einem griechisch-orthodoxen Priester darüber, der hier nicht genannt werden soll. "Wissen Sie", sagte er, "als die Römer die Juden aus Jerusalem trieben, und den Tempel schleiften, da sagten sie, wir wollen hier nie wieder Juden sehen. Das war vor 2000 Jahren. Und was ist Jerusalem heute?"

Und das wiederum mag erklären, warum der türkische Staat bis heute eine fast paranoide Politik gegenüber der griechisch-orthodoxen Kirche in der Türkei verfolgt. Bis heute harrt das Priesterseminar auf der Insel Heybeliada vergeblich seiner Wiedereröffnung.

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