04.02.13

Gender-Mainstreaming

Amerika kastriert Polizisten und Feuerwehrmänner

Viele US-Staaten führen geschlechtsneutrale Begriffe ein. Das treibt teils bizarre Blüten. So wird aus dem unschuldigen "freshman" ein "first-year student". Auch anderswo wird brachial entzipfelt.

Foto: AFP

Gelten als Inbegriff der Männlichkeit, dürfen aber keine „Firemen“ mehr sein: Feuerwehrleute nach dem Einsatz
Gelten als Inbegriff der Männlichkeit, dürfen aber keine "Firemen" mehr sein: Feuerwehrleute nach dem Einsatz

In Amerika geht es Männern ans Gemächte: Der Westküstenstaat Washington hat seine "policemen" und "firemen" sprachlich kastriert. An ihre Stelle traten im Zuge des Gender-Mainstreaming "police officers" und "firefighters", also Polizisten und Feuerwehrleute.

Und die nächsten Opfer der politischen Korrektheit sind bereits ausgewählt: Der "freshman", wie Erstsemester bislang geschlechtsübergreifend heißen, soll in allen amtlichen Dokumenten zum "first-year student" werden. Das entspricht dank dem Mangel an männlichen und weiblichen Endungen im Englischen dem Studierenden im ersten Jahr.

"Einige Leute werden meinen: 'Oh, das ist doch nicht wichtig, müsst ihr wirklich die gesamte Sprache ändern?'", sagte Sally Clark, Ratsmitglied in Washingtons größter Stadt Seattle, der Nachrichtenagentur AP. "Aber Sprache zählt. Es geht darum, wie wir unseren Respekt untereinander deutlich machen."

500-seitiger Gesetzesentwurf

Fast jeder zweite US-Bundesstaat hat ähnliche Initiativen eingeleitet. Minnesota und Florida formulierten Gesetze um. Aber in Washington, wo die Initiative 2006 startete, ist man – pardon: mensch – besonders ambitioniert. Ein 500-seitiger Gesetzentwurf soll demnächst im Senat diskutiert werden.

Recht einfach ist es, die Vokabel "penmanship" (Handschrift) durch "handwriting" zu übersetzen. Aber ist das Problem gelöst, wenn die Menschheitsgeschichte statt mit "man's past" künftig mit "humankind's past" umschrieben wird? Human?! Und was soll nur aus dem Gullyloch werden, das bislang "manhole" heißt?

Die "Ombudsmen", die sich um Beschwerden kümmern, wurden entzipfelt. Entwickelt das nun geschlechtsneutrale "Ombud" Phantomschmerzen, wenn jemand daraus das Anagramm "Dumbo" bildet? Das heißt, natürlich geschlechtsneutral, Blödian.

Zu klären ist auch, wann die "freemen" weichen müssen, die in der Nationalhymne "Star-Spangled Banner" besungen werden. Und, noch einen Schritt weiter gedacht: Wann bekommt im Sinne echter Gleichberechtigung die Freiheitsstatue Hosen und Bartstoppeln?

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