03.02.13

Drohung

Nordkoreas Machthaber will Streitkräfte stärken

Machthaber Kim Jong Un lässt Militär aufrüsten. Auch ein neuer Atomversuch steht offenbar kurz bevor - das sorgt für Entsetzen.

Foto: dapd

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kündigt an, das Militär des kommunistischen Landes weiter aufzurüsten
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kündigt an, das Militär des kommunistischen Landes weiter aufzurüsten

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat nach Berichten der Staatsmedien "Richtlinien" für die Stärkung der Streitkräfte und zur Verteidigung des Landes ausgegeben. Kim habe die Anweisungen in einer "wichtigen" Abschlussrede zu einem erweiterten Treffen der zentralen Militärkommission der Arbeiterpartei getroffen, berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Neben organisatorischen Fragen habe der Ausbau der militärischen Kapazitäten im Mittelpunkt gestanden.

Nordkorea hält mit seinen Drohungen die Welt in Atem. Insbesondere die Ankündigung des kommunistischen Landes im Januar, neben weiteren Raketentests auch einen neuen Atomversuch zu unternehmen, sorgte in der Region und darüber hinaus für große Sorge. Nordkorea protestierte damit gegen die Ausweitung von UN-Sanktionen wegen seines umstrittenen Raketenstarts im Dezember. Zuletzt gab es in Südkorea fast täglich Berichte über verstärkte Aktivitäten auf dem ausgedehnten Testgelände Punggye-ri in einem Bergmassiv im Nordosten des Nachbarlandes. Danach könnte der Test kurz bevorstehen. Doch weiß das außerhalb Pjöngjangs niemand genau.

Satellitenbilder zeigen Bereitschaftsstatus

Berichte über ungewöhnliche Vorgänge in Punggye-ri gibt es schon seit Wochen. Die Analyse von neuen Satellitenbildern vom 23. Januar zeigten, dass das "Gelände in einem ständigen Bereitschaftsstatus zu sein scheint", heißt es auf der Website "38 North" des US-Korea-Instituts an der Johns-Hopkins-Universität. Der Test könnte in wenigen Wochen oder sogar früher erfolgen, sobald die Führung in Pjöngjang den Befehl dazu erteile. Diese Einschätzung teilt auch die südkoreanische Regierung.

Am Freitag berichteten südkoreanische Medien, ein Tunneleingang in Punggye-ri sei mit einem großen "Tarnnetz" verdeckt worden. Die Testvorbereitungen sollen anscheinend vor äußeren Einblicken geschützt werden, wurde ein Geheimdienst-Informant zitiert. Gestützt werden die Spekulationen um einen kurz bevorstehenden Test von Berichten aus Nordkorea über "wichtige" Entscheidungen durch Nordkoreas jungen Machthaber Kim Jong Un.

Doch war es für Südkorea ohnehin schon vor der Ankündigung Nordkoreas im Januar keine Frage mehr, ob, sondern nur noch, wann ein neuer Atomtest nach 2006 und 2009 erfolgt. Erklärtes Ziel Pjöngjangs ist es, eine Atomstreitkraft als Abschreckung aufzubauen. Dafür bedarf es Tests von Raketen und atomaren Sprengladungen.

Nordkorea schrecken neue Sanktionen nicht

Das verarmte, aber hochgerüstete Land scheint bereit, auch den politischen Preis dafür in Form von weiteren Sanktionen zu zahlen. "Das Regime geht davon aus, diese Härten aushalten zu können", meint Park Young Ho vom staatlichen Korea-Institut für Nationale Vereinigung in Seoul. Nordkorea nehme äußerste Risiken in Kauf. "Nordkorea glaubt, einen Vorteil gegenüber den USA erringen zu können."

Bei aller Kritik erhofft man sich von einem neuen Atomtest auch Aufschlüsse über den Fortschritt der nordkoreanischen Waffentechnik. "Es ist klar, dass es jetzt die Erwartung gibt, dass dieser Test (...) Daten hervorbringt, die wir nicht hatten", zitierte die "New York Times" den Direktor für Asien-Fragen im Nationalen Sicherheitsrat unter dem früheren US-Präsidenten George W. Bush, Michael Green. "Wir wissen viel über ihre Programme, doch nichts über den wichtigsten Teil: Wie weit sind sie vorangekommen?" Die Angaben Nordkoreas über den Erfolg der ersten beiden Tests werden stark bezweifelt.

Spekulationen über Uran-Sprengsatz

In Südkorea wurde auch spekuliert, Nordkorea könnte diesmal einen Sprengsatz mit hoch angereichertem Uran zünden. Atombomben werden mit Plutonium oder Uran hergestellt. Der US-Atomwaffenexperte Siegfried Hecker, der Nordkorea in den vergangenen Jahren mehrfach besucht und dabei auch Zugang zu einer Anreicherungsanlage erhalten hatte, schätzt, dass Nordkorea über einen Plutoniumbestand für vier bis acht Bomben verfügt. Die Plutonium-Produktion wurde jedoch eingestellt.

Quelle: dpa/seg
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