02.02.13

Gewaltwelle

Hadiya starb kurz nach ihrem glücklichsten Tag

Sie war eine Einser-Schülerin und nahm an der Parade zur Amtseinführung von Barack Obama teil. Jetzt ist Hadiya Pendleton tot. Erschossen in Chicago. Die Waffenlobby lässt auch dieses Drama kalt.

Von Uwe Schmitt
Foto: AFP

In Chicago trauern die Menschen um die erschossene Hadiya Pendleton
In Chicago trauern die Menschen um die erschossene Hadiya Pendleton

Amerikas Debatte über strengere Waffengesetze trägt einen neuen Namen: Hadiya Pendleton, 15, starb am vergangenen Dienstag einen entsetzlich zufälligen Tod, als ein Schütze sie und einige Freunde in einem Unwetter mit einer verfeindeten Gang verwechselte.

Nathaniel und Cleopatra Pendleton, den Eltern des Mädchens, blieb nur die Hoffnung, dass der Tod nicht sinnlos bleiben möge. Eine lächelnde Hadiya und das von Lähmungen gezeichnete Antlitz Gabrielle Giffords, der vor zwei Jahren in den Kopf geschossen wurde und die vor ihren früheren Kollegen im Kongress aussagte, geben dem Streit über das mörderische Faible der Amerikaner für Schusswaffen ihre Gesichter.

"Zu viele Kinder sterben", las Gifford mit bebender Stimme vor. Niemand kann das bestreiten. Der Totschlag an Hadiya war der 42. in Chicago – seit Jahresbeginn.

Einser-Schülerin und Tanzmajorin

Die Kugel traf ein aufblühendes schwarzes Mädchen, das alles richtig gemacht hatte in seinem Leben, in einem Park in der South Side, keine zwei Kilometer vom Haus der Obamas entfernt.

Hadiya war Einser-Schülerin und Tanzmajorin in der Marching Band der Schule; eine Woche vor ihrem Tod hatte sie an der Parade zur Amtseinführung Obamas teilgenommen.

Es war "ihr glücklichster Tag", zitierte Dick Durbin, Senator von Illinois, die Eltern des Mädchens bei der Anhörung zu den Waffengesetzen. Die Obamas kondolierten der Familie.

Keine Betroffenheit bei der NRA

Durbin schaffte es weder bei den Spitzenfunktionären des Schützenbunds "National Rifle Association" (NRA) noch bei anderen Waffennarren Betroffenheit zu erzeugen, die erklärten, dass ihnen dieses Verfassungsrecht vor dem Recht der Kinder auf Leben geht.

Nicht Waffen, Kriminelle töten, lautet ihr Mantra. Gegen Kriminelle können sich anständige Bürger nur mit mehr Waffen wehren. Diese Bürger etwa durch die Einführung einer Bundeskartei für Waffenbesitzer zu stören, werde die NRA nicht dulden.

Mit dem ruinierten Leben von Gabrielle Gifford und dem Tod von Hadiya hat sie aus ihrer Sicht so wenig zu tun wie die Autoindustrie mit Unfalltoten.

Belohnung verdoppelt

Noch ist der Täter in Chicago nicht gefasst, die ausgelobte Belohnung wurde auf 24.000 Dollar verdoppelt. Das Schlaglicht richtet sich auf die Gewalt in jäh verarmten Großstädten wie Detroit und Las Vegas, wo Mord und Totschlag seit der Rezession um 30 bis 60 Prozent anstiegen.

Während im wohlhabenden New York die Rate für Gewaltverbrechen zurückging, erlitt Chicago, die Metropole mit den strengsten Waffengesetzen, 2012 einen Rekord mit 506 Toten.

Die Jugendgangs der Stadt werden für ihre Straßenkriege aus dem Umland und den Nachbarstaaten Illinois und Mississippi mit Waffen versorgt. In Chicago selbst gibt es kein einziges Waffengeschäft. Für die NRA bedeutet das: Kontrollen bringen nichts als die Entwaffnung der rechtschaffenen Bürger.

Nationale Kartei könnte weiterführen

Für ihre Gegner, darunter Gabrielle Gifford und ihren Mann, beide bekennende Waffenbesitzer, ist es der Beweis, dass nur eine nationale Kartei mit Führungszeugnissen weiterführt.

Dafür lässt sich im Kongress eventuell sogar eine Mehrheit finden. Denn die Umfragen sind eindeutig: Neun von zehn Amerikanern und acht von zehn Waffenbesitzern befürworten eine genaue Überprüfung der Käufer.

Bisher existieren jedoch viele Gesetzeslücken. So können bei "gun shows" Waffen ohne Kontrolle den Besitzer wechseln. Amerika ist einer Zügelung seiner Besessenheit so nah wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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