01.02.13

Türkei

Mindestens zwei Tote bei Anschlag auf US-Botschaft

Vor der US-Botschaft in Ankara hat sich ein Attentäter in die Luft gesprengt und mindestens einen Menschen mit in den Tod gerissen.

Foto: AFP

Der Attentäter sprengte sich vor dem Wachraum der US-Botschaft in Ankara in die Luft
Der Attentäter sprengte sich vor dem Wachraum der US-Botschaft in Ankara in die Luft

Bei einem Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara sind zwei Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Außerdem kam nach Angaben der Behörden ein türkischer Wachposten ums Leben. Drei Menschen wurden verletzt. Der Angreifer drang demnach am Freitag in die Botschaft über einen Seiteneingang ein und zündete im Inneren des Gebäudes seinen Sprengsatz.

US-Botschafter Francis Ricciardone trat kurz nach dem Anschlag begleitet von Sicherheitskräften aus dem Haupteingang vor Journalisten und bestätigte, dass einer der türkischen Wachleute ums Leben kam. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Das türkische Innenministerium erklärte, der Attentäter sei vermutlich ein türkischer Staatsbürger gewesen. Das Staatsfernsehen meldete, der Attentäter sei womöglich Mitglied einer linksradikalen Gruppierung gewesen.

In dem Gebäude, in dem der Attentäter seinen Sprengsatz zündete, werden Besucher der US-Botschaft von Wachleuten kontrolliert. Den Ermittlungen zufolge war der Mann bis unmittelbar in die Sicherheitsschleuse gelangt. Durch die Wucht der Explosion wurde der Stahlrahmen einer Sicherheitstür aus der Außenwand des Gebäudes gerissen. Mit dem Attentäter starb auch ein Wachmann.

Die US-Diplomaten auf dem Gelände sollen sich zeitweise in Schutzräume zurückgezogen haben. Das Hauptgebäude der Botschaft blieb unbeschädigt.

Behörden fürchteten zunächst weiteren Anschlag

Die türkischen Behörden schickten zahlreiche Rettungswagen und Feuerwehrleute zum Tatort. Die Polizei hatte auch einen Hubschrauber im Einsatz. Sie sperrte das Gelände weiträumig ab. Medienberichten zufolge befürchteten die Behörden, dass ein möglicher zweiter Anschlag verübt werden könnte.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Tat scharf. Er forderte zu Einigkeit und zum weltweiten gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus auf. Sein Land werde niemals in die Knie gehen, sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Vizepräsident Joe Biden verurteilten den Anschlag ebenfalls. Merkel sagte zu Beginn eines Treffens mit Biden im Kanzleramt, sie habe von dem neuen Anschlag in Ankara "mit Bestürzung" erfahren. Biden verwies darauf, dass es zwischen den USA und Deutschland bereits seit mehreren Jahren eine "sehr enge Zusammenarbeit gegen den Terrorismus" gebe.

Nach dem Anschlag war zunächst der Verdacht aufgekommen, die Tat könne mit dem von den USA geführten Kampf gegen Terrorgruppen in Zusammenhang stehen und von Islamisten verübt worden sein. Vor dem Anschlag auf die Botschaft hatte die türkische Tageszeitung "Milliyet" von der Festnahme eines Schwiegersohns des 2011 getöteten Al-Kaida-Anführers Osama bin Laden in Ankara berichtet. Türkische Geheimdienstler hätten ihn in Ankara gefasst. Der mit einem gefälschten Pass aus dem Iran in die Türkei eingereiste Mann sei nach einem Hinweis aus den USA in einem Hotel festgenommen worden. Die USA hätten seine Auslieferung beantragt, was die Türkei aber able

Zahlreiche Gruppen haben Anschläge in Türkei verübt

In Ankara berichtete der Inhaber eines etwa 100 Meter entfernten Reisebüros von einer gewaltigen Explosion. "Am Boden lag etwas, das wie ein Leichenteil aussah." Ein weiterer Zeuge sagte, die Detonation sei eineinhalb Kilometer entfernt zu hören gewesen. Das US-Außenministerium teilte mit, gemeinsam mit der türkischen Polizei den Vorfall zu untersuchen.

In der Türkei haben zahlreiche Gruppen in den vergangenen Jahren Anschläge verübt, darunter Islamisten, links- und rechtsradikale Gruppen und kurdische Separatisten. Als eine der gefährlichsten Gruppen wird die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK gesehen, die von den USA, der Europäischen Union und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Allerdings konzentriert sie sich auf türkische Ziele.

Die Türkei ist einer der Staaten, die sich für ein internationales Eingreifen im benachbarten Syrien ausgesprochen haben, wo Präsident Baschar al-Assad seit fast zwei Jahren versucht, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Tausende syrische Flüchtlinge harren in der Türkei aus, die bereits mehrfach von syrischem Gebiet aus beschossen wurde. Die USA, Deutschland und die Niederlande haben zum Schutz ihres Nato-Partners an der Grenze zu Syrien Abwehrraketen in Stellung gebracht.

Auslandsvertretungen der USA wurden bereits häufiger Ziel von Angriffen, etwa im September vergangenen Jahres im ostlibyschen Bengasi, wo der US-Botschafter und drei andere Amerikaner getötet wurden, als Extremisten das dortige Konsulat stürmten. 1998 starben Hunderte bei Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania.

Quelle: BM/alu
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
U.S. President Barack Obama and First Lady Michelle wave as they board Air Force One to depart from Berlin
19.06.13Minutenprotokoll
Obama in Berlin – Bye Bye, Mr. President

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia haben in Berlin ein eng getaktetes Programm absolviert. Der Tag der Obamas im Minutenprotokoll. mehr...


Joachim Sauer zeigt Malia (l.) und Sasha sowie Michelle (r.) und Auma Obama die Mauergedenkstätte. Er habe viele Geschichten erzählt, heißt es später
07:24"Sonderprogramm"
Joachim Sauer erklärt der First Family die Hauptstadt

Michelle Obama und ihre beiden Töchter Malia und Sasha haben mit Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer Holocaust-Mahnmal, "Mauerpanorama" und Bernauer Straße in Berlin-Mitte besucht. mehr...


Zwei Linkshänder mit Humor: US-Präsident Barack Obama und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Brandenburger Tor in Berlin
07:31Obama in Berlin
Was Klaus Wowereit und Barack Obama gemein haben

Berlins Regierender Bürgermeister findet auf dem Podium am Brandenburger Tor einen lockeren Umgangston mit US-Präsident Barack Obama. Die beiden verbindet eine Gemeinsamkeit aus ihrer Jugend. mehr...


„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama
19.06.13Häme bei Twitter
"Die kleine Angela möchte aus #neuland abgeholt werden"

Mit einer Bemerkung über das Internet zog Kanzlerin Merkel im Netz viel Spott auf sich. In Sekundenschnelle wurde "#Neuland" zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote