31.01.13

Syrien

Dichter Nebel um vermeintlichen Angriff Israels

Noch herrscht Unklarheit über den angeblichen Angriff Israels auf syrischem Gebiet. Womöglich ging es darum, einen Transport russischer Luftabwehrraketen an die Hisbollah-Terroristen zu verhindern.

Von Michael Borgstede
Quelle: Reuters
31.01.13 0:51 min.
Israelische Kampfflugzeuge haben nach Angaben des syrischen Militärs in der Provinz Damaskus ein militärisches Forschungszentrum angegriffen. Zwei Menschen seien getötet und fünf verletzt worden.

Der Nebel um die Geschehnisse an der syrisch-libanesischen Grenze in der Nacht zum Mittwoch lichtet sich nur sehr langsam. Zunächst hatten westliche Diplomaten und Sicherheitsleute von einem israelischen Luftangriff auf einen Waffenkonvoi berichtet.

Der Verdacht, es könne sich um einen vereitelten Versuch des bedrängten syrischen Regimes gehandelt haben, Chemiewaffen an die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah zu liefern, erhärtete sich nicht. Noch besitze die syrische Regierung die Kontrolle über die Chemiewaffen des Landes, wurden israelische und amerikanische Geheimdienstmitarbeiter übereinstimmend in den Medien zitiert.

Der von Israel bisher nicht bestätigte Angriff könne vielmehr einem Transport von SA-17-Luftabwehrraketen russischer Produktion gegolten haben, hieß es bald.

Möglicherweise zwei Angriffe

Das radargesteuerte und mit Feststoff angetriebene System würde für die regelmäßigen Aufklärungsflüge der Israelis im libanesischen Luftraum eine weitaus größere Gefahr darstellen als jene schultergestützten Systeme, die sich längst in den Waffenkellern der Hisbollah befinden.

Weder von der libanesischen noch von der syrischen Regierung wurde dieser Angriff bisher bestätigt.

Möglicherweise hat es aber sogar zwei Angriffe gegeben: Bereits am Mittwochabend hieß es aus Damaskus, die israelischen Flieger hätten ein Forschungslabor außerhalb der syrischen Hauptstadt zerstört. Dabei seien zwei Menschen ums Leben gekommen und fünf weitere verletzt worden.

Hisbollah: "barbarischer Angriff"

Ausgerechnet die Hisbollah scheint nun zu bestätigen, dass es sich bei dem Ziel um eine militärische Forschungsanlage gehandelt hat. In einer auf ihrer Website "al-Manar" veröffentlichen Erklärung gibt die Schiitenorganisation an, Israel habe mit dem "barbarischen Angriff" die Entwicklung "technologischer und militärischer Fähigkeiten" in der arabischen Welt hemmen wollen.

Wurden in der Anlage von Dschamraja möglicherweise Chemiewaffen hergestellt oder gelagert? Israel hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass es weder einen Einsatz noch die Weitergabe der syrischen Chemiewaffen tatenlos hinnehmen werde.

Gerieten die Waffen in die Hände der Hisbollah, wäre das für Israel ein "casus belli", hatte der damalige Außenminister Awigdor Lieberman schon im Juni 2012 gesagt.

Israelischer Angriff durchaus denkbar

In der Gegend des Forschungszentrums liefern sich Regierungstruppen Kämpfe mit Aufständischen. Es ist deshalb durchaus denkbar, dass Israel nicht das Risiko eingehen wollte, die unkonventionellen Waffen in die falschen Hände geraten zu lassen.

Neben der Hisbollah und dem syrischen Regime kritisierten auch die Arabische Liga und Russland das israelische Vorgehen scharf. Man sei "sehr besorgt" über die Situation, hieß es in Moskau. Sollten sich die Gerüchte bestätigen, habe man es mit "nicht provozierten Angriffen auf einen souveränen Staat zu tun".

Damit hätte Israel in "nicht akzeptablem" Ausmaß gegen die Charta der Vereinten Nationen verstoßen, lautete eine Erklärung aus dem russischen Außenministerium.

Westerwelle: "keine gesicherten Erkenntnisse"

Weder die USA noch andere westliche Staaten wollten sich zu dem Vorfall offiziell äußern. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, man habe noch "keine gesicherten Erkenntnisse".

Sein britischer Amtskollege William Hague versicherte ebenfalls, er verfüge über "keine zusätzlichen Informationen" und verwies allgemein auf die "großen Gefahren", die vom Syrien-Konflikt ausgingen. Auch ein amerikanischer Pressesprecher verwies die fragenden Journalisten an die israelische Regierung.

Die "New York Times" berichtete aber, Regierungsmitarbeiter hätten ihr die Angriffe bestätigt. Israel habe die US-Regierung zuvor informiert, berichtete die Zeitung.

Die Webseite "al-Monitor" hatte zuvor berichtet, der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Generalmajor Avi Kochavi, sei einen Tag vor dem Angriff zu Konsultationen nach Washington gereist. Gleichzeitig soll Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinen nationalen Sicherheitsberater Jaakov Amidror nach Moskau geschickt haben.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Champions League „Das war für Rom eine Katastrophe“
Verhaftet vom Regime Nordkorea lässt US-Bürger frei
Champions League Dortmund lechzt nach einem Erfolgserlebnis
Unglück in Moskau Total-Chef stirbt bei Kollision mit Schneepflug
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großbritannien

Ein Hauch von Bauch – Auftritt von schwangerer…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote