29.01.13

Nordkorea-Karte

Was Google Maps den Betrachtern vorenthält

Google Maps bietet erstmals eine Karte von Nordkorea. Doch die ist nicht annähernd so aktuell oder detailliert wie andere Dienste. So fehlt etwa das Gelände, auf dem vermutlich Atomtests stattfinden.

Von Torsten Krauel
Foto: AFP

Auf der Nordkorea-Karte von Google Maps fehlen wichtige Einzelheiten
Auf der Nordkorea-Karte von Google Maps fehlen wichtige Einzelheiten

Manchmal überrascht Google durch – Rückschritt. Die neue Nordkorea-Karte in seinem Dienst Google Maps zeigt zwar dankenswerterweise viele Straßennamen in der Hauptstadt Pjöngjang an. Es kommt aber noch nicht entfernt an den Detailreichtum heran, den der interaktive Kartendienst Wikimapia oder eine Datensammlung wie "North Korea Uncovered" für den Schwesterdienst Google Earth des amerikanischen Bloggers Curtis Melvin seit Jahren bieten.

Melvins Blog wurde bereits zum Ziel mehrerer Hackerangriffe, die vermutlich von Nordkorea ausgingen. Das paranoide Regime hat aus seiner Sicht dazu auch einigen Grund gehabt.

Denn Melvin zeigt nicht wie Google Maps zumeist nur allgemein bekannte Institutionen in der Hauptstadt Pjöngjang und graue Umrisse einiger weniger "Erziehungslager" oder des Atomforschungszentrums Jongbyon an.

Bei ihm sind sämtliche bekannten Lager in allen Einzelheiten dargestellt, so weit sie zum Beispiel durch nordkoreanische Flüchtlinge und Überläufer als halbwegs gesicherte Fakten angesehen werden können. Sträflingsquartiere, Wachkommando-Kasernen, Bergwerke, Verhörgebäude sind dort präzise verzeichnet.

Melvins Blog ist auch aktueller als Google Maps. Er hat vor einer Woche auf neuen Satellitenfotos ausgerechnet bei Google Earth festgestellt, dass das Lager Nr. 14 nahe der Stadt Kaechon irgendwann zwischen 2006 und 2011 erweitert wurde. Der mit Gräben, Elektrozaun und möglicherweise Minen gesicherte Erweiterungsabschnitt ist auf wikimapia bereits eingetragen. Bei Google Maps fehlt er.

Es fehlen dort auch weitere Angaben, die bei den anderen Diensten verfügbar sind. Die Lage aller Paläste des Kim-Clans, die präzise Beschreibung des Atomforschungszentrums mitsamt dem durch Inspektoren verifizierten wahrscheinlichen Verwendungszweck der Gebäude dort, die Positionen der nordkoreanischen Luftabwehrbatterien oder auch die Lage etlicher nordkoreanischer Straßenmärkte, Brauereien, Tempelanlagen, Handy-Funkmasten und Königsgräber – solche und andere Informationen aus dem verbotenen Land muss Google Maps noch nachtragen, wenn es wettbewerbsfähig sein möchte.

Den kleinen Golfplatz vor dem Devisenhotel Yanggakdo zeigt es als noch existent an. Er wird aber bereits seit einigen Monaten mit einem Gebäude in Form einer Thunfischdose überbaut, wie Google Earth erkennen lässt.

Nukleares Testgelände fehlt

Obwohl viel über eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Öffnung des Landes spekuliert wird, steht Nordkorea derzeit doch wegen eines womöglich unmittelbar bevorstehenden dritten Atomtests im Mittelpunkt des Interesses. Das nukleare Testgelände neben dem Erziehungslager Hwasong fehlt bei Google Maps völlig. Die Konkurrenz hat es immerhin verzeichnet, obwohl Details wie die wahrscheinlichen Mündungen der Test-Tunnels dort ebenfalls nicht markiert sind.

Gefürchtet sind neben der Atomrüstung auch die Elitekommandos der nordkoreanischen Armee, die als Fallschirmjäger oder Froschmänner wichtige Punkte in Südkorea ausschalten sollen und in den vergangenen beiden Jahren stetig näher an Südkorea verlegt worden sind. Gefürchtet sind ebenso die schweren Raketenwerfer, die vor Seoul entlang der Grenze in weitläufigen Bunkern verschanzt werden und deren Zahl ebenfalls permanent wächst.

Entweder zum 60. Jahrestag des Waffenstillstands von Panmunjom am 27. Juli oder zum 65. Jahrestag der Staatsgründung am 9. September wird Nordkorea wahrscheinlich ein neues Modell vorführen – eine Variante des schwersten russischen Werfers "Smertsch", den auch die Chinesen nachbauen, aber mit einer von Pjöngjang auf fast 300 Kilometer gesteigerten Reichweite. Mit dieser Reichweite kann Kim das neue US-Hauptquartier gleich wieder unter Beschuss nehmen, das auch wegen der steten nordkoreanischen Bedrohung derzeit aus dem Stadtzentrum Seouls an einen Ort 250 Kilometer weiter südlich verlegt wird.

Google Maps muss sich anstrengen

Die aktuellen Stationierungsorte dieser Kommandos und schweren Waffen werden Internetnutzer demnächst in einer neuen Version von Melvins "North Korea Uncovered" ebenso betrachten können wie die genaue Lage des äußerlich relativ unauffälligen neuen Hightech-Hauptquartiers der nordkoreanischen Luftabwehr – ein Geheimnis, das nach dem Besuch einer Militärdelegation aus Myanmar vor nicht langer Zeit seinen Weg ins Netz gefunden hat.

Wer Kim Jong-uns militärische Mittel und Möglichkeiten zusätzlich im Detail studieren möchte, kann die Datensammlung eines Amerikaners hinzuziehen, der unter dem nom de guerre "planeman" seine offenkundig professionellen Kenntnisse anbietet. Google Maps muss sich anstrengen, wenn es angesichts solcher Konkurrenz als Informationsdienst zu Nordkorea reüssieren möchte.

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