28.01.13

Israel

Ärzte messen überraschend Hirnaktivität bei Scharon

Seit sieben Jahren liegt der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon im künstlichen Koma. Jetzt haben die Ärzte eine "signifikante Gehirnaktivität" entdeckt – und sind selbst überrascht.

Foto: picture-alliance/ dpa

Israels ehemaliger Ministerpräsident Ariel Scharon im Jahr 2005
Israels ehemaliger Ministerpräsident Ariel Scharon im Jahr 2005

Seit sieben Jahren ist Ariel Scharon nun schon nicht mehr aufgewacht. Nach zwei Schlaganfällen und schweren Hirnblutungen wurde er im Januar 2006 mehrfach operiert. Doch aus dem künstlichen Koma kehrte der damalige israelische Ministerpräsident nicht mehr zurück.

Scharon ist heute 84 Jahre alt, er liegt in einem Krankenhaus in Tel Aviv. Seine beiden Söhne besuchen ihn regelmäßig: Sie spielen ihm klassische Musik vor, lesen für ihn aus Büchern und bringen von Zeit zu Zeit eine Portion Schoarma mit, damit ihr Vater sich an dem fettigen Fleischgeruch erfreut. Ob Ariel Scharon von alledem etwas mitbekommt, war dabei vollkommen unklar. Jetzt gibt es zumindest ermutigende Zeichen.

Nach einer Magnetresonanztomografie konnten Ärzte der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba gemeinsam mit dem amerikanischen Hirnforscher Martin Monti zu ihrer eigenen Überraschung eine "signifikante Gehirnaktivität" bei dem ehemaligen Regierungschef nachweisen, die darauf hindeute, dass Scharon die Stimuli angemessen verarbeite.

Während der zweistündigen Scan-Untersuchung wurden dem ehemaligen Regierungschef Fotos seiner Familienmitglieder gezeigt, und die Ärzte spielten ihm eine Aufnahme mit der Stimme seines Sohnes Gilad vor, um zu überprüfen, inwieweit Scharons Gehirn auf die Stimulation reagiert.

Für die Söhne gab es kaum einen Zweifel

"Wir waren überrascht, dass in den angemessenen Bereichen des Gehirns eine Aktivität nachgewiesen werden konnte", sagte ein Mitglied des Ärzteteams, der Neurologe Professor Alon Friedman, der "New York Times". Die Chancen, dass Scharon seine Umgebung höre und verstehen könne, seien damit gestiegen – es gebe auch nach eingehenden Untersuchungen in der Frage aber keine Sicherheit. "Die Untersuchung hat das nicht bewiesen", stellte Friedman klar.

In einer Pressemitteilung der Ben-Gurion-Universität heißt es dann auch, die Informationen aus der externen Welt würden zwar in die dafür zuständigen Bereiche von Scharons Gehirn übertragen, es gebe allerdings keinen Beleg dafür, dass Scharon die Informationen bewusst wahrnehme.

Für die Söhne gab es in der Frage sowieso kaum einen Zweifel: Gilad Scharon hatte im Oktober 2011 deutlich gemacht, er sei davon überzeugt, dass sein Vater auf die Außenwelt reagiere. Er sei sicher, Scharon höre ihn: "Wenn er wach ist, schaut er mich an und bewegt seine Finger, wenn ich ihn darum bitte."

"Keinerlei Bedeutung für die Zukunft"

Professor Friedman sieht das nüchterner. Es bestehe eine "kleine Chance", dass Scharon bei Bewusstsein sei, sagte er. Man wisse es einfach nicht.

Die Ergebnisse hätten auch "keinerlei Bedeutung für die Zukunft", stellte er klar und wollte damit wohl Erwartungen entgegentreten, Scharon befinde sich auf dem Weg der Besserung und könne das Bewusstsein zurückerlangen. Damit rechnet in Israel heute kaum noch jemand: Ariel Scharon ist heute ein sehr seltenes Thema in den Nachrichten geworden.

Der ehemalige General war von 2001 bis 2006 Israels Regierungschef. Als Hardliner angetreten, war Scharon doch ein Pragmatiker und schien gegen Ende seiner Amtszeit eine politische Wandlung durchgemacht zu haben. Gegen den Widerstand großer Teile seiner Likud-Partei setzte er den einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen durch.

Als die Konflikte in seiner Partei die Regierungsgeschäfte unmöglich zu machen drohten, verließ er kurzerhand den Likud und gründete die Kadima-Partei. Sechs Jahre danach sitzt einer von Scharons damals entschiedensten Gegnern im Büro des Ministerpräsidenten: Benjamin Netanjahu.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Stundenlang hatte ein Großaufgebot der Polizei nach dem achtjährigen Mädchen gesucht
15:15Verschwundenes Kind
Fall Sharlyn – Nachbar der Großmutter unter Verdacht

Wende im Fall der vorübergehend verschwundenen achtjährigen Sharlyn: Die Polizei verdächtigt einen Anwohner, das Kind mit in seine Wohnungen genommen zu haben. Der Mann unternahm einen Suizidversuch. mehr...

Two girls stand in rubble after a tornado struck Moore, Oklahoma, May 20, 2013. A 2-mile-wide (3-km-wide) tornado tore through the Oklahoma City suburb of Moore on Monday, killing at least 51 people while destroying entire tracts of homes, piling cars atop one another, and trapping two dozen school children beneath rubble. REUTERS/Gene Blevins (UNITED STATES - Tags: ENVIRONMENT DISASTER)
15:50Tornado
Das Sterben der Kinder von Oklahoma im entfesselten Sturm

Mindestens 24 Tote forderte ein drei Kilometer breiter Tornado in Oklahoma. Zwei Grundschulen wurden zu Todesfallen für 20 Kinder. Dabei meinten es die Lehrer nur gut, als sie die Kleinen da behielten… mehr...


Herthas Maik Franz (l.) und Sami Allagui
15:12Vereinsfinanzen
Hertha BSC bekommt so viel Geld aus TV-Vertrag wie nie zuvor

Hertha BSC plant für die Bundesliga mit einem deutlich gestiegenen Etat von 69 Millionen Euro. Ablösepflichtige Profis können nur verpflichtet werden, wenn im Gegenzug Geld für Abgänge reinkommt. mehr...


Vor Geschäftsstelle der BVG protestierten die Beschäftigten für höhere Löhne
14:20Tarifkonflikt
BVG-Mitarbeiter könnten noch heute über Streik entscheiden

Nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen spitzt sich die Tarifrunde bei den Berliner Verkehrsbetrieben zu. Scheitern die Gespräche, will die Gewerkschaft Ver.di umgehend über Warnstreiks beraten. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Tornado in Oklahoma Familie filmt die Zerstörung aus dem Sturmkeller
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados wüten in vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote