27.01.13

Nach Todesurteilen

Ägypten schickt Truppen in Unruhe-Gebiete

Zwei Jahre nach der Revolution droht Ägypten eine neue Gewaltspirale. Nach Verkünden der 21 Todesurteile wegen der Fußballkrawalle 2012 gab es blutige Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten.

Quelle: Reuters
27.01.13 0:55 min.
In mehreren ägyptischen Städten kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Regierung will das Militär in die betroffenen Orte senden und Ausgangssperren verhängen.

Nach 21 Todesurteilen wegen der Fußballkrawalle im ägyptischen Port Said vergangenes Jahr ist die Hafenstadt am Samstag von blutigen Auseinandersetzungen erschüttert worden. Dabei wurden nach Angaben von Rettungskräften mindestens 27 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt.

Am Gerichtsort in Kairo brach dagegen nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der damaligen Krawalle aus.

In Port Said versuchten nach Bekanntwerden des Richterspruchs Angehörige der Verurteilten, deren Gefängnis zu stürmen. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Truppen zum Suez-Kanal geschickt

Ein Armeegeneral erklärte, es seien Truppen in die Hafenstadt an der nördlichen Einfahrt zum Suez-Kanal geschickt worden, um für Ruhe zu sorgen und öffentliche Einrichtungen zu schützen. Später verlautete laut amtlicher Nachrichtenagentur Mena aus Militärkreisen, die Armee habe ihre Sicherheitsmaßnahmen am Suez-Kanal noch verschärft, um eine Behinderung der Schifffahrt auszuschließen.

In Suez am Südende des Kanals versuchten Demonstranten laut Augenzeugen, das Hauptquartier der Polizei zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas sein. Am Freitag waren in der Stadt bei gewaltsamen Protesten anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak acht Menschen getötet worden. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen.

Wegen der Krawalle nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said im Februar 2012 hatten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten müssen, darunter neun Polizisten. Die Urteile gegen weitere Angeklagte sollen am 9. März fallen.

Oppositionbündnis kündigt Boykott an

Die Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt.

Das größte Oppositionbündnis Nationale Heilsfront drohte derweil mit einem Boykott der nächsten Parlamentswahl, sollte die islamistische Regierung nicht eine "umfassende Lösung" für eine Beilegung der politischen Krise finden. Der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz von Staatschef Mohammed Mursi rief zur Ruhe und zu einem nationalen Dialog auf.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, er sehe "mit Sorge", dass es nicht gelinge, "die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen".

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