26.01.13

Ägypten

Mindestens 27 Tote – Heftige Krawalle nach Todesurteilen

Ägyptens Justiz hat nach Fußballkrawallen 21 Todesurteile verhängt. Der Richterspruch löst neue Ausschreitungen aus.

Foto: AFP

Die „Ultra“-Fans von Al Ahli feiern die Todesurteile
Die "Ultra"-Fans von Al Ahli feiern die Todesurteile

Nach Todesurteilen gegen 21 Fußballfans ist die Gewalt in Ägypten weiter eskaliert: Mindestens 27 Menschen kamen am Samstag bei Ausschreitungen ums Leben, rund 400 Personen wurden verletzt. Präsident Mohammed Mursi entsandte Soldaten in die Stadt Suez sowie nach Port Said; dort sollte eventuell auch ein Ausgehverbot verhängt werden. Erst am Tag zuvor hatte es anlässlich des zweiten Jahrestages des Aufstands gegen Ex-Staatschef Husni Mubarak Straßenschlachten gegeben, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen.

Mursi, der seit Ende Juni im Amt ist, traf sich erstmals mit dem Nationalen Verteidigungsrat. Es ging dabei um die Entsendung der Truppen in die zwei Städte, in denen die Gewalt besonders heftig war. Eine geplante Reise nach Äthiopien sagte er ab.

Zuvor hatte ein Gericht im Zusammenhang mit der blutigen Fußballtragödie in Port Said vor einem Jahr 21 der 73 Angeklagten zum Tode verurteilt. Damals waren bei Zusammenstößen zwischen Anhängern der Vereine Al Masri und Al Ahli im Stadion der Stadt mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. In den darauf folgenden Tagen wurden bei Unruhen im ganzen Land weitere Menschen getötet.

Randale vor dem Gefängnis der Verurteilten

Unmittelbar nach dem Richterspruch vom Samstag eskalierte erneut die Gewalt. Aufgebrachte Verwandte der Verurteilten und andere Demonstranten randalierten vor einem Gefängnis der Hafenstadt und forderten die Freilassung der Häftlinge. Dabei wurden zwei Polizisten erschossen. Die Sicherheitskräfte setzten ihrerseits scharfe Munition, Gummigeschosse und Tränengas ein, wie aus ihren Reihen verlautete. Dabei wurden 14 weitere Menschen getötet. An anderen Orten in Port Said stürmten Demonstranten das Büro des örtlichen Gouverneurs, Polizeistationen, ein Elektrizitätswerk und ein Gerichtsgebäude.

Die Todesurteile werden nun, wie in Ägypten üblich, dem Großmufti des Landes zur Bestätigung vorgelegt. Die Angeklagten selbst waren bei der Urteilsverkündung aus Sicherheitsgründen nicht im Saal. Sie haben das Recht auf Einspruch. Das Urteil für die übrigen Beschuldigten soll am 9. März verkündet werden.

Opposition droht mit Boykott der Parlamentswahl

Die oppositionelle Nationale Heilsfront erhob derweil schwere Vorwürfe gegen Mursi. Der Staatschef sei "für die übermäßige Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten" verantwortlich, hieß es am Samstag in einer Stellungnahme. Die größte Oppositionsgruppe drohte zudem mit einem Boykott der bevorstehenden Parlamentswahlen, sollte Mursi nicht ihre Forderungen wie eine Änderung bestimmter Artikel der islamistisch gefärbten Verfassung erfüllen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte besorgt auf die neue Gewaltwelle. Deutschland sei bereit, den langen und auch schwierigen Transformationsprozess in Ägypten tatkräftig zu unterstützen, sagte er in Berlin. "Der Besuch von Präsident (Mohammed) Mursi in Berlin in wenigen Tagen ist eine sehr gute Gelegenheit, darüber intensiv zu beraten."

Quelle: dpad/AFP/ap
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die zuletzt noch vom Veranstalter erhofften 30.000 Zuschauer waren es nicht auf der Fanmeile, aber...
07:38Finale
Fußballfans in Berlin feiern den Champions-League-Abend

Kneipen mussten wegen Überfüllung schließen, und trotz Dauerregens standen einige Tausend auf der Fanmeile: Berlin hat das Champions-League-Finale zwischen Dortmund und Bayern ausgiebig gefeiert. mehr...

Borussia Dortmund - FC Bayern München
25.05.13Champions League
Arjen Robben schießt die Bayern auf Europas Thron

Es war ein würdiges, hochklassiges und spannendes Champions-League-Finale mit einem verdienten Sieger. In der 89. Minute erzielte Arjen Robben des erlösende 2:1 für den FC Bayern gegen den BVB. mehr...


Jupp Heynckes und Jürgen Klopp zeigen, wie man richtig führt
00:33Kommentar
Die wahren Stars dieses besonderen Champions-League-Abends

Fußball ist die letzte Bastion des Darwinismus. In einer überwaldorften Welt setzt sich hier noch immer der Stärkere durch: Jürgen Klopp und Jupp Heynckes sind beide Gewinner dieses Systems. mehr...


Natalie Dawn spielt am Sonntagabend im Privatclub
25.05.13Tagesvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonntag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 26. Mai. mehr...

Leser-Kommentare 1 Kommentar
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Anschlagswarnung Erhöhte Sicherheitskontrollen vor Finale
Randale Erneut Krawalle in Schweden – Schulen brennen
London-Stansted Kampfjets eskortieren Flugzeug – Terrorverdacht
Washington Brücke in USA eingestürzt
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fanfest

Berlins Fanmeile Champions-League-Finale

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote