26.01.13

Kairo

21 Todesurteile nach Fußballkrawallen in Ägypten

Ein Jahr nach den tödlichen Krawallen von Port Said werden 21 Täter zum Tode verurteilt. Das Urteil löst in Ägypten blutige Tumulte aus: Dutzende Menschen kommen ums Leben.

Quelle: Reuters
26.01.13 1:12 min.
Ein Jahr nach der Massenpanik in einem Fußballstadion mit vielen Opfern hat das Gericht nun die Strafen ausgesprochen und verhängte 21 Todesurteile. Die richterliche Erklärung wurde im TV übertragen.

Ein Jahr nach den blutigen Ausschreitungen im Fußballstadion von Port Said sind 21 Beteiligte von einem ägyptischen Gericht zum Tode verurteilt worden. Das Urteil für die 52 übrigen Angeklagten werde am 9. März verkündet, sagte Richter Sobhi Abdel Maguid am Samstag bei seiner live im Fernsehen übertragenen Erklärung.

Angehörige der Opfer im Gerichtssaal reagierten mit Freudenschreien. Die Todesurteile werden nun, wie in Ägypten üblich, dem Großmufti des Landes zur Bestätigung vorgelegt. Unter den verbleibenden Angeklagten sind auch neun Sicherheitskräfte.

Bei den Zusammenstößen zwischen Anhängern der Vereine al-Masry und al-Ahly im Stadion von Port Said waren am 1. Februar vergangenen Jahres mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden.

In den darauffolgenden Tagen wurden bei Unruhen im ganzen Land weitere Menschen getötet. Nach der weltweit blutigsten Fußballtragödie seit 15 Jahren wurde die restliche Saison abgesagt. Die "Ultra"-Fans von al-Ahly werfen Sicherheitskräften und Fans von al-Masry vor, sich für ihre führende Rolle während der Revolution gerächt zu haben. Für den Fall milder Urteile unterhalb der Todesstrafe hatten sie gewaltsame Proteste und Racheakte angekündigt.

Massenpanik mit Messerstecherei

Nach dem Abpfiff des Spiels im Februar 2012 hatten Fans von al-Masry den Rasen gestürmt und die Anhänger von al-Ahly angegriffen. Die Sicherheitskräfte schalteten daraufhin das Stadionlicht aus. Zu den Notausgängen fliehende Menschen brachen ein geschlossenes Eisentor auf, viele von ihnen wurden totgetrampelt oder erstickten. Überlebende des Dramas berichteten später von einem Albtraumszenario.

Polizisten hätten tatenlos zugesehen, wie Al-Masry-Anhänger im Schutz der Massenpanik mit Messern auf ihre Gegner eingestochen hätten. Angehörige beider Fangruppen glauben, dass Getreue von Ex-Präsident Husni Mubarak die Krawalle bewusst anzettelten.

Menschenmenge will Gefangene befreien

"Diese Polizisten sind Verbrecher", brüllten einige Verwandte der Verstorbenen, bevor der Richter am Samstag Platz genommen hatte. Nach dem Urteilsspruch riefen die Familien der Angehörigen laut "Allahu Akbar!" (Gott ist groß!), einige brachen in Tränen aus und schwenkten Fotos der getöteten jungen Männer, ein Zuschauer fiel in Ohnmacht.

In Port Said eskalierte die Gewalt. Eine wütende Menschenmenge machte sich auf dem Weg zu einem Gefängnis, um die Verurteilten zu befreien. Es kam zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, Tränengas wurde eingesetzt. Augenzeugen zufolge wurde eine Polizeiwache angegriffen. Mindestens 22 Menschen kamen ums Leben, mindestens 200 Menschen wurden verletzt. Die Streitkräfte schickte Verstärkung in die Stadt.

Die Fans in Port Said werfen den Richtern ein politisches Urteil vor. Jüngst hatte die Staatsanwaltschaft neue Beweise eingebracht, die in diesen Richterspruch nicht eingeflossen sind.

Die Angeklagten selbst waren bei der Urteilsverkündung aus Sicherheitsgründen nicht im Saal. Sie haben noch das Recht auf Einspruch.

Quelle: AFP/dapd/dpa/smb
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Joachim Sauer zeigt Malia (l.) und Sasha sowie Michelle (r.) und Auma Obama die Mauergedenkstätte. Er habe viele Geschichten erzählt, heißt es später
07:24"Sonderprogramm"
Joachim Sauer erklärt der First Family die Hauptstadt

Michelle Obama und ihre beiden Töchter Malia und Sasha haben mit Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer Holocaust-Mahnmal, "Mauerpanorama" und Bernauer Straße in Berlin-Mitte besucht. mehr...

Die Schüler des JFK-Gymnasiums
12:08Obama in Berlin
600 Berliner Schüler und ein amerikanischer Präsident

Die Schüler und Lehrer der Kennedy-Schule in Zehlendorf durften den US-Präsidenten am Mittwoch in Berlin hautnah erleben. Schon im Vorfeld war die Aufregung groß. mehr...


Zwei Linkshänder mit Humor: US-Präsident Barack Obama und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Brandenburger Tor in Berlin
07:31Obama in Berlin
Was Klaus Wowereit und Barack Obama gemein haben

Berlins Regierender Bürgermeister findet auf dem Podium am Brandenburger Tor einen lockeren Umgangston mit US-Präsident Barack Obama. Die beiden verbindet eine Gemeinsamkeit aus ihrer Jugend. mehr...


Die Täter flüchteten mit ihrer Beute und zündeten dann in Neukölln das Fluchtfahrzeug an
11:49Explosion
Erst Geldautomat gesprengt, dann Fluchtauto angezündet

Ein Trio hat am Morgen in der Bergmannstraße Alarm in einer Bankfiliale ausgelöst. Wenig später fand man das Fluchtauto am Maybachufer. Es stand in Flammen, von den Tätern fehlt jede Spur. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Multimedia
Ägypten

Protest gegen Fußball-Todesurteile

Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin Präsident Obama verabschiedet sich nach dem Dinner
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Bei 35 Grad

Dirk Nowitzkis 35. Geburtstag in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote