26.01.13

Ägypten

Tote bei Protesten gegen Präsident Mursi

Am zweiten Jahrestag des Volksaufstandes: Ägypter protestieren gegen den neuen Präsidenten Mursi. Die Polizei geht hart gegen die Demonstranten vor. Mehrere Menschen werden getötet, über 400 verletzt.

Foto: dpa

Zum zweiten Jahrestag des Sturzes von Husni Mubarak begehren viele Bewohner des Landes gegen die Politik des aktuellen Präsidenten Mohammed Mursi auf.

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Bei gewaltsamen Protesten gegen Präsident Mohammed Mursi und seine von den Islamisten kontrollierte Regierung sind in Ägypten nach Angaben von Ärzten und Sanitätern mehr als 400 Menschen verletzt worden. Die genaue Anzahl der Todesopfer ist noch unklar. Die Nachrichtenagentur dapd spricht von sieben Toten, dpa vermeldet neun Opfer, offizielle Zahlen gibt es noch nicht.

Im ganzen Land waren am zweiten Jahrestag der Revolution gegen den früheren Präsidenten Husni Mubarak Tausende auf die Straße gegangen. Vielfach kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Mursi rief in der Nacht zum Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter zur Ruhe auf und verurteilte die "abscheuliche Gewalt".

"Ich fordere alle Bürger auf, ihre Meinung im Sinne der noblen Prinzipien der ägyptischen Revolution friedlich und frei auszudrücken", schrieb der Präsident und kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter an.

"Die ägyptischen Behörden werden die Kriminellen jagen und sie vor Gericht bringen", versprach er. Außerdem werde alles getan, "um friedliche Demonstrationen zu sichern und zu schützen". Zugleich drückte Mursi den Opfern der Gewalt sein Mitgefühl aus.

Die schwersten Ausschreitungen gab es am Freitag in Suez. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden neun junge Männer erschossen, als Demonstranten das Gouverneursgebäude in der Kanal-Stadt stürmen wollten. Noch in der Nacht zum Samstag wurden Militäreinheiten mit gepanzerten Fahrzeugen nach Suez verlegt. Der Armee-Einsatz sei nötig geworden, da die Polizei die Kontrolle über die Stadt verloren habe, wurde der Chef der Sicherheitsbehörde von Suez, General Adel Refat, auf der Website des staatlichen Fernsehens zitiert.

Sexuelle Übergriffe auf Frauen

Gewalt auf den Straßen gab es auch in den Metropolen Kairo und Alexandria. Aktivistinnen berichteten zudem von sexuellen Übergriffen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo die zentrale Kundgebung der Opposition stattfand.

In Ismailia am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Parteibüro der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude, wie der TV-Sender al-Arabija berichtete. Am Nachmittag hatten auf dem Tahrir-Platz in Kairo Zehntausende Oppositionelle gegen die regierenden Islamisten demonstriert, denen sie vorwarfen, sie hätten die "Ziele der Revolution des 25. Januar 2011 verraten".

"Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit" riefen Zehntausende von Demonstranten und "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder". Auch rund um den Präsidentenpalast kam es am Abend zu Straßenschlachten, bei denen Steine flogen.

Die Ordnungspolizei setzte Tränengas ein. Staatschef Mohammed Mursi fuhr durch einen Hintereingang in den von Demonstranten belagerten Präsidentenpalast.

Muslimbrüder lassen sich nicht blicken

Während es auf dem Tahrir-Platz relativ friedlich blieb, kam es in zwei Nebenstraßen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Ordnungspolizei und einigen Demonstranten.

Bereits am Vorabend der geplanten Demonstrationen hatte es in der Umgebung des Platzes Gewalt zwischen Polizisten und jungen Regierungsgegnern gegeben, die eine Betonmauer vor dem Regierungsviertel niederreißen wollten. Dabei waren 16 Menschen verletzt worden.

In der Hafenstadt Alexandria setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. Diese bewarfen die Beamten mit Steinen. Gegen die Herrschaft der Muslimbrüder demonstrierten Anhänger von Oppositionsparteien auch in Suez und in der Touristenstadt Luxor. Einige Demonstranten forderten die Todesstrafe für jeden, der Schuld am Tod der Demonstranten bei den Protesten 2011 trage.

Die Muslimbrüder, die Mursi im vergangenen Jahr als ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl nominiert hatten, beteiligten sich nicht an den Protestaktionen. Bei dem ersten "Revolutionsgeburtstag" 2012 waren die Islamisten mit dabei gewesen.

Damals war noch der Militärrat an der Macht, der Mubarak ein Jahr zuvor zum Rücktritt gezwungen hatte. Der Aufstand hatte am 25. Januar 2011 begonnen und 17 Tage später zum Rücktritt Mubaraks geführt.

Neue Ausschreitungen nach Gerichtsurteil?

In Kairo drohen am Samstag neue gewaltsame Proteste. Fußballfans des Hauptstadtclubs al-Ahly kündigten am Freitag Ausschreitungen an, falls bei einem Gerichtstermin zu den tödlichen Krawallen bei einem Auswärtsspiel ihrer Mannschaft vor einem Jahr keine gerechten Urteile gefällt würden.

Nach der Begegnung am 1. Februar 2012 beim Verein al-Masry in Port Said kam es zu Kämpfen zwischen den Anhängern und einer Massenpanik, bei der 74 Menschen starben. Bei anschließenden Straßenkämpfen wurden weitere 16 Menschen getötet.

Viele Fans warfen den Sicherheitskräften vor, die Katastrophe aus Rache angestachelt zu haben, denn die Anhänger spielten eine große Rolle bei der Revolte gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Mubarak.

Eine Parlamentsuntersuchung kam dagegen zu dem Ergebnis, dass die Randale nicht von Anhängern des damals regierenden Militärrats geschürt wurde. Verantwortlich waren demnach die Fans selbst und mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen.

Quelle: dpa/AFP/dapd/mac/sara
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