25.01.13

Nach Online-Petition

Guttenberg-Fans schicken Hass-Mails an Professorin

Mit einer Online-Petition hat Germanistik-Professorin Veronika Fuechtner eine Rede Guttenbergs am US-College Dartmouth verhindert. Das bringt Hunderte Anhänger des Ex-Verteidigungsministers in Rage.

Von Philip Kuhn
Foto: dpa

Wollte in Dartmouth nicht reden: Karl-Theodor zu Guttenberg
Wollte in Dartmouth nicht reden: Karl-Theodor zu Guttenberg

Veronika Fuechtner, Germanistik-Professorin an der US-Eliteuniversität Dartmouth, klagt über einen Shitstorm von Guttenberg-Anhängern. "Leider habe ich Hassmails erhalten", sagte Fuechtner der "Welt".

Fuechtner, die in Berlin und Marburg studierte, wird unter anderem als "Juden-Schlampe" beschimpft. "In manchen Mails wurde auch ich als mediengeil bezeichnet oder als Hexenjägerin tituliert", sagte sie.

Grund für die Wut der Guttenberg-Anhänger ist die von Fuechtner initiierte Online-Petition, mit der sie eine Rede des überführten Plagatiators an der Elite-Schmiede im US-Bundesstaat New Hampshire verhinderte.

Zusammen mit anderen Studenten und Dozenten hatte Fuechtner über 100 Unterschriften gegen den Auftritt des früheren Verteidungsministers gesammelt. Mit Erfolg: Guttenberg sagte die Rede auf Einladung des Wirtschaftsnetzwerks "International Business Council" aus "persönlichen Gründen" ab.

Strenge wissenschaftliche Grundsätze

"Als Teil der Gemeinschaft von Dartmouth protestieren wir gegen die Einladung von Karl-Theodor zu Guttenberg", schrieben die Initiatoren der Petition und verwiesen dabei an die strengen wissenschaftlichen Grundsätze der Universität in Dartmouth, die es erlauben, Plagiatoren der Universität zu verweisen. Jemanden einzuladen, der in so eklatanter Weise gegen wissenschaftliche Grundsätze verstoßen habe wie Guttenberg, sei daher inakzeptabel, heißt es in der Bittschrift.

Ähnlich war es Guttenberg schon einmal ergangen. Im November sollte er an der Elite-Universität Yale über "Mythen der transatlantischen Beziehungen" referieren. Doch der Vortrag wurde zur Demütigung. Deutsche Doktoranden riefen zum Protest für "akademische Integrität" auf. Einige Zuhörer verließen demonstrativ den Saal als Guttenberg anfing zu sprechen.

Der nutzte damals die Gelegenheit, um seinen eigenen Plagiatsfall anzusprechen. Aus akademischer Sicht schäme er sich für das, was er getan habe, zitierte die Universitätszeitung "The Dartmouth" Guttenbergs Yale-Rede. Mit seinem Besuch dort wolle er jedoch der akademischen Gemeinschaft etwas zurückgeben.

Rücktritt vor zwei Jahren

CSU-Mitglied Guttenberg war vor zwei Jahren als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren abgeschrieben hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Die Universität Bayreuth bescheinigte ihm Vorsatz und erkannte ihm den Doktortitel ab. Noch im gleichen Jahr wurde Guttenberg als "angesehener Staatsmann" bei einem Think-Tank, dem Center für Strategic and International Studies (CSIS), engagiert.

Zudem ist er Internetberater der EU-Kommission. Guttenberg sagte jüngst in einem Interview, er werde mit Sicherheit nach Deutschland zurückkehren. "Aber wann das sein wird, und ob das privat oder in irgendeiner Funktion sein wird, das ist vollkommen unabsehbar." Zuletzt hatte CSU-Chef Horst Seehofer ein Comeback Guttenbergs im Oktober 2012 ins Gespräch gebracht.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Sonderabgabe Zukunft des "Soli" spaltet Länderchefs
Ebola Dieses Flugzeug soll Leben retten
Fans besorgt Angelina Jolie hat gesündigt
Per Zufall Bibliothekar findet Shakespeare-Original
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Transport mal anders

Unterwegs per Elektro-Einrad oder schwimmendem Bus

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote