25.01.13

Nach Online-Petition

Guttenberg-Fans schicken Hass-Mails an Professorin

Mit einer Online-Petition hat Germanistik-Professorin Veronika Fuechtner eine Rede Guttenbergs am US-College Dartmouth verhindert. Das bringt Hunderte Anhänger des Ex-Verteidigungsministers in Rage.

Foto: dpa

Wollte in Dartmouth nicht reden: Karl-Theodor zu Guttenberg
Wollte in Dartmouth nicht reden: Karl-Theodor zu Guttenberg

Veronika Fuechtner, Germanistik-Professorin an der US-Eliteuniversität Dartmouth, klagt über einen Shitstorm von Guttenberg-Anhängern. "Leider habe ich Hassmails erhalten", sagte Fuechtner der Berliner Morgenpost.

Fuechtner, die in Berlin und Marburg studierte, wird unter anderem als "Juden-Schlampe" beschimpft. "In manchen Mails wurde auch ich als mediengeil bezeichnet oder als Hexenjägerin tituliert", sagte sie.

Grund für die Wut der Guttenberg-Anhänger ist die von Fuechtner initiierte Online-Petition, mit der sie eine Rede des überführten Plagatiators an der Elite-Schmiede im US-Bundesstaat New Hampshire verhinderte.

Zusammen mit anderen Studenten und Dozenten hatte Fuechtner über 100 Unterschriften gegen den Auftritt des früheren Verteidungsministers gesammelt. Mit Erfolg: Guttenberg sagte die Rede auf Einladung des Wirtschaftsnetzwerks "International Business Council" aus "persönlichen Gründen" ab.

Strenge wissenschaftliche Grundsätze

"Als Teil der Gemeinschaft von Dartmouth protestieren wir gegen die Einladung von Karl-Theodor zu Guttenberg", schrieben die Initiatoren der Petition und verwiesen dabei an die strengen wissenschaftlichen Grundsätze der Universität in Dartmouth, die es erlauben, Plagiatoren der Universität zu verweisen. Jemanden einzuladen, der in so eklatanter Weise gegen wissenschaftliche Grundsätze verstoßen habe wie Guttenberg, sei daher inakzeptabel, heißt es in der Bittschrift.

Ähnlich war es Guttenberg schon einmal ergangen. Im November sollte er an der Elite-Universität Yale über "Mythen der transatlantischen Beziehungen" referieren. Doch der Vortrag wurde zur Demütigung. Deutsche Doktoranden riefen zum Protest für "akademische Integrität" auf. Einige Zuhörer verließen demonstrativ den Saal als Guttenberg anfing zu sprechen.

Der nutzte damals die Gelegenheit, um seinen eigenen Plagiatsfall anzusprechen. Aus akademischer Sicht schäme er sich für das, was er getan habe, zitierte die Universitätszeitung "The Dartmouth" Guttenbergs Yale-Rede. Mit seinem Besuch dort wolle er jedoch der akademischen Gemeinschaft etwas zurückgeben.

Rücktritt vor zwei Jahren

CSU-Mitglied Guttenberg war vor zwei Jahren als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren abgeschrieben hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Die Universität Bayreuth bescheinigte ihm Vorsatz und erkannte ihm den Doktortitel ab. Noch im gleichen Jahr wurde Guttenberg als "angesehener Staatsmann" bei einem Think-Tank, dem Center für Strategic and International Studies (CSIS), engagiert.

Zudem ist er Internetberater der EU-Kommission. Guttenberg sagte jüngst in einem Interview, er werde mit Sicherheit nach Deutschland zurückkehren. "Aber wann das sein wird, und ob das privat oder in irgendeiner Funktion sein wird, das ist vollkommen unabsehbar." Zuletzt hatte CSU-Chef Horst Seehofer ein Comeback Guttenbergs im Oktober 2012 ins Gespräch gebracht.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, ist für ein Verbot von DDR-Symbolen
11:44Hubertus Knabe
"Die Verklärung der SED-Diktatur wird akzeptiert"

Der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen ist einer der stärksten Fürsprecher eines Verbots von DDR-Symbolen. Die Morgenpost sprach mit ihm über verlorene Sensibilität und Merkels Vergangenheit. mehr...

Two girls stand in rubble after a tornado struck Moore, Oklahoma
Aktualisiert vor 14 MinutenTornado
Das Sterben der Kinder von Oklahoma im entfesselten Sturm

Mindestens 91 Tote forderte ein drei Kilometer breiter Tornado in Oklahoma. Zwei Grundschulen wurden zu Todesfallen für 20 Kinder. Dabei meinten es die Lehrer nur gut, als sie die Kleinen dabehielten. mehr...


Hertha-Trainer Jos Luhukay präsentiert samt der Mannschaft die Schale für den Zweitliga-Meister 2013
11:08Gastbeitrag
Hertha-Trainer Luhukay - "Ich bin stolz auf die Mannschaft"

Herthas Aufstiegscoach schreibt exklusiv in der Berliner Morgenpost über sein erstes Jahr in Berlin. Von Geheimtreffen, einem verunsicherten Ramos und einer Pressekonferenz mit einem Puls von 180. mehr...


Stau
11:48Verkehr
Staus auf Brandenburger Autobahnen A10 und A12 nach Unfällen

Fünf Fahrzeuge sind auf der A12 im Kreis Oder-Spree in einen Unfall verwickelt worden. Der Verkehr rollt nur noch über den Standstreifen. Auch auf der A10 gab es einen Unfall. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados wüten in vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote