24.01.13

Siedlungsstrategie

China bringt mit Reihenhäusern Frauen an den Mann

In China macht ein Modell eines Dorfes Furore: Die neue Siedlung auf einer Ferieninsel sieht zwar aus wie ein Haufen Schuhkartons, hat aber vielen Junggesellen dort eine Frau an ihrer Seite beschert.

Von Johnny Erling
Foto: REUTERS

Die neue Reihenhaus-Siedlung in den chinesischen Dorf Dadun: 3500 Dorfbewohner haben begonnen, in diese 1029 Häuser zu ziehen. Es heißt, dass die Junggesellen die größten Profiteure der Aktion sind
Die neue Reihenhaus-Siedlung in dem chinesischen Dorf Dadun: 3500 Dorfbewohner haben begonnen, in diese 1029 Häuser zu ziehen. Es heißt, dass die Junggesellen die größten Profiteure der Aktion sind

Chinas schönste Ferieninsel und eigenständige Provinz Hainan macht mit einem neuen Rezept zur Armutsbekämpfung Furore und zugleich Werbung für ihren Tourismus. Reisemanager hatten schon früh die landschaftlichen Reize des Fischerdorfs Dadun entdeckt. Es liegt direkt auf einer ins Meer reichenden Landzunge an der Südküste von Hainan, von drei Seiten vom Meer umgeben.

Doch die palmenbewachsene Einöde hatte einen Schönheitsfehler. Ihre mehr als 3500 Fischer und Bauern lebten in 941 Familien in der Gegend verstreut. Sie waren so bitterarm, im Durchschnitt lebten sie von rund 350 Euro im Jahr. Hundert Männer konnten keine Frauen finden und fristeten als "ewige Junggesellen" ihr Leben.

Das grüne Paradies war touristisch weder zu erschließen noch zu vermarkten, solange überall die Bauernkaten standen und die Küste von den Fischern benutzt wurde. Mehrfach versuchten Geschäftemacher und Kreisfunktionäre die Bauern durch Enteignung zu vertreiben, um eine Oase für den internationalen Tourismus auf Dadun zu schaffen. Das misslang.

Zehn Jahre lang stritten die Bauern mit Petitionen um ihr Land und um ihre Rechte, gingen bis zur Provinz. 2010 versuchte ein neuer Kreissekretär den Teufelskreis zu durchbrechen und das Vertrauen der Dörfler wieder zu gewinnen. Er setzte sich dafür ein, dass sie für ihr Land marktgerecht entschädigt wurden. Dann überzeugte er sie, ihr Land in eine gemeinsame Aktiengesellschaft einzubringen. Jeder Familie würde zudem ein dreistöckiges Haus erbaut bekommen, versprach er.

Männer kehrten auf Insel zurück

Alle Bauern willigten ein, ihre Hütten aufzugeben, behauptet die Nachrichtenagentur Xinhua und in die Reihenhaus-Siedlung umzuziehen. Ihr Vorteil: Jede Familie erhielt ein 253 Quadratmeter großes, möbliertes Haus umsonst. Ein Teil ihres Landes gehört ihnen weiter als Kollektiv, dass sie nun selbst vermarkten dürfen. Der Großteil ihres Landes, für das sie noch einen Extra-Abschlag in Millionenhöhe als Startkapital bekamen, wird von einer Gesellschaft touristisch erschlossen und vermarktet. In Dadun stehen jetzt auch Fabriken.

Als "neues Modell für das ländliche Dorf" und "neues Modell, um Land- und Bodenstreit zu vermeiden", preist die Provinz Hainan ihr Sozial- Experiment an. Innerhalb eines Jahres kamen fast alle Familien zu Geld, kehrten Männer und Brüder zurück, die auswärts arbeiteten, weil sich in Dadun nun Geld verdienen lässt. Die größten Gewinner, so schreibt Xinhua, wurden die 100 ewigen Junggesellen. Plötzlich waren sie für auswärtige Frauen ein gute Partie. Als das Dorf jetzt am 18. Januar gemeinsam seinen Umzug in das Reihenhaus-Dasein feierte, hatten 80 Junggesellen eine Anvertraute an ihrer Seite.

Quelle: Reuters
26.12.12 1:02 min.
in acht Stunden quer durchs Reich der Mitte: In China ist die mutmaßlich längste Hochgeschwindigkeitsstrecke für Züge in Betrieb gegangen. Die Züge sollen mit bis zu 300 Stundenkilometern fahren.
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