23.01.13

Filmbiografie

Sherlock Holmes spielt jetzt Julian Assange

Gerade haben die Dreharbeiten zu der Filmbiografie des WikiLeaks-Gründers begonnen. Benedict Cumberbatch hat die Hauptrolle übernommen, seinen Kompagnon Daniel Domscheit-Berg verkörpert Daniel Brühl.

Von Hanns-Georg Rodek
Foto: Frank Connor

Benedict Cumberbatch als Julian Assange und Daniel Brühl als Daniel Domscheidt-Berg in der WikiLeaks-Verfilmung
Benedict Cumberbatch als Julian Assange und Daniel Brühl als Daniel Domscheidt-Berg in der WikiLeaks-Verfilmung

"Er ist sozial inkompetent, er ist besessen, er ist ein Forscher, er ist klinisch präzise, und er ist abgekapselt von der Welt." So beschrieb der amerikanische Regisseur Bill Condon vor zehn Jahren den Sexualwissenschaftler Alfred Kinsey, über den er den Film "Kinsey – Die Wahrheit über Sex" mit Liam Neeson in der Hauptrolle drehte. Genau die gleiche Beschreibung könnte er auf den Helden seines neuen Films anwenden, der seit Anfang dieser Woche gedreht wird: "The Man who Sold the World" handelt von Julian Assange.

Viel ist nicht bekannt, selbst der Titel steht noch nicht fest, er läuft auch unter dem Arbeitstitel "The Fifth Estate". Immerhin kennen wir die Besetzung der Hauptrollen. Assange wird von Benedict Cumberbatch gespielt, dem jüngsten Fernseh-"Sherlock Holmes" und dem Necromancer aus dem "Hobbit"; der 36-jährige Engländer muss dafür sein braunes Haar mit einer platinblonden Perücke verdecken, den mittleren Farbton – ein Rotblond – hatte er schon als Kopf der "Skalpjäger" in "Dame, König, As, Spion" ausprobiert.

Der Film beruht auf dem Buch "Inside WikiLeaks" von Daniel Domscheit-Berg, und damit begibt sich "The Man who Sold the World" schon auf schlüpfriges Gelände. Denn Domscheit-Berg, der Pressesprecher von WikiLeaks, schied vor zwei Jahren im Streit von Assange, dessen Arbeits- und Führungsstil er als autoritär kritisiert hatte.

Der Film beruht auf dem Buch vom Domscheit-Berg

WikiLeaks haben den Film deshalb auch nicht autorisiert. Ihr neuer Sprecher Kristinn Hrafnsson gab sich skeptisch; wenn der Film das Buch reflektiere, werde er mit "begrenzter Unparteilichkeit" eine negative Sicht der Organisation liefern. Außerdem sei Hollywood nicht als der Ort bekannt, der zeitgenössische Geschichte am besten reflektiere. Der Assange-Film ist eine DreamWorks-Produktion, und das Drehbuch stammt von Josh Singer, der zwei Dutzend "West Wing"-Episoden geschrieben hat, also in politischen Winkelzügen bewandert sein sollte.

Ausnahmsweise geht die Rolle des Deutschen Daniel Domscheit-Berg wirklich an einen Deutschen, und zwar an Daniel Brühl, der nicht nur wegen des gleichen Vornamens wie dafür geschaffen erscheint – allerdings erst zum Zuge kam, als James McAvoy zu Gunsten der nächsten "X-Men"-Folge absprang.

Daniel Brühl ersetzt James McAvoy

Nun könnte Assange, wenn der Film im November in die Kinos kommt, immer noch in der ecuadorianischen Botschaft in London sitzen, sein Leben völlig in der Balance hängen. Früher hat das Kino vor einer solchen Vita ohne Abschluss zurückgeschreckt, aber die allgemeine Beschleunigung unseres Lebens hat auch Hollywood umdenken lassen.

Mark Zuckerberg ist in "The Social Network" absolut zufriedenstellend abgehandelt worden (mehr will man gar nicht von ihm wissen), und von der Firma des "Lost"-Erfinders J.J. Abrams wurde gerade erst ein Lance-Armstrong-Film angekündigt. Ach ja, und über Steve Jobs sind gleich zwei Filme in Arbeit. Damit wäre das Kino-Quartett der weltbewegenden Unsympathen komplett.

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