23.01.13

Jair Lapid

Israels schönster Mann will das Land versöhnen

Aus dem Stand ist Jair Lapid mit seiner Partei "Es gibt eine Zukunft" zweitstärkste Kraft in Israel geworden. Der Ex-Boxer, Kinderbuchautor und Journalist ist im Land seit Langem eine Berühmtheit.

Von Michael Borgstede
Foto: REUTERS

„Es gibt eine Zukunft“ heißt seine Partei: Jair Lapid als strahlender Wahlgewinner
"Es gibt eine Zukunft" heißt seine Partei: Jair Lapid als strahlender Wahlgewinner

Mit diesem Erfolg hatte niemand gerechnet: Jair Lapid ist mit seiner Partei "Es gibt eine Zukunft" bei den israelischen Parlamentswahlen mit 19 Mandaten die zweitstärkste Kraft geworden. Doch wer ist der politische Newcomer eigentlich?

Schon bevor er sich der Politik zuwendete, war Lapid in Israel eine Berühmtheit. Der 49-Jährige hat schon auf vielen Hochzeiten getanzt, meistens mit Erfolg: Ein Theaterstück hat er verfasst und zwei Kinderbücher geschrieben. Es gibt einige gar nicht schlechte Gedichte aus jungen Jahren, vier Thriller und zwei Romane.

Seit 1991 schreibt er eine beliebte wöchentliche Kolumne, die erst in der Tageszeitung "Ma'ariv" und dann beim Konkurrenzblatt "Yedioth Aharonoth" erschien. Er moderierte Talkshows sowohl im staatlichen als auch im Privatfernsehen, er spielte in mehreren Filmen mit, versuchte sich in Hollywood, schrieb zwei Fernsehserien, trat mit mäßigem Erfolg als Boxer auf und wurde wiederholt zum attraktivsten Mann Israelis gewählt.

Sorgfältig geplanter Wechsel in die Politik

Im Januar 2012 dann kündigte der Sohn des ehemaligen Justizministers Tommy Lapid und der auch in Deutschland erfolgreichen Krimiautorin Schulamit Lapid seinen Wechsel in die Politik an.

Sein Vater hatte es seinerzeit vorgemacht. Doch während Tommy Lapid 2003 eher aus Versehen in der Knesset landete, hat sein Sohn den Wechsel sorgfältig geplant.

Am deutlichsten zeugen davon seine Kolumnen: Handelten sie früher noch vom aussichtslosen Kampf gegen Kakerlaken, von schlecht schlafenden Kindern und ewig bellenden Nachbarshunden, hat sich der Fokus längst auf die politisch heißesten Themen des Landes verschoben, auf Siedler, Orthodoxe und die Lebensmittelpreise.

Politischer Neuanfang wurde kritisch beäugt

Dennoch wurde sein politischer Neuanfang von vielen kritisch beäugt. Seine Zukunftspartei ist auf ihn maßgeschneidert, in den Parteistatuten hat er sich selbst bis zum Jahr 2020 den Posten als Vorsitzenden gesichert, der die Kandidatenliste für die Knesset als Alleinherrscher zusammenstellen kann.

Zudem hat Lapid im Wahlkampf selten programmatisch Position bezogen. Bisher hat er auch als Politiker jene Taktik weiterverfolgt, die ihm als Showmaster zu landesweiter Beliebtheit verholfen hat: Es immer allen recht machen und ja niemanden zu verärgern. Wenn er heute die Siedlerbewegung vorsichtig kritisiert, dann umarmt er sie im nächsten Halbsatz als seine Brüder.

Wenn er den Forderungen der Ultraorthodoxen entgegentritt, dann nicht, ohne seinen Respekt für die Religionsgelehrten und seine Verbundenheit mit der jüdischen Tradition auszudrücken. Jair Lapid möchte sich als israelische Integrationsfigur, als Versöhner sehen. Sein Vater Tommy war da ganz anders: Ein hemmungs- und grenzenloser Polterer, der die Provokation genoss und dem der große Knall oft wichtiger war als das Resultat.

Als Gast in der Talkshow seines Sohnes wurde der aus Ungarn stammende Holocaust-Überlebende von Jair einst gefragt, was für ihn besonders israelisch sei. Den Tränen nahe und doch sehr stolz antwortete der Vater seinem Sohn: "Du!" Und vielleicht ist gerade das ein Grund für seinen Wahlerfolg.

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