22.01.13

EU-Kommission

Spanien scheitert am selbst gesteckten Defizitziel

Trotz des harten Sparkurses hat die spanische Regierung laut EU-Kommission ihr Defizitziel im vergangenen Jahr wohl nicht erreicht. Ein zweites Sorgenkind überraschte die Euro-Zone dagegen positiv.

Spanien hat sein Defizitziel im vergangenen Jahr nach Einschätzung der EU-Kommission wohl verfehlt. Trotz aller Sparbemühungen Madrids und einer fortgesetzten Haushaltskonsolidierung im dritten Quartal sei eine Neuverschuldung von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) "sehr schwer" zu erreichen, heißt es in einem Bericht zum Rettungspaket für Spaniens Banken.

Die Kommission rechnet demnach vielmehr damit, dass Madrid für 2012 ein Haushaltsdefizit von 8,0 Prozent aufweist. Grund seien die besonders klammen Kassen der Regionen.

Schwere wirtschaftliche Krise

Die EU-Kommission geht in ihrem Bericht davon aus, dass Spaniens Neuverschuldung im Jahr 2013 bei 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt. Madrid hatte sich dagegen für dieses Jahr ein Defizitziel von 4,5 Prozent vorgenommen und wollte es 2014 unter die Drei-Prozent-Grenze schaffen. Im Jahr 2011 lag die Neuverschuldung Spaniens bei 9,4 Prozent des BIP.

Das Land hat sich rigorose Sparmaßnahmen auferlegt, um bis 2014 150 Milliarden Euro einzusparen. Spanien befindet sich seit dem Platzen einer Immobilienblase 2008 in einer schweren wirtschaftlichen Krise.

Griechenland verringert Defizit

Griechenland konnte sein Haushaltsdefizit nach endgültigen Angaben des Finanzministeriums dagegen drastisch verringern. Das Defizit fiel von 22,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 15,7 Milliarden Euro, wie das Ministerium mitteilte. Das entspricht 8,1 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die Regierung und die Geldgeber hatten sich als Ziel 16,3 Milliarden Euro (8,4 Prozent der Wirtschaftsleistung) gesetzt. 2011 waren es nach Angaben von Eurostat noch 9,4 Prozent. Zielmarke ist die Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent beim Haushaltsdefizit.

Ziel des Sparprogramms übertroffen

"Griechenland hat seine Ziele erreicht", sagte der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras nach Bekanntgabe der Zahlen. Athen hofft, mit einem neuen Sparprogramm und weiteren harten Einsparungen Ende 2013 erstmals im Jahresdurchschnitt einen primären Überschuss – ohne die Zinslast für die Schulden – zu erzielen.

Das primäre Defizit lag 2012 bei 3,5 Milliarden Euro (1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), wie aus dem endgültigen Bericht hervorgeht, der der dpa vorlag. 2011 gab es noch ein primäres Defizit von 6,4 Milliarden Euro. Damit wurde das primäre Defizit um 46 Prozent verringert.

Auch hier wurde das Ziel des Sparprogramms übertroffen. Ursprünglich rechnete Athen mit 4,6 Milliarden Euro beim primären Defizit 2012. In den vergangenen Monaten hatte es sogar einen kleinen primären Überschuss gegeben.

Quelle: AFP/dpa/cat
Quelle: Reuters
08.01.13 1:57 min.
Antonis Samaras blickt vor dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin optimistisch in die Zukunft. Sein Land arbeite hart am Wiederaufbau, sagte Griechenlands Ministerpräsident.
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Spanische Wirtschaftsdaten
  • Das Land

    Die Kaufkraft pro Einwohner in Spanien liegt in diesem Jahr bei 12.943 Euro. Das entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Kaufkraft je Einwohner den Berechnungen zufolge bei 20.014 Euro, in Italien bei 16.179 und im krisengeschüttelten Griechenland bei 11.357 Euro.

    Dabei ist die Kaufkraft – also die Summe, die Bürger nach Abzug von Steuern und Abgaben für Konsumausgaben und zum Sparen übrig haben – auch in Spanien durchaus sehr unterschiedlich verteilt: Der Wohlstand konzentriert sich auf die Grenzregion zu Frankreich im Norden – und auf die zentral gelegene Hauptstadtregion Madrid.

  • Das reiche Spanien

    Die Provinzen mit der höchsten Kaufkraft pro Einwohner befinden sich im Baskenland an der Grenze zu Frankreich. Spitzenreiter ist Gipuzkoa (16.707 Euro), dicht gefolgt von Alava (16.461 Euro) und Navarra (16.284 Euro). Die Region Madrid liegt mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 16.238 Euro an vierter Stelle.

    Für Spanien ist das reich – beim Euro-Partner Italien allerdings entspricht dieser Wert gerade einmal dem landesweiten Durchschnitt. Auffällig ist, dass die Kaufkraftspreizung in Spanien in beide Richtungen etwa gleich weit ausschlägt: Während das reiche Gipuzkoa rund 30 Prozent über dem spanischen Durchschnitt liegt, rangiert die kaufkraftschwächste Region Cádiz etwa 30 Prozent darunter.

  • Das arme Spanien

    Das Schlusslicht Cádiz an der Südspitze des Landes bringt es auf gerade einmal 8729 Euro Kaufkraft je Einwohner. Das entspricht in etwa der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft Maltas oder der Slowakei. In den bevölkerungsarmen Provinzen Cáceres, Huelva und Badajoz, allesamt an der Grenze zu Portugal gelegen, sieht es nicht viel besser aus. Auch dort liegt die Kaufkraft je Einwohner weit unter dem spanischen Durchschnitt.

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