20.01.13

Mini-Reform

Ausländer dürfen in Nordkorea Handys behalten

Nach dem Besuch von Google-Chef Eric Schmidt hat sich Nordkorea zu einer Mini-Reform entschlossen. Die Machthaber wollen die Benutzung von Handys erleichtern und die Online-Beschränkungen lockern.

Von Johnny Erling
Foto: dpa

Kim Jong Un grüßt am 16.04.2012 bei einer Parade in Pjöngjang (Nordkorea). Der nordkoreanische Machthaber hat die Verbesserung des Lebens der Bevölkerung zum obersten Ziel im neuen Jahr erklärt. Jetzt sollen sogar Internet- und Handy-Benutzung erleichtert werden
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un bei einer Parade

Nordkorea will für Ausländer die strikte Kontrolle für den Gebrauch von Mobiltelefonen und den Zugang zum Internet lockern. Eine Woche nach dem Besuch von Google-Verwaltungschef Eric Schmidt erfuhr Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, deren Korrespondenten in dem hermetisch abgeschlossenen Land arbeiten dürfen, von der geplanten Mini-Reform.

Sie kommt genau ein Jahr nach Amtsantritt des neuen Machthaber Kim Jong-un, dem ein Faible für Technologie nachgesagt wird. Im ersten Schritt sollen Ausländer bei der Einreise ihr Handy nicht mehr abgeben müssen. Sie dürfen es mit ins Land nehmen und könnten dann mit einer speziellen SIM-Karte von Pjöngjang aus auch international telefonieren und später sogar auch ins Internet gehen.

Lockerung nach langwierigen Verhandlungen

Mitarbeiter des ägyptisch-nordkoranischen Koryolink-Telekom-Jointventure berichteten, dass die Behörden nach langwierigen Verhandlungen diese neue Praxis erlauben wollten. Sie bestritten aber, dass dies mit dem hochrangigen Google-Besucher zu tun hatte.

Eric Schmidt hatte sich nach seiner Reise entsetzt über die totale Kontrolle und Unzugänglichkeit des Internet für die Öffentlichkeit geäußert. Solange sich dies nicht ändern würde, gebe es für Google in dem Land keinen Platz. Nach der beabsichtigten Lockerung sollen Einreisende ihr Handy mit seiner Betriebsnummer beim Zoll anmelden und registrieren. Wenn es WCDMA 3G kompatibel ist, können sie von Koryolink für 50 Euro eine SIM-Karte zum Telefonieren erwerben.

Sogar Bildtelefon-Gespräche sind möglich

Das Verfahren würde in Kürze von den Behörden freigeschaltet, hieß es von Seiten des ägyptischen Technologie-Konzerns. Xinhua erfuhr, dass das Koryolink-Telekom-Jointventure seit 2008 ein 3-G Netzwerk im Land aufgebaut hat, über das 1.8 Millionen Nordkoreaner auch mit MMS und Video-Calls untereinander Verbindung aufnehmen könnten.

Auslandsanrufe sind über dieses interne Handynetz allerdings ebenso wenig möglich, wie sich mit dem Internet zu verbinden. Im Land lebende Ausländer, die sich solche Mobiltelefone erwarben, konnten wiederum nicht mit Nordkoreanern telefonieren.

Getrennte SIM-Karten für Einheimische und Ausländer

Möglich war diese Trennung durch unterschiedliche SIM-Karten. Auch beim Internet ging Nordkorea bisher ganz eigene Wege durch den Aufbau eines landesinternen Intranet. Es ist technisch nicht mit dem World Wide Web kompatibel. Auch Nordkoreas Fernsehgeräte sind technisch so eingestellt, dass die Zuschauer mit ihnen weder südkoreanische noch chinesische Fernsehsender empfangen können.

Die Familiendiktatur der Kims hielt bisher mit allen Mitteln ihre Bevölkerung im Zustand der Ahnungslosigkeit, über alles, was außerhalb der Grenzen passierte.

Foto: AFP

Die Frau von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un bei der Neujahrsfeier in einem schlanken Zweiteiler: Weil Ri Sol-ju zuletzt noch ganz anders aussah ….

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