18.01.13

Tschechien

Antideutsche Töne im Präsidenten-Wahlkampf

Kurz vor der Stichwahl streuen Amtsinhaber Vaclav Klaus und dessen Sohn Gerüchte gegen den bürgerlichen Kandidaten Karel Schwarzenberg. Er sei "kein authentischer Tscheche", behaupten sie.

Von Hans-Jörg Schmidt
Foto: dpa

Gar kein echter Tscheche? Der Präsidentschaftskandidat Karel Schwarzenberg
Gar kein echter Tscheche? Der Präsidentschaftskandidat Karel Schwarzenberg

Eine Woche vor der Stichwahl zum tschechischen Staatsoberhaupt machen die Gegner des bürgerlichen Kandidaten, Außenminister Karel Schwarzenberg, mobil. Der bei den Buchmachern im Zweikampf mit dem früheren linken Premier Milos Zeman vorn liegende böhmische Adelsspross muss sich Vorwürfen erwehren, er sei kein "authentischer Tscheche". Angestoßen haben diese Debatte ausgerechnet Amtsinhaber Vaclav Klaus und dessen ältester Sohn.

Obwohl Klaus nach der ersten Runde der Wahlen noch betont hatte, den Wählern keine Empfehlung für die Stichwahl geben zu wollen, schlug er sich jetzt offen auf die Seite Zemans. "Präsident sollte ein Mensch werden, der zu diesem Land gehört, der Teil dieses Landes ist, der sein Leben hier verbracht hat", in guten wie in schlechten Zeiten. Das zielte gegen Schwarzenberg, dessen Familie 1948 gezwungenermaßen ins Exil gehen musste.

Haltlose Behauptung über Nazi-Kollaboration

Der Sohn von Klaus machte sich öffentlich über die angeblich unzureichenden tschechischen Sprachfertigkeiten Schwarzenbergs lustig. Schwerer noch wog sein Vorwurf, der Vater Schwarzenbergs habe mit den Deutschen kollaboriert. Klaus jr. bezog sich dabei auf in der Zeit des Sozialismus erschienene "wissenschaftliche Werke", die längst als Propaganda entlarvt worden sind.

Die Familie Schwarzenberg gehörte ganz im Gegenteil zu den größten böhmischen Patrioten, was dazu führte, dass ihr Besitz von den Nationalsozialisten konfisziert wurde. Wegen ihrer pro-tschechischen Haltung durfte die Familie nach dem Krieg auch ihre tschechoslowakische Staatsbürgerschaft behalten und wurde nicht mit den Sudetendeutschen kollektiv vertrieben. Folgerichtig erhielt Karel Schwarzenberg nach 1989 auch einen Großteil seines früheren Eigentums zurück erstattet.

Gegenkandidat Zeman zieht "deutsche Karte"

In einer Fernsehdebatte am Donnerstagabend zog Gegenkandidat Zeman dann gegenüber Schwarzenberg die "deutsche Karte". Er hielt dem Minister vor, dem ersten Nachwende-Präsidenten Vaclav Havel zur Entschuldigung bei den Sudetendeutschen geraten und den Vertriebenen die Rückgabe ihres Eigentums in Aussicht gestellt zu haben.

Schwarzenberg erwiderte darauf, dass die Vertreibung aus heutiger Sicht als "grobe Verletzung der Menschenrechte" anzusehen ist. Dafür müssten sich heute die damalige Regierung und ihr Präsident Edvard Benesch in Den Haag verantworten. Die damalige tschechische Gesellschaft sei "vom Bazillus des Nazismus angesteckt" gewesen, als sie nach dem Prinzip der Kollektivschuld auch jene Deutsche vertrieben habe, die sich loyal zum tschechoslowakischen Staat verhalten hatten.

Zeman hatte in seiner Zeit als Premier für eine massive Verstimmung in Deutschland gesorgt, als er die Sudetendeutschen als "5. Kolonne Hitlers" bezeichnet hatte. Die Sudetendeutschen, so Zeman, hätten froh sein können, "Heim ins Reich" zu dürfen, statt an die Wand gestellt zu werden.

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