17.01.13

Nervenkrieg

45 Geiseln in Algerien soll Flucht gelungen sein

Islamisten haben ein Gasfeld gekapert und halten Ausländer in ihrer Gewalt, mindestens zwei wurden getötet. Algerien will nicht verhandeln.

Foto: dapd

Das Ain Amenas Gasfeld: Hier halten Islamisten Ausländer in ihrer Gewalt
Das Ain Amenas Gasfeld: Hier halten Islamisten Ausländer in ihrer Gewalt

Nach dem Überfall islamischer Extremisten auf ein Gasfeld in Algerien sind Behördenangaben zufolge 30 algerische Geiseln entkommen. Die Nachrichtenagentur APS spricht von "dreißig algerischen Arbeitern", denen die Flucht von der Anlage bei In Amenas im Osten Algeriens gelungen sei. Auch mehrere ausländische Geiseln sollen laut Medienberichten entkommen sein. 15 Ausländer, darunter ein französisches Paar, seien ihren islamistischen Geiselnehmern entkommen, berichtete der private Fernsehsender Ennahar unter Berufung auf eine "offizielle Quelle".

Die blutige Geiselnahme auf einem Erdgasfeld in Algerien bleibt aber ein Nervenkrieg. Am Donnerstagmorgen blockierten Regierungstruppen den Fluchtweg der Extremisten und kesselten sie mit Soldaten und Hubschraubern ein. Zuvor hatten die Islamisten nach eigenen Angaben insgesamt 41 Ausländer auf dem Gelände im Süden des Landes in ihre Gewalt gebracht, mindestens zwei wurden getötet.

Einige der entführten Ausländer müssen einem Fernsehbericht zufolge Sprengstoffgürtel tragen. Die Entführer seien schwer bewaffnet und drohten damit, die Einrichtungen an dem Gasfeld in die Luft zu sprengen, wenn das algerische Militär einen Befreiungsversuch starte, sagte eine der Geiseln France 24 am Mittwochabend dem Sender zufolge. "Sie haben die beiden Anlagen gleichzeitig angegriffen. Sie sind hineingegangen und haben alle zusammengetrieben, sobald es hell wurde", sagte der Mann in einem Ausschnitt eines Telefongesprächs, das am Donnerstag gesendet wurde.

USA drohen mit Gegenmaßnahmen

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem "Terroranschlag" und drohte mit Gegenmaßnahmen, ohne diese näher zu erläutern. Die algerische Regierung lehnt Verhandlungen mit den ringsum belagerten Geiselnehmern kategorisch ab.

Inzwischen haben die Regierungen Österreichs, Irlands, Norwegens, Großbritanniens, Japans und der USA bestätigt, dass Staatsbürger ihrer Länder gefangen genommen wurden. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe geißelte den Überfall als "unverzeihlich". Zu dem Angriff bekannte sich laut einem Bericht der mauretanischen Nachrichtenagentur NIA die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende "Maskierte Brigade" des einäugigen Extremistenführers Moktar Belmoktar. Zuvor hatte Algerien der französischen Luftwaffe wegen ihres Kampfes gegen die Rebellen im benachbarten Mali Überflugrechte gewährt und sich damit den Zorn der Islamisten zugezogen.

Extremisten drohen mit globalisiertem Konflikt

"Die Vereinten Nationen haben grünes Licht für diese Intervention gegeben, und alle westlichen Länder werden den Preis dafür zahlen", sagte ein Vertrauter Belmoktars . "Jetzt tragen wir unseren Konflikt in die Welt hinaus."

Der algerische Innenminister Daho Ould Kabila sprach lediglich von "ungefähr 20" Geiseln, eine genaue Zahl ist schwer zu ermitteln. Durch die Regierungen ihrer Heimatländer definitiv bestätigt ist die Verwicklung von sieben amerikanischen und 13 norwegischen Geiseln. Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur wurden auch Hunderte algerische Arbeitskräfte gefangen genommen, später aber nach und nach unversehrt freigelassen.

Der Erdgaskomplex Ain Amenas, auf dem sich das Geiseldrama abspielt, liegt 1.300 Kilometer südlich der Hauptstadt Algiers tief in der Sahara-Wüste. Der britische Ölkonzern BP betreibt das Gasfeld zusammen mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach. Die japanische Firma JGC Group ist als Dienstleister vor Ort.

Algerische Regierung lehnt jegliche Verhandlungen ab

Nach algerischen Regierungsangaben hatten 20 schwer bewaffnete Angreifer in drei gepanzerten Fahrzeugen am Mittwoch zunächst einen Bus mit Mitarbeitern der Gasanlage attackiert, der auf dem Weg zum nahegelegenen Flughafen war. Unter den Opfern sind demnach ein Brite und ein Algerier, hinzu kommen sechs Verletzte, darunter ebenfalls zwei Briten und ein Norweger. Örtlichen Medienberichten zufolge soll es bereits erste Gefechte zwischen den Streitkräften und den Extremisten gegeben haben.

"Algerien wird nicht auf die Forderungen von Terroristen eingehen und lehnt jegliche Verhandlungen ab", sagte Kabila und nährte damit Spekulationen über eine gewaltsame Geiselbefreiung. Meldungen wonach die Angreifer aus Mali oder Libyen stammen sollen, wies er zurück.

Algerien ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und gilt als Verbündeter der USA und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Beziehungen zwischen Algiers und Paris sind allerdings latent belastet durch die jahrzehntelangen Spannungen mit der früheren Kolonialmacht und den blutigen Unabhängigkeitskrieg vor 50 Jahren.

Quelle: dapd/Reuters/ap/AFP/oje
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