16.01.13

Mali-Konflikt

Islamisten nehmen 41 westliche Geiseln in Algerien

Weil Algerien dem französischen Militär Überflugrechte nach Mali gewährt, haben religiöse Fundamentalisten nun Geiseln genommen.

Foto: dpa

Die BP-Raffinerie liegt etwa 1300 Kilometer südöstlich von der algerischen Hauptstadt Algiers
Die BP-Raffinerie liegt etwa 1300 Kilometer südöstlich von der algerischen Hauptstadt Algiers

Bei einer Geiselnahme auf einem Gasfeld im Osten Algeriens hat eine Islamistengruppe nach eigenen Angaben 41 westliche Ausländer gefangengenommen. Bei den Geiseln handle es sich unter anderem um sieben US-Bürger sowie um Franzosen, Briten und Japaner, wurde ein Sprecher der Gruppe zitiert. Fünf Geiseln würden in der Fabrik festgehalten und 36 weitere in einer Unterkunft.

Die Geiselnahme sei eine Reaktion auf die "unverhohlene Einflussnahme Algeriens durch die Gewährung von Überflugrechten für seinen Luftraum für die französische Luftwaffe", wurde der Islamistensprecher weiter zitiert.

In Mali hatte Frankreichs Armee Ende vergangener Woche eine Offensive gegen die Islamisten gestartet, die weite Teile des westafrikanischen Landes kontrollieren.

Briten, Japaner und Norweger unter den Geiseln

Zuvor hatte die algerische Nachrichtenagentur APS gemeldet, dass ein islamistisches Kommando einen Standort des Ölkonzerns BP angegriffen habe. Dabei seien zwei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Außerdem seien mehrere Ausländer als Geiseln genommen worden. Das algerische Innenministerium sprach von einem getöteten Ausländer.

Über die Nationalität der Geiseln und Todesopfer herrschte zunächst Verwirrung. Laut APS zählte ein Brite zu den Toten, das Außenministerium in London bestätigte dies nicht. Nach Angaben aus westlichen Diplomatenkreisen handelte es sich bei den Geiseln vor allem um Briten, Norweger und Japaner.

Der algerische Abgeordnete Mahmoud Guemama sagte unter Berufung auf Augenzeugen, ein Franzose und vier Japaner seien als Geiseln genommen worden. Ein Sprecher der französischen Botschaft konnte diese Angaben jedoch nicht bestätigen.

Frankreich hat seine Bodenoffensive indessen gegen die Islamisten im Norden von Mali gestartet und stellt sich auf einen langen Kampf ein. In der von den Islamisten kontrollierten Stadt Diabali lieferten sich französische Spezialtruppen am Mittwoch Gefechte mit den Aufständischen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete.

Im Osten des Konfliktgebiets in Mali sei der Einsatz erfolgreich, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dem Sender RTL, im Westen sei die Lage schwieriger. Es werde ein "langer Kampf", an dessen Ende das Ziel stehe, dass Mali seine Souveränität über das gesamte Staatsgebiet zurückerlange.

Spezialtruppen liefern sich Nahkämpfe mit Islamisten

Zuvor seien die Bodentruppen in der Hauptstadt Bamako stationiert gewesen, dann hätten sie sich in den Norden aufgemacht, vor allem, um Diabali rund 400 Kilometer nördlich von Bamako zurückzuerobern, sagte der Minister. Dort lieferten sich französische Spezialtruppen Nahkämpfe mit den Islamisten.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte an, Deutschland wolle "unverzüglich" zwei Transall-Transportflugzeuge der Bundeswehr nach Mali entsenden. Die deutschen Flugzeuge sollten einen Einsatz der Westafrikanische Staatengemeinschaft (ECOWAS) unterstützen, nicht aber den Einsatz Frankreichs.

Frankreich habe im Gegensatz zur ECOWAS bereits Transporthilfe von anderen Staaten angeboten bekommen. So sagte etwa Belgien Transportflugzeuge und Helikopter zu, Großbritannien und Kanada boten Truppentransporter an. Die ECOWAS-Eingreiftruppe soll 3300 Mann stark sein.

Es herrsche "hoher Zeitdruck", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Gespräch mit dem Präsidenten der Elfenbeinküste und ECOWAS-Vorsitzenden, Alassane Ouattara, in Berlin. Ein Votum des Bundestags hält sie derzeit nicht für erforderlich.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kündigte an, dass Deutschland eine Million Euro zusätzlich für malische Flüchtlinge zur Verfügung stellen werde. "Wir dürfen bei allen wichtigen strategischen und militärischen Überlegungen die Not der Menschen nicht vergessen", sagte er.

Quelle: AFP/oje
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