10.01.13

Grenze zu Afghanistan

Mehr als 100 Tote bei Bombenanschlägen in Pakistan

Bei mehreren Bombenanschlägen sind in Pakistan über 100 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Selbstmordanschläge in der Stadt Quetta wurden in und vor einem Billard-Club verübt.

Foto: AFP

Nach einer Bombenattacke vor einem Billard-Club in der pakistanischen Stadt Quetta bergen freiwillige Helfer die Leichen
Nach einer Bombenattacke vor einem Billard-Club in der pakistanischen Stadt Quetta bergen freiwillige Helfer die Leichen

Bei Bombenanschlägen in Pakistan sind am Donnerstag mindestens 101 Menschen getötet worden. In der Stadt Quetta kamen bei zwei Explosionen mindestens 69 Menschen ums Leben, wie die Polizei mitteilte.

Der erste Sprengsatz sei von einem Selbstmordattentäter in einer Billardhalle gezündet worden, berichteten Anwohner in dem überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtviertel. Zehn Minuten später sei eine Autobombe detoniert. Zu den offenbar koordiniert ausgeführten Anschlägen bekannte sich eine sunnitische Extremistengruppe.

Zuvor waren bei einer Explosion auf einem Markt in der Stadt elf Menschen getötet worden. Hier bekannte sich die United Baloch Army zu der Tat, die für die Unabhängigkeit der Provinz Baluchistan kämpft. Die verarmte Provinz nimmt fast die Hälfte des Staatsgebiets ein, jedoch wohnen dort nur acht Millionen der 180 Millionen Pakistaner. Die Region verfügt über große Erdgas-, Kupfer- und Goldvorkommen.

Während sich die internationale Aufmerksamkeit in Pakistan vor allem auf Extremistengruppen wie al-Qaida und die Taliban richtet, warnt der Geheimdienst des Landes vor neuen militanten Sunniten-Gruppen. Diese wollten mit Angriffen auf Schiiten Konflikte zwischen den verschiedenen Religionsgruppen Pakistans schüren, die andere Länder wie den Irak an den Rande eines Bürgerkriegs gebracht haben.

Sind Taliban beteiligt?

Neben den Anschlägen in Quetta kam es am Donnerstag auch in der größten Stadt der nordwestlichen Provinz Swat, Mingora, zu einem Angriff. Nach offiziellen Angaben wurden 21 Menschen bei einer religiösen Versammlung getötet.

Die Bergregion wird seit der Vertreibung der radikal-islamischen Taliban 2009 von der Armee verwaltet. Ein Taliban-Sprecher erklärte, seine Organisation habe nichts mit dem Anschlag zu tun.

In Pakistan wie auch weltweit sind die meisten Muslime Sunniten. Etwa 20 Prozent der mehr als 180 Millionen Einwohner Pakistans gehören der schiitischen Glaubensrichtung an.

Quelle: Reuters/sara
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