10.01.13

USA

Obama macht bei den Waffengesetzen ernst

Seit dem Amoklauf von Newtown wird Waffenbesitz in den USA heftig debattiert. Schon nächste Woche könnte Obama schärfere Gesetze vorlegen.

Foto: picture alliance / dpa
Seit dem Amoklauf von Newtown wird Waffenbesitz in den USA heftig debattiert. Schon nächste Woche könnte Obama schärfere Gesetze vorlegen.
Ein Mann schaut sich einen Katalog in einem Waffengeschäft inWichita an. Schnellfeuerwaffen könnten in den USA bald verboten werden

Erst kommen die Jäger und Sportschützen, dann muss die mächtige Waffenlobby NRA antanzen und am Abend sollen die Macher von brutalen Filmen und Videospielen vorstellig werden. Der Blick in den Kalender von US-Vizepräsident Joe Biden am Donnerstag lässt kein Zweifel: Sein Auftrag hat höchste Priorität, für kein anderes Thema ist noch Zeit.

Präsident Barack Obama hat den 70-Jährigen für eine Aufgabe abgeordnet, die so dringend wie schwierig ist – mit einer 20-köpfigen Kommission ganz schnell den Weg zu ebnen für schärfere Waffengesetze. Sie sollen Tragödien verhindern helfen wie das Schulmassaker von Newtown, bei dem 20 Kinder, allesamt Sechs- und Siebenjährige, kurz vor Weihnachten im Kugelhagel starben.

Schock von Newtown sitzt tief

Vier Wochen ist das her, und noch sitzt der Schock tief. Nach den vielen tödlichen Schüssen in Einkaufzentren, Universitäten oder einem Kino in den vergangenen Jahren war die Debatte über "gun control" zu diesem Zeitpunkt längst versandet. Waffenbefürworter hatten Mahnungen und Vorstöße bereits in erprobter Rhetorik zerredet, die Medien längst frische, handlichere Geschichten gefunden.

Doch diesmal ist es anders – der wiedergewählte Präsident und sein bester Gewährsmann haben entschieden, nicht mehr wegzuschauen: "Wir sind entschlossen, zu handeln", erklärte Biden am Mittwoch vor laufenden Kameras, als er Waffengegner und Opfer von Schießereien im Weißen Haus empfing. Bis Ende Januar soll er Vorschläge vorlegen, doch so lange will er nicht warten.

Verbot für Schnellfeuerwaffen angestrebt

Nächste Woche schon könnte Obama die Ergebnisse präsentieren, heißt es in Washington. Von der Erneuerung eines landesweiten Banns für Schnellfeuerwaffen ist die Rede, der 2004 nach zehn Jahren ausgelaufen war. Von Hintergrund-Checks von ausnahmslos allen Waffenkäufern. Magazine, die mehr als zehn Kugeln fassen, könnten verboten werden. Eine US-weite Registrierung und Beobachtung jedes einzelnen Verkaufsvorgangs sei denkbar, so die Spekulationen.

Für die Verfechter des ungehinderten Besitzes von Pistolen und Gewehren klingt das bedrohlich. Die konservative Polit-Webseite "Drudge Report" pflasterte am Mittwoch große Abbilder von Hitler und Stalin mitten auf ihre Homepage, um die "diktatorischen" Vorstöße von Obama und Biden zu illustrieren.

Waffengruppen organisierten flugs einen "Waffen-Wertschätzungs-Tag" – und zwar unmittelbar vor Obamas zweiter feierlicher Amtseinführung am 20. Januar.

Die Opposition ist laut und unerbittlich. "Die NRA hat bewiesen, zu den finanziell stärksten und effektivsten Gruppen zu gehören, wenn es darum geht, die Meinung der Kongressmitglieder zu beeinflussen", kommentiert die Zeitung "Washington Post" am Mittwoch.

Der etwas widerwillige Besuch der Lobbyisten am Donnerstag bei Biden dürfte daran kaum etwas ändern. Kaum jemand glaubt, dass wirklich einschneidende Gesetze im republikanisch dominierten Abgeordnetenhaus eine Chance hätten.

Emotionale Debatte

Dennoch beeindruckt Obama viele Amerikaner bei dem Thema mit einer Zielstrebigkeit, die vor Newtown niemand von ihm erwartet hatte. Er wirft das ganze Gewicht seines Amtes in eine der emotionalsten und somit gefährlichsten Debatten in der amerikanischen Politik. Obama sei dabei so entschlossen, er würde sogar per Erlass an den Gesetzgebern vorbei agieren, stellt Biden klar: "Der Präsident wird handeln." Große Worte, an denen das Regierungsduo sich noch messen lassen muss.

Bedeutende gesetzlich Sprünge ohne Abstimmung im Kongress lässt das US-Regierungssystem zwar nicht zu. Aber die Waffengegner macht allein das Gebaren des Weißen Hauses so optimistisch wie lange nicht mehr: "Das ist ein sehr großer Moment, ein gewaltiger Moment", sagte Sarah Brady.

Sie kämpft für eine strikte Regulierung, seit ihr Mann vor gut 30 Jahren bei einem Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan durch Schüsse an den Rollstuhl gefesselt wurde. James Brady war Reagans Sprecher und ist Namensgeber eines Waffengesetzes.

Mediale Hilfe erhält Obama zudem durch eine Initiative der Ex-Abgeordneten Gabrielle Giffords, die vor zwei Jahren bei einem Attentat durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt worden war. Gemeinsam mit ihrem berühmten Ehemann, dem ehemaligen Nasa-Astronauten Mark Kelly, hat sie der Waffenlobby öffentlichkeitswirksam den Kampf angesagt.

Und so gibt sich Biden zuversichtlich, einen Wandel in der öffentliche Debatte zu spüren. "Auf eine Art, wie ich sie in meiner Karriere nie sah", habe Newtown das Gewissen der Nation berührt. "Wenn unsere Taten dazu führen, nur ein Leben zu retten, dann sind sie es wert."

Quelle: dpa/mim
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mit der S-Bahn kommen die Berliner am Wochenende vielerorts nur im Schneckentempo voran
18:09Berliner Nahverkehr
Hälfte aller S-Bahn-Linien am Wochenende eingeschränkt

Auch an diesem Wochenende wird an vielen Berliner Bahnstrecken kräftig gebaut. Besonders betroffen sind die Fahrgäste der S-Bahn. Auf sieben Linien fahren bis Montagfrüh Pendelzüge oder Busse. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
18:48Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Vorbereitung seiner Aussage im BER-Untersuchungsausschuss
16:45Untersuchungsausschuss
Klaus Wowereit erklärt seine Sicht auf das BER-Debakel

Berlins Regierender hat dem Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel Rede und Antwort gestanden. Viktoria Solms und Christian Mutter waren live dabei. Das Minutenprotokoll der Sitzung. mehr...

Typhoon escorts plane into Stansted
Aktualisiert vor 37 MinutenBritischer Luftraum
Kampfjet leitet Flugzeug um – Zwei Festnahmen

Dramatischer Zwischenfall in Großbritannien: Ein Kampfjet hat ein pakistanisches Flugzeug mit 297 Menschen an Bord umgeleitet. Zwei Männer wurden wegen Gefährdung des Luftverkehrs festgenommen. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote